Huhu, ich antworte mal in diesem Thread, weil der andere mir schon zu "hochgefahren" erscheint.
Ich denke, dass der Vorfall zum Größten Teil mit Ressourcenverteidigung und nur in geringerem Umfang mit "Kindern" zu tun hat.
Möglich ist, dass Dein Hund den Apfel in der Hand Deiner Schwester als "seinen" betrachtet hat, und er Deine Schwester für "zu langsames Hergeben" korrigiert hat. Aus seiner sicht ist das das richtige Verhalten. Aus unserer Sicht, natürlich NICHT!
Strafen (so wie von "undercover" vorgeschlagen) sind in diesem Fall kontraproduktiv und GEMEINGEFÄHRLICH - denn sie bestärken den Hund darin, dass Menschen ihm tatsächlich SEIN Essen streitig machen!
Ich habe in diesem Thread noch nicht wirklich gesehen, wie bzw. ob Ihr an diesem Problem schon gearbeitet habt.
Ich glaube mich zu erinnern, dass Du (hier oder in dem anderen Thread) geschriben hast, dass er jetzt erst mal keine größeren Kauknochen bekommt.
Das ist für den Anfang eine geeignete Management Maßnahmen, lehrt den Hund aber noch nichts darüber, wie er sich im Falle von "gleichzeitiger Anwesenheit von Menschen und Futter" verhalten soll. Auch lernt er nichts darüber, wenn er sein Fressen immer so bekommt, dass keiner dabei ist.
Wichtig ist, dass er lernt, dass Futter bei Anwesenheit von Menschen NICHT bedeutet, dass er es hergeben muß (das glaubt er bisher), sondern verstehen lernt, dass Menschen in Gegenwart von Futter (z.B. Äpfeln) noch mehr Futter zur Folge hat.
Dieses kann Trainiert werden - aber solange das noch nicht abgeschlossen ist, ist Management extrem wichtig: sprich kein Futter ist anwesend, wenn irgend ein anderer Mensch mit dem Hund zusammen ist, der ihn gerade nicht trainiert.
Das Training muß sehr sehr sehr gut strukturiert werden. Während des Trainings darf der Hund niemals die Erfahrung machen, dass man ihm das Futter wegnehmen könnte (aus seiner Sicht!!!). Daher muß das Training auf die schwere der Ressourcenverteidigung abgestimmt werden.
Dazu mußt Du (aus den bisherigen Vorfällen - nicht an neuen Situationen austesten!!!) analysieren, was genau der Auslöser ist (und nicht "wer"). Wann sieht er die Notwenigkeit, zu beißen, schnappen, knurren, um sein Essen zu verteidigen.
In Eurem Fall kommt offenbar erschwerend hinzu, dass er Essen verteidigt, das (aus Eurer Sicht) noch gar nicht in seinem Besitz ist (Apfel in der Hand Deiner Schwester / Napf mit Futter im Regal...)
Daher würde ich das Training so anfangen: der Hund ist mit einer Hausleine gesichert (z.B. an einem Heizkörper) und er bekommt sein Essen Brocken für Brocken (die ganze Mahlzeit!!!) zu geworfen - aus größerer Entfernung.
Die Nächste Mahlzeit erhält er genau so, evtl. aus minimal kürzerer Entfernung.
Mahlzeit für Mahlzeit verringert Ihr so minimal die Entfernung.
Wenn Du so Dicht drann bist, dass Du quasie vor ihm stehst, erhält er seinen Napf (leer) und du wirfst ihm aus kurzer Distanz einige Brocken Trockenfutter hinein, während er frist wirfst Du ihm zusätzlich ein extrem leckeres Extraleckerchen (Leberwurst, Putenbrust, Stinkekäse, Essen wofür er sterben würde...) zu. Das machst Du wieder mit seiner gesamten Mahlzeit so.
Die Übung "drei Brocken im Napf+Leberwurst --> drei Bocken im Napf + Leberwurst"-Mahlzeit wiederholst Du jetzt bei jeder Mahlzeit für mindestens zwei Wochen!
Achte auf seine Köpersprache - findet er es langsam recht angenehm, zu seinem eigentlichen Futter auch noch zusätzlich Extrawürstchen zu bekommen?
Falls ja, kannst Du die Anforderung steigern und ihm ca. ein Viertel der Mahlzeit im Napf reichen und ihm, während er frisst, weitere "Extrawürste" zu werfen. ist er fertig, tust Du ein weiteres Viertel TroFu in den Napf und wiederholst das ganze Spiel - ebenso mit den weiteren beiden Viertel.
Auch diese Übung machst Du wieder bei jeder Mahlzeit für mindestens zwei Wochen.
