So, was wollte ich noch - die Maulkorbgewöhung wurde mir ja schon dank des hervoragenden Links abgenommen - die Beschreibung ist wirklich super!
Auch der andere Link mit der Vorstellung der verschiedenen Maulkorbarten ist gut - ich denke für einen Cocker, und besonders für Buck im Besonderen, würde ich einen Leichten Kunststoffmaulkorb nehmen - man kann vorne einfach mit der Schere einige Verstrebungen rausschneiden, damit der Hund noch besser Hecheln und Trinken kann und damit man selber besser Leckerchen "reinstecken" kann - das ervordert etwas Übung - der Mensch muß lernen, welche Leckerchen wie am besten durchpassen, und Hund muß lernen, wie man sie mit der Zunge so auffängt, dass sie nicht unters Kinn durch rutschen und dann unerreichbar sind. aber mit extra guten Stückchen klappt das gut.
Besonders toll gehen hier auch Futtertuben - in die man z.B. Leberwurst oderpürierten tunfisch (oder etwas in ähnlicher Konsistenz, was der Hund tollfindet) einfüllen, hält dann zur Belohnung die Tülle an/in die vergrößerte Öffnung und Hundi kann das Breichen aus der Tube zutzeln.
Das konditionierte Entspannungssignal
Tja, eigentlich nehme ich dafür ein Wort. Nun ist Buck aber taub und fast Blind also muß es ein Berührungsreiz sein (worauf er aber möglicherweise anfangs negativ reagieren könnte, falls er Streicheln doof findet) oder ein Geruch.
Du könntest z.B. das oben schon genannte DAP nehmen - oder einen weiteren Duft, z.B. Lavendel - auch Lavendel hat ja bekanntermaßen eine Beruhigende Wirkung.
Um das Signal zu konditionieren bereitest Du also ein tuch mit dem DAP oder Lavendelgeruch vor UND WENN BUCK ruhig und entspannt ist, legst Du das "beduftete" Tuch in die nähe seiner Nase (da Hunde besser riechen als Menschen braucht es vom Lavendel nur einen einzelnen Tropfen...). Du kannst Auch ein paar Tropfen auf seine Schlafdecke tun, oder an andere Stellen, wo er gerne liegt und schläft. So verknüpft er den Geruch mit seiner entspannten Stimmung. Später, wenn die Verknüpfung besteht, kannst Du dieses Duftsignal dann anwenden, indem Du ihm ein Halstuch mit dem Lavendel und oder DAP Geruch anlegst, wenn Ihr Besuch bekommt, oder sonstige Situationen auftreten, in denen er normalerweise Streß hätte.
Wenn ihr bei Euch die Rescue-Tropfen bekommen könnt, dann kannst Du sie ihm nach Anweisung (es gibt ausführliche Anwendungshinweise im I-Net...) möglichst vor oder aber auch während der Streß-Situation verabreichen.
Rescue Tropfen kann man ins Trinkwasser geben, direkt ins Maul tropfen oder z.B. in die Ohrhaut einmassieren.
Womit wir bei "Ohrenarbeit" wären
Beim Tellington-Touch (als Buch z.B. "Tellington-Training für Hunde" von Linda Tellington-Jones) gibt es die sogenannte Ohrarbeit. Dabei wird dem Hund leicht die Ohrbehänge, anfangend am Ansatz bis hin zu den Spitzen, saaaanft ausgetrichen (und bei der Gelegenheit könnte man die Rescue-Tropfen an den Ohrlappeninnenseiten einmassieren). In den Ohren sind viele Akupunkturpunkte, die bei Berührung beruhigend wirken.
Auch die anderen Ttouches sind gut geeignet, den Hund zu entspannen und zu erreichen, dass er sich viel lieber anfassen läßt.
Ich habe bei einer Welpette, die mit nicht vorhandener Beißhemmung zu mir kam mit Ttouches zunächst am Kopf, dann immer weiter Richung Maul und schließlich im Maul auf dem Zahnfleisch eine sehr sehr gute Verbeserung erreicht - das hat viel besser funktioniert, als das oft empfohlene Quietschen und Ignorieren...
