Hallo alle zusammen,
wie wohl viele hier, habe ich mich registriert, weil wir ein Problem mit unseren Hunden haben, bei dessen Lösung wir momentan ein wenig mit unserem Latein am Ende sind. Leider muss ich dazu ein wenig weiter ausholen, weil die Geschichte wohl nur so im Zusammenhang zu sehen ist.
Wir haben zwei Chihuahua Rüden – der Ältere, Tico, kam schon als Welpe zu uns und war eigentlich immer ein sehr selbstbewusster, fröhlicher Hund, der sowohl mit anderen Menschen als auch Hunden prima ausgekommen ist und durch wenig zu erschüttern war. Sprich: er war eigentlich bestens sozialisiert.
Nach einem Jahr haben wir vom gleichen Züchter Sammy dazu geholt - die ganze Geschichte würde an dieser Stelle ein wenig lang werden, aber eigentlich war es so gedacht, dass Tico einen Kameraden bekommen sollte. Wir konnten Sammy aber damals nicht gleich zu uns nehmen, weil es familiäre Probleme gab und er ging erstmal zu einer anderen Familie – unglücklicherweise wohl mit einem 12-jährigen Jungen, der unserer Meinung nach unschöne Sachen mit dem Kleinen veranstaltet hat.
Die Mutter brachte Sammy also wieder zurück und er kam dann doch noch bei uns an. Soweit, so gut.
Tico hatte seinen neuen Freund entsprechend sehr gut aufgenommen und wollte ihn als Erstes anspielen – was Sammy damals schon mit einem lauten Knurren quittiert hat. Das artete schon nach kurzer Zeit so aus, dass Sammy oft starke Wutanfälle bekam, bei denen er kaum zu beruhigen war – meistens hatte es wohl was mit Besitzansprüchen an seine neuen Menschen / Verteidigung zu tun. Tico hat entsprechend irgendwann nicht mehr gar so positiv auf Sammy reagiert und es gab die ein oder andere Beißerei über einen längeren Zeitraum. Eines Tages hat sich das dann wieder beruhigt – hier war es wohl der Fall, dass Tico von dem Neuankömmling verunsichert und eben auch eifersüchtig war. Als das wieder im Lot war, ist seine Aggression verschwunden.
Trotzdem haben wir gehofft, dass Sammy eines Tages ankommen würde – er war auch nicht unser erster schwieriger Fall und bislang hatten wir immer viel Glück und wurden am Ende mit sehr lieben Hunden belohnt. Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass er von starken Panikanfällen geplagt wird, die gerne nach den Aggressionsschüben einsetzen.
Naja … irgendwann haben sie sich einigermaßen zusammengerauft, haben auch viel gespielt und ich würde bis heute sagen, dass sie sich keineswegs spinnefeind sind. Allerdings hat sich seit letztem Jahr Richtung Herbst ein neues Problem eingeschlichen, das sich jetzt zu einer dicken Krise gemausert hat.
Und zwar hat Sammy starke Besitzansprüche an alles Mögliche – es fing damit an, dass er Tico gerne das Körbchen streitig gemacht hat. Daraus wurde dann eine Art „Du kommst nicht in das Zimmer hier“ – sprich: sobald Tico versucht hat, in das Schlafzimmer zu kommen, ist Sammy ausgetickt, rennt also laut knurrend und bellend auf ihn zu und es gibt erstmal eine dicke Knurrerei. Meistens gibt Tico dann irgendwann nach und landet irgendwo unter dem Bett, traut sich auch erst nach langer Zeit, sich überhaupt zu bewegen oder auch dann, wenn ich ihn abhole.
Inzwischen hat sich das auch auf andere Zimmer ausgeweitet – Küche, Wohnzimmer, Bad, vom Garten ins Haus – wenn Sammy seine 5 Minuten hat, geht die riesige Knurrerei los. Mittlerweile ist es so extrem, dass ich Tico nichtmal mehr mit einem Leckerli locken kann – er bleibt starr liegen oder stehen, traut sich nichtmal, nach dem Leckerli zu schnappen, auch wenn ich es direkt vor seine Nase halte.
Seit ca. 3 Wochen habe ich nun bei ihm festgestellt, dass er auch so was wie leichte Panikanfälle zeigt, sobald es hier etwas stressiger zugeht. Er rennt dann in sein Körbchen und bleibt da liegen – was für ihn seltsam ist, weil er die Sorte Hund ist, die immer hinter seinen Menschen her ist und überall dabei sein will. Tico bleibt also nahezu nie allein irgendwo liegen, außer wenn er tatsächlich krank ist.
Naja, soweit, so gut oder auch schlecht. Wir haben dem erstmal nicht so viel Beachtung geschenkt, weil das vielleicht mal 30 Minuten waren, nach denen alles wieder normal war. Letzte Woche Dienstag war es hier etwas stressig für die Hunde und Mittwoch stellte ich dann auf einmal fest, dass Tico sehr ruhig war. Normalerweise ist er sehr aufmerksam, bellt viel, reagiert auf alles Mögliche – aber plötzlich war ihm das egal. Er hat viel geschlafen, ist sofort in sein Bett marschiert – was ebenfalls nicht so seins ist, weil er gerne nachts noch mal das Haus unsicher macht, am Napf vorbeischaut oder das Bad inspiziert.
Erst haben wir es auf die schwüle Hitze geschoben, weil er ja doch ein sehr dickes Fell hat und das nicht so gut verträgt. Allerdings blieb der Zustand auch am Donnerstag bestehen. Dazu mischte sich eine Art Hysterie, sobald Sammy zu ihm rüberkam.