Findet er es inzwischen toll, dass Du bei seinen Mahlzeiten anwesend bist?
Dann steigere die Anforderung: gib ihm die Hälfte seiner Ration in den Napf: die Extrawürstchen bekommt er während des Fressens hinzugeworfen. So verfährst du weiter, bis Du ihm die ganze Ration im Napf geben kannst und von direkt daneben die Extrawürstchen anreich kannst.
Achte IMMER auf seine Körperhaltung: typisch für Recourcenverteidiger ist, dass sie eine Art Lauerstellung über dem Futter einnehmen: sie Beugendie Ellenbogen und halten den Hals tief (gerade aus dem Rücken heraus) mit dem Kopf direkt über dem Napf ganz im Gegensatz zu einem entspannt fressenden Hund (ein Ressourcenverteidiger sieht ein bißchen wie einen Skispungschanze aus - ein "normal fressender Hund mehr wie ein nach unten geöffneter Bogen)
Viele namhafte Trainer sagen auch, dass eine veränderte Körperhaltung eine Veränderung der Emotion nach sich zieht: wenn also die Skisprungschanze die typische "ausdrucksweise" für die Emotion "muß mein Fressen mit allen mitteln verteidigen" ist, ist "Sitz" genau das Gegenteil davon.
Wenn Du also mit den Übungen so weit fortgeschritten bist, dass sowohl Du also auch er sich sicher sind, dass keinem was passiert, wenn Futter in der Nähe ist, kannst Du anfangen, an seiner Körperhaltung zu "schrauben".
Ich habe das mit meiner Kauknochenverteidigenden Giftzahnwelpette so gemacht: sie hatte ihren heiligen Knochen und ich ihr Abendbrot in form von Leckerchen und Trockenfutter in der Hand und war ausserhalb ihrer "ich möchte nicht, dass Du noch näherkommst"-Distanz. Von dort habe ich ihr zur Belohnung des richtgen verhaltens ("nichtdrohen" beim Kauknochenkauen) Bröckchen für Bröckchen das Futter/Leckerchen zu geworfen. Als ich nichts mehr hatte, bin ich gegangen.
Nächster Tag, nächster Kauknochen, das gleiche Spiel wieder: aber einen Schritt näher.
Nächster Tag, nächster Kauknochen - meine Annäherung wurde mit einem wedeln begrüßt, also noch einen Schritt näher immer schön Bröckchenwerfend.
Nächster Tag, nächster Kauknochen - dieses mal mit der leckersten Hundewurst bewaffnet: Smilla kaut, ich streusele HBundewurst auf sie nieder, Smilla ist begeistert.
Nächster Tag (Langweilig, gell
) das gleiche Spiel - inzwishcen stehe ich direkt neben ihr. sie bekommt die Hundewurst nicht "übergestreuselt" sondern so gehalten, dass sie sich aufsetzen muß, tadaaaa, keine Resourcenverteidigungsskisprungschanzen-Haltung mehr. Dickes Lob, Aufforderung, den Knochen weiter zu kauen - 10 Mal "sitzen" wiederholen, gehen, Kauknochen in Ruhe aufkauen lassen. Bei Smilla hat das gereicht - wenn nicht, hätte ich das einfach noch en paar mal wiederholt, so hat sie mich, wenn ich näher kam, wenn sie einen Knochen hatte, immer nach weiteren Leckerchen "angesessen". Manchmal gibts dafür noch was, oft mals nicht - aber immer noch nehme ich ihr niemals was weg.
Wenn Du das Programm durch hast (und eventuell brauchst Du noch einige weitere Zwischenschritte) sollte, damit Dein Hund das ganze generalisieren kann, jemand anderes von Anfang an wiederholen - am besten erst mal ein Erwachsener, der wirklich weiß, was er da genau machen soll und auch warum (ihr könnte so anfangen, dass derjenige zum "Zuschauen" kommt, wenn Du z.B. mit den Napfübungen beginnst. Mach der Person immer erst mal genau vor, was sie machen soll (dadurch wird Dein Hund ausserdem noch mal darauf eingestimmt, was nun gleich passiert). Verringert die Distanzen immer erst, wenn der Hund wirklich "okay" mit der derzeitigen ist - wenn ihr hudelt, und zu schnell vorgeht, kommt es nur höchstwahrscheinlich zu einem Rückfall, bei dem Dein Hund die gelegenheit bekommt sein Ressourcenverteidigungsverhalten zu üben - und üben machst den Meister, ups!
Vielleicht magst Du Dir das Buch "Aggressionsverhalten des Hundes von James O'Heare kaufen.