Hallöchen!
Nachdem unsere "alten" Hunde leider letztes Jahr verstorben waren, holten wir im Dezember letzten Jahres eine Hündin und einen Rüde aus dem Tierheim.
Zur Hündin: Sezuna, ca. 5einhalb Jahre (geschätzt), sterilisiert, Mischling, mittelgroß, sehr ruhig und etwas ängstlich, aber total lieb. War zum Anfang ausgerissen (erschrocken) und hatte einen "Auto"-Unfall, dessen Folgen aber verheilt sind. Sie hat sich inzwischen gut eingelebt und fühlt sich wohl.
Zum Rüde: Addi, ca. 1einhalb, nicht kastriert, Mischling (evt. Hürtenhund beteiligt, typischer türkischer Straßenhund), 65cm groß. Er kam nach Aussage des Tierheims im Sommer letzten Jahres mit zwei Schwestern nach Deutschland. Zufällig haben wir dann noch erfahren, dass er bereits an Staupe erkrankt war. (jetzt aber geimpft) Addi ist ein recht selbstbewusster Hund, der angeblich nicht vermittelt werden konnte, weil er ein Rüde ist.
Zur Haltung: nachts bzw. wenn wir nicht da sind im Zwinger (Raum im Haus mit Auslauf), tagsüber durften sie sich im großen Garten und im Haus recht frei bewegen. Wir gehen auch täglich spazieren.
Soo...
Addi hatte sich bei uns scheinbar schnell eingelebt und wurde von Anfang an mit allen Familienmitgliedern (einschließlich Oma, Opa, Tante etc.) bekannt gemacht. Er begegnete anfangs allen freundlich und war sehr gelehrig. Freute sich über alle, besonders natürlich über uns (sechsköpfige Familie, Kinder 12-22, Mutti, Vati).
Ca. ab März begann Addi ab und zu unseren Vati anzuknurren und entwickelte Aggressivität gegen unseren Opa, die sich inzwischen auf Oma, Tante etc ausweitete. Dazu wäre zu sagen, dass diese nicht viel Verständnis für Hunde, besonders für diesen "nicht funktionierenden" Hund haben.
Er begann auch uns gegenüber gewisse "Dominanzgesten" zu zeigen, welche wir allerdings nicht duldeten (direkt vor uns hinlegen, Weg versperren, ignorieren von Kommandos). Dazu kam, dass er beim Füttern gegen zufällig hinzukommende Familienmitgliedern starke Aggessivität entwickelte (schnappen, knurren, bellen).
Natürlich arbeiteten wir daran, z.B. füttern aus der Hand.
Personen, die sich weniger mit ihm beschäftigten, begegnete er zunehmend distanziert.
Wir suchten auch Rat in einer Hundeschule, von der wir nun wissen, dass sie eindeutig nicht professionell war. Wir hatten die Teilnahme dann auch nach wenigen Malen abgebrochen.
Anfang August waren nun Eltern und zwei Kinder im Urlaub. Am zweiten Tag bellte Addi in der Wohnung meinen 22jährigen Bruder an, zog sich aber wieder zurück. Als mein Bruder am dritten Tag vom Einkaufen kam, empfing Addi ihn bellend, mein Bruder sprach ihn an, streichelte ihn sogar noch, drehte sich um, um die Tür zu schließen und Addi biss zu. Er hätte wahrscheinlich nicht logsgelassen, wenn sich mein Bruder nicht durch die Tür hätte retten können. Addi zeigte richtig aggressives und böses Verhalten. Die Folge war eine recht tiefe Wunde im Oberschenkel.
Mir gegenüber zeigte er kein aggressives Verhalten, war aber erst noch "aufmüpfig". Eine Tierpsychologin riet mir, mich normal mit ihm zu beschäftigen und meinem Bruder, sich von ihm fernzuhalten. Da Addi sich mir gegenüber noch am selben Tag wieder normal benahm, kamen meine Eltern auch nicht vorzeitig aus dem Urlaub. Addi hatte jetzt logischerweise Hausverbot.
Als die Urlauber wieder kamen, begegneten sich Hund und Familienmitglieder natürlich distanziert, aber nach einigen Tagen war das Verhältnis wieder einigermaßen normal. Trotzdem bellte er mehrmals meinen Vater an, manchmal richtig böse.
Wir suchten Rat bei einer Tierpsychologin, die uns beriet, und gerade dabei ist, uns einen Plan zu erstellen. Sie schätzte den Hund als unsozialisert, Alpha-Tier und damit nicht ungefährlich ein.
Uns war von anfang an aufgefallen, dass er sehr stressanfällig ist, manchmal total komisch und unerklärbar reagiert. (erkennt uns scheinbar nicht und bellt uns an; im anderen Moment ist er total folgsam, lässt zum Beispiel einen gefangenen Vogel sofort los und geht weg).
Vor einigen Tagen biss er für uns ohne ersichtlichen Grund die kleinste (12) in die Hand. Es passierte zwar nichts, ich hatte ihn gerade angeleint, aber gerade sie hatte er vorher immer freudig empfangen.
Jetzt war für uns eigentlich klar, dass wir den Hund abgeben müssen. Allerdings können wir uns sein Verhalten nicht nur als Dominanz-Problem erklären, er lässt sich zum Beispiel problemlos über den Fang greifen etc. Daher befürchten wir, dass er irgendwelche gesundheitlichen Probleme haben könnte. Wir haben vor, ihn demnächst durchchecken zu lassen.
Wir wissen, dass wir am Anfang mit ihm einige Fehler gemacht haben, vor allem auch, weil wir uns nicht mit Straßenhunden auskennen. Leider hat uns auch das Tierheim in keinster Form eine Info gegeben, was uns, naiv wie wir waren, anfangs nicht verdächtig vorkam. Dass er Staupe hatte, haben wir auch nur durch Zufall erfahren.. Das Tierheim hatte uns als erstes sogar einen Kangal vorgeschlagen, da wir einen größeren Hund suchten, den wir uns aber nicht zutrauten.
Im Internet haben wir unter anderem gelesen, dass Addis komisches Verhalten auch als Folge von Staupe auftreten kann. Was meint ihr dazu?
Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Kann uns jemand zu irgendetwas raten?
Vielen Dank schonmal für´s Lesen.
Liebe Grüße
P.S.: Heute hat er wieder einen guten Tag. Freundlich, verspielt und wirkt ausgeglichen.. Zu unseren restlichen Haustieren (Schaf, Hasen, Hühner) ist er im Übrigen lieb, zeigt keinen Jagdtrieb.