aaaha, jetzt weiß ich glaube ich, woran es hakt.
Ich glaube, über die "Konditionierer" hat man den Eindruck, dass man von deren Hunden immer zu jederzeit perfekt "dressierte" Verhaltensmuster sehen will, die in stundenlangem Training festgelegt werden und von denen Herren/Frauchen dann erwartet, dass sie genau so durchgeführt werden.
Kann es das sein?
So IST es nämlich aber nicht. Also zumindest nicht bei mir.
Es ist mir im Prinzip egal, was Hund macht, wenn z.B. ein Radfahrer vorbei kommt. Es sollte halt nicht Anspringen, Jagen, in die Hose/Ärmel beißen, anbellen oder so was sein. Deshalb mache ich, die ersten Male, wir in der realen Welt auf solche Situationen treffen, "Verhaltensvorschläge", wie ranrufen und hinsetzen, ranrufen und stehen bleiben, an Ort und Stelle (auf Distanz von mir) warten, oder etwas in der Art. Dieses Verhalten wird dann bestärkt.
Das ist schon situationsbedingt nicht immer ganz genau gleich - weil es mir egal ist, wie der Hund sitzt, wo der Hund genau sitzt, ob er dabei schräg oder mit einer Pfote in der Luft sitzt und ob er mich ansieht oder nicht, ob er zum Jogger gewendet sitzt, oder mir zugewendet. Oder das gleiche im Stehen, oder im Liegen. All das ist mir egal, all das ist bestärkenswertes Verhalten, denn es ist nicht ", Jagen, in die Hose/Ärmel beißen, anbellen oder so was".
Und ob oder was ich genau an Signalen gebe, hängt ganz vom Hund ab. Crispel kann ich, wenn er nicht gerade direkt neben der Radfahrerspur verträumt an Hündinnenpipi sabbert, einfach das machen lassen, was er macht - wenn er aber in der Hundedamenpipi-Geruchswelt ist, kann es sein, dass er dann schon mal weiterhin verträumt losläuft und voll in den Radfahrer marschiert, weil er den einfach gar nicht wahrgenommen hat.
Andere Hunde müssen rechtzeitig rangerufen und angeleint werden, weil sie ansonsten irgendwas nicht erwünschtes täten.
Mir ist es im Alltag meistens auch egal, wer wie wo an der Leine läuft, vor mir hinter mir, rechts oder links, solange ich dabei nicht durch die Gegend geszerrt oder umgerissen werden. Ich bestärke, "an lockerer Leine" (variable) egal wo das Vierbein gerade läuft, das einzige Kriterium ist "Leine ist locker".
Ich "dressiere" nicht, ich mache nicht mal Hundesport. Nicht mal die Tricks, die die Nasen bei mir lernen, sehen einer wie der andere aus.
Das ist mir nicht wichtig.
Mir ist wichtig, dass mein Hund mir vertraut, dass er für gut gemachte Sachen positive (Bestärkung) Rückmeldung bekommt, damit es sich lohnt dieses Verhalten zu wiederholen,
dass er die "muß er einfach können" gerne macht, weil es niemals mit irgendwelchen ekligen Sachen verknüpft wird,
dass er mich nicht mit irgendwelchen ekligen Sachen verknüpft, weil er mir eben vertrauen muß - wenns die Situation erfordert und ich mal laut brülle - aus Angst er rennt vor ein Auto - darf er das nicht mit strafandrohung verknüpfen, sondern einfach nur mit einem Rückruf, oder einem anderen Signal.
Ich will nicht, dass es darüber Zweifel gibt.
Ich will nicht, dass Sigale für verhalten mal bedeuten "Gelegenheit, eine Belohnung zu bekommen" und ein anders Mal, "Gelegenheit, eine Strafe zu vermeiden" Das verunsichert und ist nicht vertrauensbildent.
Ich will, dass Hund weiß, wenn er Singal xy so ausführt, wie er denkt dass es wahrscheinlich richtig ist, bekommt er eine Belohnung - oder eben nichts, wenn er sich irrt. Irren ist nicht schlimm.
Irren wird aber schlimm, wenn der Hund weiß, es folgt wahrscheinlich eine "Korrektur, wenn er sich irrt...
Wenn man weiß, wie das mit dem Lernen funktioniert, kann man so trainieren, dass die einzelnen Signale möglichst eindeutig sind, darin, ob es nun eine Gelegenheit für eine Bestärkung (Lernen über Positive Bestärkung) oder eine Gelegenheit, eine Strafe zu vermeiden ist (Lernen über negative Bestärkung).
Das heißt NICHT, dass ich unerwünschtes Verhalten "einfach so" hinnehme.
Eine "Korrektur" oder Strafe, oder wie auch immer man es nun nennt, bezieht sich nie nur auf den Moment, in der sie ausgeführt wird. Sie "reicht" in die Zukunft, und wirkt auf zukünftige Entscheidungen ein, ob und welches Verhalten wahrscheinlich ausgeführt wird.
Ich habe aber nicht nur die Möglichkeit, ein zukünftiges auftreten eines unerwünschten Verhaltens mit einer "Korrektur" zu dezimieren.
Man kann auch irgendein anderes Verhalten, das in der Situation angemessen ist, positiv bestärken.
Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, das unerwünschtes Verhalten A seltener auf tritt und erwünschtes Verhalten B öfter.
Training hat was mit Veränderung von Wahrscheinlichkeiten zu tun.
Und es hat was mit Entscheidungen zu tun.
Welche Entscheidung wird der Hund wahrscheinlich in einer ähnlichen Situation treffen.
Vereinfacht ist das eine Waage: auf der einen Seite ist die Schale "unerwünschtes Verhalten" auf der anderen die Schale "erwünschtes Verhalten" (und weil das Leben komplex ist, ist "Verhalten" auf beiden Seiten im Plural zu verstehen: es gibt in einer Situation mehrere Verhaltensalternativen, die allesamt unerwünscht sind, ebenso, wie es Verhaltensalternativen gibt, die allesamt erwünscht, okay sind).
Mit Lernen über Vermeiden nimmt man von der Schale "unerwünscht" Gewicht weg.
Mit dem Lernen über positive Bestärkung legen wir mehr Gewicht, auf die "erwünschte" Schale.
Rein "mechanisch" ist das Ergebnis das gleiche: irgendwann wird das unerwünschte Verhalten verschwinden.
Aber, die böse Wissenschaft zeigt es an einer Tierart nach der anderen, es ist NICHT das gleiche! Weil man Pavlov nicht vergessen darf.