ZitatIch dachte, du könntest mir deine Vorgehensweise "mit OHNE" Clicker (und Futter) erklären ...
andererseits, klar kann ich. Habe ich sogar schon mehrfach.
"Clickertraining" braucht als Voraussetzung keinen Clicker! Clickertraining ist die Anwenundung von Lerngesetzen - dem "positive Bestärkung"-Teil (mit einem Markersignal = dem Präzisions-Hirnskalpel).
"Clickertraining" braucht weiterhin kein "Leckerchen" als Voraussetzung - sondern eine Bestärkung. Man kann alles das als Verstärkung einsetzen, das der Hund in der Situation als begehrenswert empfindet, und was man dem Hund gefahrlos "geben" kann.
z.B. kann man ihm gefahrlos "Mauselochausheben" geben. "Reh hetzen" ehr nicht...
man kann ihm gefahrlos "schnuppern am Laternenpfahl" geben, oder "Eichhörnchen auf Baum scheuchen" oder "Spielen mit anderem Hund" oder auf dem "Rücken liegen und Bauch gekrault bekommen" oder Ballholen, zergeln, Dummy finden, oder was auch immer der Hund "geil" findet.
Da den meisten Leuten es zu umständlich ist, erst mal rauszufinden, was der Hund "geil findet (was wirklich seltsam ist, denn die meisten wissen genau, was den Hund vom "Arbeiten" ablenkt - und genau das sind die stärkst möglichen Bestärker
), sich dann zu überlegen, wie sie den Zugang zu den Ablenkungen so beschränken können und die Trainingssituation so aufzubauen, dass man die Ablenkungen als Bestärker einsetzen kann, reduzieren sie Clickertraining eben auf "wahlloses Lerckerchenwerfen". Und kommen von da mit einer winzigen Approximierung (Achtung, Clickertrainingsbegriff) zu dem Schluß, dass Clickertraining "weich", Wattebäuschig, inkonsequent und "demokratisch" sei und das der Hund machen könne was er wolle, und nichts würde beschränlt oder bestraft.
Und das stimmt einfach nicht.
Das Training mit Markersignalen und positiver Bestärkung ist deshalb so effektiv, weil der Hund exakte Informationen erhält, was gewünscht ist UND was nicht gewünscht ist.
Clickertrainer gehen aber eben nicht über den Umweg über beide Polkappen, sondern wählen den Trainingsaufbau (und das Alltagsleben in den Maßen, wie es möglich ist) so, dass der Hund "falsches Verhalten" möglichst gar nicht erst zeigen kann.
- Was nicht gezeigt wird, kann nicht bestärkt werden, auch nicht unbeabsichtigt (jaaaa, ich weiß, es gibt "Triebe" die damit schwer zu "knacken" sind).
- Zeigt er es doch, wird möglichst früh in alternatives Verhalten umgelenkt.
- steigert er sich in was rein, wird er aus der Situation genommen
- an Baustellen, wo gerade nicht trainiert werden kann, wird Management eingesetzt, sodass das Verhalten nicht weiterhin geübt werrden kann.
- man setzt "Pillepalle"-Zeug ein, um dem hund zu helfen, möglichst schnell wieder in einen Lernfähigen Zustand zu versetzen.
- man bestärkt Verhalten nicht durch Aufmerksamkeit, die eigentlich als "Strafe" gedacht ist.
Der Punkt ist wichtig. Jedes Verhalten, dass bis zum Ende ausgeführt werden kann, ist per se bestärkt (denn sonst würde der Hund es erstens erst gar nicht angefangen haben und zweitens hätte er es nicht bis zum Ende "durchgehalten" - es macht also "Spaß" oder ist sonst irgendwie lohnenswert (das Verhalten sollte man sich merken, eventuell kann man es doch irgendwie als Bestärkung einsetzen???). Drittens wurde das Verhalten geübt, übung macht bekanntlich den Meister.
Wenn man es dann auch noch, wie Thomas Baumann es ja jetzt nennen will "korrigiert" bekommt es auch noch "Aufmerksamkeit" ups! So ein Dreck! Oje, und nun???
Strafen werden beim Clickertraining höchst ungern verwendet, denn sie sollen ja, per definitionem, Verhalten reduzieren.
Wenn man das richtig macht (Strafen und dabei sämtliche 10 oder wieviele, Regeln beachtet) reduziert man auch tatsächlich genau das Verhalten, worauf man "aus" war.
Gleichzeitig reduziert man aber, und das ist hinlänglich wissenschaftlich untersucht, das gesamte Verhaltensspektrum des Hundes. Andere Verhalten werden auch weniger gezeigt.
Da Clickertraining Verhaltensansätze benötigt, die variable genug sind, dass ein Zielverhalten daraus geformt werden kann, ist Strafe also kontraproduktiv.
Abgesehen von dem Punkt sollte bekannt sein, dass jedes Training "Nebenwirkungen" hat. Das ist eine Tatsache. Clickertraining hat die Nebenwirkung, dass der Hund zu dick wird, sofern man seine Kekse nicht von der Hauptmahlzeit abzieht und man sich auf eben jene Kekse als Bestärker beschränkt (wo dann jeder "selber Schuld" dran ist, wie oben schon erwähnt). Es hat weiterhin die Nebenwirkung, dass Hunde "arbeiten" WOLLEN, Clickerhunde bieten Verhalten an, sie finden die Arbeit mit den Menschen toll, sie gehen mutig auf Neues, Unbekanntes zu, weil es könnte ein Bestärker "drin sein". Das deshalb, weil die Gesamtheit ("Mensch, Training, Umwelt") unzählige Male positiv klassisch konditioniert wurde.
Positive Bestrafungen haben auch Nebenwirkungen, die man nur oftmals nicht genau an dem Verhalten erkennen kann, die bestraft wurden - das geht oftmals so weit, dass das "bestrafte" Verhalten gar nicht reduziert wird, sondern bestehen bleibt, oder sogar vermehrt auftritt. (Per Definition hat wurde das Verhalten also eben gerade nicht bestraft. "Strafe" definiert sich nämlich nicht primär durch "hinzufügen von Ihhh-Bä!" sondern durch ", das das Verhalten nachhaltig reduziert" - dieser Bestandteil taucht allerdings häfiger mal in Büchern, die das Thema streifen gar nicht erst auf. Woraus Leser schlussfolgern könnte, es sei eine Strafe, an der Leine zu rucken. Das ist es aber nur, wenn sich "an der Leine ziehen" dadurch nachhaltig (und nicht nur für die nächsten 1,5 Meter) ändert.)
Es hat weiterhin die Nebenwirkung, dass global Verhalten reduziert wird, das habe ich weiter oben schon erklärt.
Und die aller schlimmste Nebenwirkung, die es hat, ist, dass alles, was der Hund im Augenblick der positiven Bestrafung wahrgenommen hat NEGATIV klassisch konditioniert wird. ![]()
Und da steht man dann da und wundert sich, dass Leinengeruckte Hunde, im Laufe der "Ruckungen" andere Hunde, Kinder, Fahrradfahrer oder was auch immer immer schlimmer und schlimmer finden...
So wie die Schwerkraft sind auch die Prinzipien des Lernens immer am Werk. Die Frage ist also nicht, ob man die Prinzipien des Lernens anwendet, sondern wie man sie am effektivsten einsetzt.
Spreat & Spreat, Learning Principles, 1982