Aber Vorsicht: Wenn Buck Probleme damit hat, sich am Kopf anfassen zu lassen, solltest Du mit den Ttouches an einer anderen Stelle beginnen und erst Richtung Kopf arbeiten, wenn er die Ttouches an den anderen Stellen als sehr angenehm empfindet.
Wenn er Streicheln gerne mag, auch am Kopf, kannst Du mit den Maul-Ttouches die Gewöhnung an den Maulkorb noch deutlich unterstützen.
Klassische Gegenkonditionierung
die Klassische Konditionierung wurde von Ivan Pavlov entdeckt, als er ganz was anderes (an Hunden) erforschen wollte. Er war von dem "Fehler" in seinem Forschungsablauf derartig fasziniert, dass er dann daran weitergeforscht hat. Er hat festgestellt, dass ein Reflex (in seinem Fall Speichelfluß) nicht nur durch den eigentlichen Auslöser (in seinem Fall Futter) ausgelöst werden kann, sondern auch mit einem beliebigen, bis dahin völlig bedeutungslosen Signal, sofern dieses immer vor dem Eintreten des eigentlich Reflexauslösenden wahrgenommen wird.
Im Beispiel: Der Hund bekommt Futter, der Hund speichelt. Das Futter ist der eigentliche Reflexauslöser, Speicheln der Reflex.
Pavlov hat nun jedesmal VOR der Futtergabe z.B. eine Glocke geläutet. Nach einigen Wiederholungen hat der Hund dann gespeichelt, als er die glocke hörte - ohne dass er Futter bekam. Also Glocke --> Speichelfluß.
Durch die Paarung Glocke --> Futter --> Speichelfluß war aus der Glocke ein Signal mit Bedeutung für den Hund geworden.
Jetzt ist die Glocke ein Konditionierter Reiz und das Speicheln ein Konditionierter Reflex.
Was hilft uns das nun in Bezug auf Buck.
Buck hat einige Reize aus seiner Umgebung ebenfalls mit einer Körperreaktion verknüpft. In seinem Fall mit der Ausschüttung von Streßhormonen. Das ist genauso ein Reflex, wie Speichelfluß.
Wenn Du nun in der Lage bist, diese Auslösereize zu ermitteln und so zu manipilieren, dass Du in der Lage bist, sie mit etwas für Buck sehr angenehmen (Futter, Entspannung, Streicheln) zu verknüpfen, kannst Du seine bestehende Verknüpfung langsam Schritt für Schritt "umpolen".
Nehmen wir an, er findet "Mensch beugt sich über mich" doof - weil er angst davor hat, werden als konditionierter Reflex darauf Streßhormone ausgeschüttet. Seine Methode, mit diesem Streß fertig zu werden ist, den "Angreifer" mittels Schnappen oder Biß zu stoppen und in die Flucht zu schlagen.
Wenn es Dir also gelingt, den Reflex auf "Mensch beugt sich über" von "Ach du scheiße, muß ich Mensch beißen" in "Oh, wie nett, jemand bringt mir Essen" umzupolen BRAUCHT er nicht mehr zu beißen, weil die dazu nötige Emotion ja gar nicht mehr auftritt (Streß, Angst).
Wie das geht, erkläre ich nach
systematische Desensibilisierung
Systematische Desensibilisierung bedeutet, den Hund in winzigen Schritten an etwas Angstauslösendes zu gewöhnen.
Wenn wir bei dem "Mensch beugt sich über mich - muß ich Mensch beißen"-Beispiel bleiben, würde man also nicht damit anfangen, neben dem Hund zu stehen und den ganzen Körper über den Hund herunter zu beugen. Man würde sich ein paar Meter weit weg stellen und den Rumpf minimal vorbeugen, und sofort wieder aufrichten. Über mehrere Übungseinheiten steigert man dann den bis dahin für den Hund völlig unaufregenden Reiz. Man rückt Millimeterweise näher oder man beugt den Rumpf gradweise weiter vor. Da dieses für den Hund ja keine negativen Auswirkungen hat, und er damit den Reiz als "bedeutungslos" kennen lernen kann, gewöhnt er sich daran.
