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Am besten scheint sich noch das sture Weitergehen bzw. Richtungswechseln zu bewaehren, da ist er am schnellsten wieder ruhig.
Das ist logisch. Wenn Du die Distanz zum Auslöser vergrößerst, verrigerst du im gleichen Maße seine Notwendigkeit, sich darüber aufzuregen.
Das ist ein Ansatzpunkt zum Training: finde raus, welchen Abstand er zum Jogger benötigt, um ein von dir gewünschtes Alternativverhalten ausführen zu können.
Tipp: anfangs eignet sich "sitzen" oftmals deshalb ganz gut, weil Mensch dabei nicht auch noch eigene Bewegung koordinieren muß, sprich, es ist für den Mensch leichter, den Hund auf sich zu konzentrieren, gutes Verhalten zu markieren und zu bestärken.
Mit zunehmendem Trainingsfortschritt kannst Du die Distanz zum Jogger verringern. Wenn der Joggerschreck auf geringere Distanz dann ganz gut sitzen bleiben kann, fängst Du wieder in größerem Abstand an, das ganze nicht emhr statisch ("sitzen"), sondern bspw. an lockerer Leine gehend, zu üben.
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Was ihn erst recht rasend macht, ist wenn ich seine Aufmerksamkeit versuchte zu erzwingen, wenn er schon aufgeregt ist (z.B. ich blockiere den Sichtkontakt zum Jogger und sage streng NEIN und SITZ, und er versucht dann immer wilder zwischen meinen Beinen durchzukommen und regt sich erst recht auf, je "haerter" ich ihn stimmlich anfasse). Nicht gut, seh ich ein. Aber freudig "ablenken", d.h. bespassen, kann ich in dem Moment auch vergessen. Also renn ich einfach weg mit ihm an der Leine, da muss er zwangslaeufig mit, und Laufspielchen macht er eh gerne.
Wenn er Laufspielchen bestärkend findet, mußt du darüber nachdenken, welches Verhalten Du damit bestärkst... Wenn er da gerade schon am pöblen war, bestärkst Du u.U. genau das...
Stell ihm die "seh den Jogger und bleib ruhig dabei"-Aufgabe so, dass er sie erfolgreich meistern kann (also mit einer genügend großen Distanz zum Jogger....).
Auf was ich bisher auch noch nicht eingegangen bin: ich halte es für kontrapruduktiv, den hund dabei zu "bespaßen", wenn darunter verstanden wird, dass man sich selber dabei schnell bewegt, aufgeregt redet, oder den hund versucht, mit einem zappelnden Spielzeug "abzulenken". Eines der von Fr. Rugaas benannten Beschwichtigungssignale ist "Zeitlupenbewegung" - jedenfalls, wenn der Körper dabei entspannt ist.
Ich habe mit Leinenpöblen den meisten Erlfolg, wenn sie den "Reiz" in einer für sie handlebaren Entfernung war nehmen können, wenn ich dan sofort mit dem Bestärken anfange und es häufig und großzügig tue, ich es schaffe dabei ruhig zu stehen (oder je nach Trainingsfortschritt ruhig zu gehen), und wenn ich ein Signal für "da kommt ein Jogger" einführe.
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Ueber das Problem, Jogger/Radfahrer nicht negativ zu verknuepfen, hab ich auch schon nachgedacht. Hier sind ein paar meiner Gedankenerguesse, ihr duerft ruhig lachen!
1. Viele meiner Kollegen (die meisten kennt Milo gut), joggen ab und zu in der Mittagspause. Hab mal angedacht, dass man sich ja "zufaellig" treffen koennte, bzw ich absichtlich an deren Strecke entlang gehe. Milo koennte aus einiger Distanz zuschauen, und wenn er ruhig ist, bleiben die Kollegen stehen, kommen rueber und wir unterhalten uns ganz laessig, er kriegt ein Gutzi, und sie laufen weiter. Und das moeglichst oft machen, mit unterschiedlichen Leuten.
Das ist eine super Idee. Such Dir einen Platz an der Strecke, an dem Du die Distanz zum Jogger so einrichten kannst, dass Milo Erfolg hat.
Du kannst anfangen, ihn zu bestärken, sobald er den Jogger wahr nimmt, aber ver giß die "ein guzi" Idee - gib ihm viele winzige aber saugute Leckerchen hintereinander in 1-3 Sekunden Abstand, solange er ruhig ist:
Du willst einen Kontrast: ruhiges "Joggergucken" = viel Leberkäse / aufregen beim "Joggergucken" = end of Leberkäse (Anmerkung, jaaaa, ich würde anfangs fast Ausschließlich mit Essen arbeiten, weil das das "ruhuigbleiben" fördert - spielen halte ich anfangs für Kontraproduktiv.
Später kann man aber mit den BEstärkern so variable werden, wie man kreativ ist...)
Und lass die Kollegen auch nicht auf ein Schwätzchen ran kommen - wenn sie sich eh schon als "Joggerdummies" zur verfügung stellen, nutze sie lieber, und lasse sie mehrfach hin und herlaufen, damit Du ihre Joggingzeit für viele, viele, viele Bestärkungen nutzen kannst.
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2. Hab auch schon ueberlegt, ob ich mich auch mal ab und zu in Joggerkluft werfen und das "Opfer" spielen soll (sollte eh mal wieder Sport machen...), waehrend Milo mit meiner Kollegin spazieren geht (bei der er recht gut hoert und die ihn dann sitzenlassen soll). So quasi, als Belohnung fuers Bravsein kommt der geheimnisvolle Jogger rueber und ist das sehnlichst vermisste Frauchen. Oder verwirrt das den Hund zu sehr?
