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Außerdem finde ich, daß der Vergleich mit dem Menschen (ich könnts auch nicht leiden, wenn man mir das Essen wegnähme) sehr hinkt. Es sind Hunde, keine Menschen.
Nur in der Hinsicht, dass Menschen halt mit Worten sagen können: "Bitte unterlassen Sie das!" (Andererseits sind Menschen die einzige Spezies, die Massenvernichtungswaffen für nötig hält - trotz der angeblichen so hoch entwickelten Kommunikationsfähigkeit...).
Hunde sagen eben mit einem Knurren, dass sie jetzt gerade irgendwas nicht möchten.
WEnn wir Menschen aber möchten, dass Hunde ihre "Präziosen" abgeben - wie sollen wir es ihnen erklären? Indem wir so handeln, wie die Hündin in Deinem Beispiel?
Dazu kann ich Dir sagen, was der Welpe da warscheinlich gelernt hat, nämlich: wenn ich was habe und die große das will, muß ich es entweder abgeben, weil ich sonst Dresche kriege, oder ich muß es schneller runterschlucken! Und da Hunde nicht generalisieren, kann es durchaus sein, dass er es nur für diese Hündin gelernt hat.
Wenn Mensch ebenso verfährt, kann es sein das Welpe lernt: "wenn Herrchen meinen Knochen will, gebe ich ihn besser ab, weil ich sonst Dresche kriege, oder ich schling ihn schnell runter." Ob er dann weiß, dass er das bei Frauchen auch besser abgeben sollte, und bei den Kindern?
Und davon mal ganz abgesehen, ist es potentiell extrem gefährlich, wenn er den "oder ich schling es schnell runter"-Part perfektioniert!
Es ist viel weniger gefährlich für alle beteiligten Parteien, wenn der Hund lernt, dass wenn er einen Kauknochen hat, er mit noch mehr tollen Sachen rechnen kann, wenn er ihn losläßt. Es ist ungefährlich für den Hund, denn so lernt er den "schling ich es eben runter"-Part nicht. Es ist ungefährlich für die Menschen, denn sie werden nicht gebissen.
Ich praktiziere das sogar bei Hunden, die futterneidisch auf andere Hunde sind: sie bekommen zur "Belohnung", dass sie anderen Hunden beim Essen zusehen und dabei ruhig bleiben und diese nicht zerfleischen, richtig gute Leckerbissen. Bei meinem eigenen Hund ist es inzwischen so (er war nie futterneidisch - vielleicht, weil er es nie nötig hatte??), dass wenn eigentlich er was bekommen sollte, ein anderer Hund aber schneller war, oder die Brocken auf den Boden gefallen sind, und von dem anderen aufgeschnorchelt werden, er sich hinsetzt und "dort" auf seine neuen Leckerchen wartet: er taucht nicht runterfallenden Bröckchen hinterher - braucht er nicht, bei mir gibts genug!
Das kann man mit der "Hündinnen"-Methode nicht lehren!
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Ich möchte natürlich nicht sagen, daß Gewalt gegenüber Hunden gut sei, nur daß Hunde anders empfinden und auch anders lernen als Menschen.
Gruß luzebut
Dazu zwei Zitate:
"Tieren Gefühle abzusprechen ist schlechte Biologie" Dr. Marc Bekoff
"Das schlimmste was du einem Tier antun kannst ist es zu ängstigen." Temple Grandin
Vielleicht googelst Du interessehalber mal, wer das jeweils ist, was sie beruflich machen und was sie sonst noch so geschrieben haben.
Alle Lebewesen lernen auf die gleiche Art und Weise: Sie lernen unangenehmes zu vermeiden und angenehmes zu suchen.
Das gute daran ist, dass sie dieses Angenehme/Unangenehme lernen, mit ihrem eigenen Verhalten zu verknüpfen.
In der Fachsprache heißt das Klassische und Operante Konditionierung.
Alles, was ein Lebewesen lernen kann, lernt es durch eine oder eine kombination der beiden Konditionerungen, wobei es natürlich eine genetische Prädiposition hat: Beagle lernen extrem leicht, einer Spur zu folgen. Border Collies leren extrem schnell Schafe zusammen zu treiben.
Umgekehrt können sie das jeweils andere auch lernen - es wird ihnen aber möglicherweise schwerer fallen.
Dazu gibt es einen schönen Artikel: "The missbehaviour of organisms" von Marian & Keller Breland (1961) . Schon alt, gilt aber immer noch!!