Doppel-Wopper: die Kombination von Gegenkonditionierung und Desensibilisierung.
Sowohl sich selber, als auch dem Hund kann man durch Kombination der beiden beschriebenen Maßnahmen das Training erheblich vereinfachen, angenehmer machen und damit auch den Zeitlichen Aufwand verkürzen.
Man nimmt also die Technik der systematischen Desensibilisierung - bei dem der Auslösereiz auf ein derartiges Maß reduziert (verkleinert) wird, dass der Hund keine Streßreaktion zeigt, und verknüpft diesen Reiz mit einem extrem angenehmen Erlebnis für den Hund.
Immer noch beim "Mensch beugt sich vor"-Beispiel:
Du hast rausgefunden, dass Buck beim Vorbeugen in drei Meter Entfernung zwar aufmerksam wird, aber keine weitere Streßanzeichen zeigt. Also machst Du folgendes: minimale Verbeugung in drei Meter Entfernung --> Zuwerfen eines extrem Leckeren Bissens!
Die Reihenfolge ist wichtig - zuerst muß der ehemalige "ach Du Scheiße"Reiz erfolgen, erst dann der "oh, Lecker-Reiz" landen...
Wenn diese beiden Reize häufig genug "verpaart" werden, wird Buck lernen, dass sich verbeugende Menschen Lecker essen Regnen machen. Supi, Verbeugende Menschen sind klasse!
Nach und nach "vergrößert" man dann den "ADS"-Reiz, indem man näher an den Hund heran geht, ODER die Verbeugung tiefer macht.
Sollte der "ADS"-Reiz sich eigentlich aus verschiedenen Sachen zusammensetzen (z.B. nur bestimmte Menschen, wenn er einen Knochen hat, wenn er gerade aufgewacht ist, wenn Odysseus in der Nähe ist, wenn es Gewitter gibt, oder es nach Autoabgasen stinkt u.a.), hat das für Euch den Vorteil, dass Du jeden einzelnen Bestandteil einzeln gegenkonditionieren und desensibilisieren kannst.
WENN die REize dann doch mal gleichzeitig auftreten, dann ist jeder einzelne Bestandteil für ihn weniger schlimm und damit auch die Beißschwelle nicht so schnell erreicht.
Ich stell mir die BEißschwelle so vor: ein einzelner Reiz ist wie eine gewisse Menge Wasser, die man in einen Eimer gibt. Ein einzelner Reiz bringt den Eimer noch nicht zum Überlaufen - schüttet man aber mehrere Reize in den Eimer, kann das Faß zum überlaufen gebracht werden.
mit dem Desensibilisierungs/Gegenkonditionierungs-Programm "verdunstest" Du im Vorhinein nun für jeden einzelnen Reiz eine nicht unerhebliche Menge Wasser - sodaß das Fass nicht überläuft, auch wenn man alle Reize in einen Eimer kippt... (ich hoffe, es ist eingermaßen versändlich, was ich sagen will - graphisch läßt sich das sehr viel besser darstellen...).
Mit all den oben beschriebenen Maßnahmen änderst Du also die Emotionale Reaktion, die Buck auf eine bestimmte Situation hat.
Darüber hinaus kannst Du durch Üben von Alternativ-Verhalten auch noch erreichen, dass er lernt, etwas anderes zu tun, wenn die "ADS"-Reize auftreten.
z.B. könnte er lernen, an seinen "heiligen Ort" zu gehen, wenn Ihr Besuch bekommt. Er könnte lernen zu sitzen, wenn er Menschen näher kommen hört/fühlt/riecht (er nimmt ja die Bodenschwingungen war) - wer sitzt kann nur schlecht knochen verteidigen oder in Menschen beißen, sofern diese ihre Gliedmaßen bei sich behalten.