Versuche gerade, mich auf das Positive zu konzentrieren.
Hab ja eine Katze abgegeben – auf Probezeit. Sie kam hier nicht mehr so wirklich zu Recht. Ich überlege gerade, ob ich mich von der Familie auch adoptieren lasse. Sowas derartig liebes, tolles, rücksichtsvolles hab ich in 20 Jahren als Pflegestelle noch nicht erlebt.
Fotos, Updates zu Futter, Spielen, Schmusen, Schlafpositionen, Toilettengängen, neuen Gewohnheiten… es ist wirklich der Hammer, wie viel Mühe sich diese tolle Familie gibt. Sowohl mit der Katze als auch mit mir. Da treibt es mir ebenfalls die Tränen in die Augen – aber vor Rührung und Freude - weil sie einfach so unfassbar lieb und besorgt sind.
Sie war bei Ankunft eine Katze, die… nun ja. Sagen wir so. Hätte ich die Menschen in die Finger gekriegt, die sie so zugerichtet haben… Da hätte ich kurz meine Erziehung, Zurückhaltung, pazifistische Ader und alles andere außer purer Gewalt vergessen.
Unterernährt, Schnittwunden, Zigaretten auf ihr ausgedrückt, Panik vor allem und jedem. Besonders Gegenstände, die aussahen wie Stöcke (Papprollen vom Küchenkrepp, Besen, Pfannenwender, Lineal..). Und hochträchtig. Vor jedem ist sie weggerannt, nur ich bekam sie nicht von mir runter. War dann die "Piratenkatze", weil sie jede Gelegenheit nutzte, um auf meinen Rücken zu springen und mir auf die Schulter zu klettern.
Und Madame hat beschlossen, dass sie bei mir wohnt. Ab sofort. Sie kam und ging einfach nicht mehr und hat dann ihre Kätzchen bei mir geworfen.
Meine Familie und Freunde meinten „was für ein hässliches Tier. Wer weiß, was die hat“
Aber was sollte ich machen? Futter geben, Geburtshelfer sein, Dammriss versorgen, melden, impfen, kastrieren versteht sich doch von selbst, wenn das Tier einfach nicht mehr geht und beschlossen hat, dass sie jetzt bei mir wohnt.
Und drei Monate später musste ich Taschenkontrollen durchführen, weil jeder sie haben wollte. Sechs Monate später hatte sie keine Angst mehr und ließ sich nicht mehr nur von mir anfassen. Ein Jahr später kuschelte sie mit jedem.
Fast neun Jahre war sie bei mir. Und dann packt sich die treulose Tomate einfach in ihren neuen vier Wänden aus und tut so, als würde sie nichts anderes kennen. Pff. Und kuschelt mit jedem wie verrückt. Pfff. Keine fünf Minuten nach Ankunft hatte sie bereits alles inspiziert und ist dann erstmal fressen gegangen, bevor sie gleich mal die Toilette genutzt und es sich im Bett gemütlich gemacht hat. Spielt jeden Tag nach dem Frühstück (ihre „5 Minuten“-Zeit).
Die Frau ist so glücklich mit ihr (hatte vor Kurzem selbst ihre Katze verloren).
Bin mal gespannt wie sie auf den Kater der Kinder reagiert, wenn die beiden sich jetzt kennenlernen.