Um das zu verdeutlichen – seit einigen Monaten neigt Sammy dazu, Tico eigentlich kaum in Ruhe zu lassen. Er lässt ihn nicht bis zum Mensch durch, er zerrt an ihm rum, animiert ihn zum spielen, auch wenn er nicht mag, kommt auch nachts zu seinem Körbchen und bellt ihn raus, um sich selbst reinzulegen – oder sehr nervig, reitet alle 5 Minuten auf ihn auf. Unsere Versuche das zu unterbinden, waren bisher relativ erfolglos. Sammy reagiert ohnehin nur selten auf Anweisungen, und wenn er erstmal in Rage gerät, hilft kein Ablenken, kein lautes Geräusch, kein Weggehen, kein Leckerli – er reagiert auf gar nichts.
Trotz allem kamen sie im Grunde in der letzten Zeit relativ gut miteinander aus - sogar das lange nicht mehr gesehene Spielen von beiden Seiten war wieder drin.
Naja, das am Rande. Freitag schien sich der Zustand zu bessern. Tico hat wieder auf seine Umwelt reagiert und war eigentlich normal – bis Sammy ihn dann Abends im Wohnzimmer „besucht“ hat und es zu einer ordentlichen Beißerei kam, wohl, weil Tico einfach die Schnauze voll hatte. Danach war es Essig mit Besserung und wir knabbern auch heute noch daran. Gestern war der erste bessere Tag seit Freitagabend, aber Tico ist weiterhin ruhiger als sonst, scheint eigentlich jede Reaktion auf seine Umwelt zu vermeiden, um eben eine Reaktion von Sammy zu vermeiden.
Es ist auch durchaus oft vorgekommen, dass Sammy eben angesprungen ist, sobald Tico einen Laut von sich gegeben hat, dass es beim rausrennen bei einem Geräusch zum „Schusswechsel“ kam, usw.
Sobald die Knurrerei wieder losgeht, zittert Tico am ganzen Leib, zuckt, steigert sich bis zu einem ganz hohen, hysterischen Bellen.
Er wagt sich kaum noch in die Küche, selten ins Bad und auch gar nicht weiter vor die Tür, wenn er allein ist. In manchen Situationen klappt das ohne Probleme - meist, wenn Sammy gleichzeitig mit ihm ins Zimmer rennt oder er eben allein ist. Aber wenn Sammy im Körbchen auf Lauerposition sitzt, geht gar nichts. Hier scheint das Lauern ohnehin eine große Rolle zu spielen - z.B. fängt Sammy mit einem hohen Bellen an, sobald ich Tico ins Bett holen will, auch wenn man vorher gar nichts zwischen den Beiden bemerkt hat. Geht Tico dann in sein Körbchen, fiept Sammy oft sofort los, rennt dann zu Tico rüber und trampelt so lange vor ihm rum, bis er knurrend aus dem Bett schleicht. Danach ist wieder Ruhe.
Interessant ist wahrscheinlich auch ein anderes Phänomen - nutzt das nichts, rennt Sammy gerne aus dem Zimmer. Er ist sich offensichtlich bewusst, daß Tico das dann nicht mehr aushält und ihm hinterher kommt. Also rennt Sammy wieder rein, sobald Tico draußen ist und der sitzt dann praktisch vor der Tür fest.
Die ganze Situation ist zum Schreien, weil man so extrem hilflos ist. Einen Tag lang ist es besser, der nächste wieder schlecht. Tico frisst zwar normal, trinkt, macht seine Geschäfte, bettelt um Leckerli und kann die Treppe hoch und runter fegen wie ein Irrer, sobald er abgelenkt ist, aber er ist einfach nicht so, wie ich ihn kenne.
Ein Schnarcher nachts kann reichen, dass die beiden in sinnfreies Knurren verfallen, ein Knurren reicht, dass Tico sich keinen Millimeter bewegt. Hinzu kommt dauerndes Starren und Beobachten – Sammy ist im Grunde nie entspannt. Er ist stets in Wachhaltung, sorgt dafür, dass ihm nichts entgeht und verteidigt eifersüchtig alles, was ihm in den Sinn kommt.
Auch er zeigt momentan wieder eine extreme Neigung zu Panik, Zittern, Verkriechen. Abgewechselt mit Spieltrieb, Aggression, usw.
Im Grunde sind wir mittlerweile wirklich ratlos, was wir versuchen sollen, um diesen ganzen Mist zu lösen. Am Ende ist das für Beide extrem schlecht – Tico ist mittlerweile ein Hund, der sich gar nicht mehr wagt, irgendwas zu machen, was er machen will und Sammy lässt nur noch den Kopf hängen und schaut um sich, als ob er gerade Stimmen hört, bevor er wieder wie ein Wilder bellt und knurrt.
Es wäre sicherlich einfacher, wenn er auf irgendwas reagieren würde, aber nichts, was man irgendwo als Maßnahme lesen kann, scheint hier zu helfen. Wir sind wirklich, wirklich ratlos, aber wir müssen es lösen, sonst macht es die Beiden einfach kaputt.
Über den ein oder anderen Rat würde ich mich entsprechend sehr freuen. Sicher hab ich das ein oder andere auslassen müssen, was vielleicht auch wichtig wäre, aber ich will hier keinem gleich mit einem Roman auf den Wecker gehen.