Würde ich erst in sehr fortgeschrittenem Training machen, denn es ist eine ziemlich schwierige Generalisierungsübung für Deinen Hund: nicht dass Du plötzlich joggst, sondern, dass er bei jemand anderem sein geübtes Verhalten zeigen soll.
Es ist eine gute Übung! MAcht aber nur Sinn, wenn er auch tatsächlich mit anderen Menschen spatzieren gehen soll.
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3. Heute bin ich mal spasseshalber im Hof mit dem Fahrrad im Kreis um meinen Hund herumgefahren, waehrend Hundi mit einem Stueck Holz beschaeftig war. Erst war ihm das Fahrrad ziemlich suspekt, aber dann hat er wohl geschnallt dass da auch ein Mensch dazugehoert. Dann hat es ihn nicht die Bohne interessiert. Vielleicht muss ich einfach oefter selber mit ihm radfahren (natuerlich nur Schritttempo oder schieben)?
Radfahren ist sicher eine tolle Beschäftigung. Nur mußt Du, bevor Du das da betreiben kannst, wo Euch andere Fahrer oder Jogger begegnen, seine Probleme mit ebenjenden Auslösern behoben haben, sonst segelst Du nämlich wunderschön von deinem Zweirad runter.
Das ist wieder eine Übung für den "sehr Fortgeschrittenen" Hund. --> die Aufgabe "Jogger sehen und ruhig bleiben" ist um so schwieriger, desto schneller der Hund dabei selber unterwegs ist...
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Keine Angst, ich wuerd das alles nicht "einfach so mal" machen, ohne mich vorher von nem Trainer beraten zu lassen. Aber mir ging eben auf, dass es ja zig Moeglichkeiten gibt, mit dem Hund zu ueben, ohne dass es immer der Ernstfall sein muss (d.h. fremde Leute, am besten mit Hundephobie :/ ).
Ach ja, und falls das alles Unsinn ist, wuerd ich es doch lieber mit nem Trainer zusammen ueben. Kennt jemand nen guten im Raum Zuerich?
Fang mit "sitzend Jogger gucken auf große Distanz" an, und arbeite Dich langsam (seeeeehr langsam!!
) näher ran. Übrigens, es macht auch einen großen Unterschied, wie schnell der Jogger unterwegs ist. Wenn Du einen Kollegen hast, der sich als "Opfer" zur Verfügung stellen mag, ist das ein Punkt an dem ihr rumspielen könnt, wenn es z.B. Probleme gibt, wenn Ihr bei einer Distanz von ich sach ma 2 Meter angekommen seid, und Milo das patou nicht verpacken kann, könnt Ihr versuchen, ob es ihm Hilft, wenn der Jogger dann in ca. 5m Abstand "in Schritt" schaltet, langsam an Euch vorbei geht, und wenn er 5 Meter an Euch vorbei ist, langsam wieder in Trab hochschaltet. Nach und nach kann dann die "Schritt-Passage verkürzt, und oder das Tempo weniger gedrosselt werden.
Toll ist, dass du schreibst, dass mehrere Deiner Kollegen joggen - denn an je mehr "Opfern" du die einzelnen Szenarien durchtrainieren kannst, desto besser natürlich.
Das ganze klingt langsam und langweilig und zeitraubend.
Ist es aber nicht, wenn Du folgendes beachtest:
Die Bestärkung müssen mindestens im Lotto-Jackpot-Wertigkeitsbereich liegen und großzügigst verteilt werden.
Starte auf einer Distanz, die Milo Erfolg (und damit ziemlich viele Jackpot-Gutis) garantiert.
Taste Dich nur vorwärts, wenn er ein bis zwei Tage (oder aufeinanderfolgende Sessions) auf die derzeitige Distanz erfolgreich war.
Wenn er doch mal lospoltert, versuche mit einigen ehr langsamen Schritte etwas die Distanz zu vergrößern, ihn wieder ruhig zu bekommen, damit er wieder erfogreich ist. NICHT aus der Situation ganz und vorallen Dingen raus RENNEN!!
Üb nicht, wenn er (oder auch Du) eh einen schlechten Tag hast...
Sei selber möglichst ruhig und entspannt: stelld Dir zu Hause auf dem Sofa genau vior, wie es aussehen soll: Hund sitzt (und kriegt Keks), die Leine ist locker (der Hund bekommt Keks), der Jogger kommt näher (Kekse), der huns beleibt ruhig (mehr Kekse), der Jogger läuft winkend vorbei (Kekse) und hund sitzt immer noch ruhig, wow!
Wenn Dein Bauch sagt - das kann er jetzt nicht, das klappt nicht, versuch langsam und ruhig den Abstand zum Jogger zu vergrößern - denn es wird dann auch tatsächlich nicht klappen - und durch die Distanzvergrößerung verhinderst du dann wenigstens, dass er sein Pöblen üben muß.
Genau, muß, denn er kann einfach nicht anders - Pöblen ist das Verhalten, dass für ihn Momentan "funktioniert" egal warum...
Jetzt muß Du ihm "erklären" warum "ruhig Joggergucken" für ihn viel lohnenswerter ist.
Hunde machen nur was funktioniert!