Weil man gesagt bekommt, oder es in Büchern lesen kann, dass man anonym strafen soll (damit es zu der Nebenwirkung "Verknüpfung mit Halter" nicht kommt) UND weil suggeriert wird, dass man das mit diesen Hilfsmitteln erreicht. Die logische Weiterentwicklung davon ist dann alles "ferngesteuerte" Zeug.
Aber denken wir doch mal kurz darüber nach, wozu diese Sachen ja eigentlich dienen, und wann sie eingesetzt werden (sollen):
Man ist z.B. mit dem Hund draussen, Hund macht irgendwas, was er nicht soll, "Rappelschepperklapperspritz".
Und dann ist da diese "Verhaltenslücke" - nämlich der Moment, in dem der Hund das ungewünschte Verhalten abgebrochen hat und dem was als nächstes kommt. Idealerweise folgt hier Info vom Halter, was er denn statt dessen machen soll.
Aha.
WARUM kann man nicht etwas aufmerksamer mit dem Hund unterwegs sein, dann kann man nämlich diese Situation kommen sehen, und vorher mit einem mit R+ aufgebauten Signal auf gewünschtes Verhalten "einfordern" - entweder mit einem Aufmerksamkeitsignal oder direkt mit einem Signal, dass aussagt, was der Hund tun möge (zurückkommen, warten, weitergehen, Sitzen, Down, whatever...).
Wieso lernen die Hund angeblich durch das Abbruchsignal (egal was man da jetzt benutzt, mit Hilfsmittel oder nicht), dass er XY nicht machen soll, durch ein "anderes" Signal aber nicht.
Ehrlich, ich versteh es nicht.
Das eine sagt dem Hund nur "Das auf keinen Fall" und hinterläßt diese Lücke, wo der Hund erstmal überlegen muß, was denn dann sonst, und womöglich auf eine noch dümmere Idee kommt. Das andere sagt dem Hund "hallo Schneggi, bitte jetzt Verhalten AB ausführen!"
Da kann er sich natürlich auch für die dümmere Idee entscheiden. Aber wo ist die Wahrscheinlichkeit größer - vorausgesetzt "AB" wurde geübt?
So oder so muß der Hund lernen, welches das angemessene Verhalten in der jeweiligen Situation ist. Bei dem einen lassen wir ihn aus dreimillionen anderen Möglichkeiten selber auswählen. Weitere Fehlentscheidugnen müssen mit erneuten Abbruchsignalen geahndet werden. Was bedeutet das für das zukünftige Auftreten eines gewünschten Verhaltens? Wie motiviere ich den Hund, dass er nächstes Mal sofort die richtige Entscheidung trifft.
Bei der anderen helfen wir bei der Auswahl, indem wir eine Info geben, welches Verhalten jetzt eine gute Idee wäre, und für welches evtl. ein Bestärker winken könnte. Wir engen quasi die Möglichkeiten des Hundes ein. Ich denke, dass ist ein Kritikpunkt, den man dafür ernten kann. Bei der anderen Version hat der Hund ja "freie Hand" und kann einfach irgendwas machen, solange es nicht "falsch" ist.
Aber ist das denn wirklich hilfreich? Wie war das denn jetzt mit dem Grenzen setzen.
Ich setze eine Grenze und sage z.B.: "Wenn du einen Fahrradfahrer kommen siehst, rufe ich Dich zurück und du bleibst bei mir, bis er weg ist" Markersignal, Bestärkung. (oder "bleib wo du bist, bis ich "okay" sage")
Andere setzen die Grenze "DAS nicht" Okay! - Häää??
Ich glaube, es ist eine Frage der Perspektive, welche Grenze eindeutiger ist und leichter für den Hund zu verstehen. Welche ist aus der Persepktive des Hundes eindeutiger, klarer, deutlicher und damit einfacher RICHTIG umzusetzen. Welche Grenze ist er motivierter, selber einzuhalten?
Wenn Hunde angeblich Grenzen brauchen und diese ja auch haben wollen (was hier wirklich niemand abstreitet), warum machen wir die dann nicht wirklich eindeutig und sagen "an dieser Stelle hast Du nur Aussicht auf Bestärkung, wenn Du Verhalten AB zeigst". Statt: "lass das!" und läßt den Hund hängen mit der Entscheidung, welches Verhalten kein weiteres "Lass das!" zur folge hat.
Wo ist also der Unterschied?
Bei dem einen lernt der Hund, eine Strafe zu vermeiden.
Bei der anderen Version lernt der Hund, dass er eine Möglichkeit auf Bestärker hat.
Und was ich unbedingt vermeiden will, ist das "unschuldige Umweltreize" (Menschen, Tiere, WasAuchImmer) durch aversive Reize, die ich einsetze, um was bestimmtes (nämlich ausschließlich das Verhalten des Hundes) "vergiftet" werden.
Wie leicht das passiert, hier: http://nancygyes.wordpress.com/2010/01/23/poisoned-cues/
und WENN das passiert, hat man eine neue Baustelle, die man sich möglicherweise nicht erklären kann, und daher nicht mit seinem eigenen Verhalten (dem Anwenden des aversiven Reizes) verknüpft, weil das ja nicht direkt aufeinander folgt.
Da ist sie, die Crux des Trainings: Konsequenzen, und die zeitliche Verknüpfung mit dem Verhalten.
Das Abruchverhalten funktioniert unmittelbar: negative Bestärkung für den Halter - genau: unser "Bestrafung des Hundes"-Verhalten wird bestärkt, weil der "Reiz" (das nicht gewünschte Verhalten des hundes" unmittelbar nach dem geben des AS abbricht.).
Die Bestrafung (verschlechterung des Verhalten des Hundes) tritt a. später auf, ist b. möglicherweise mit einem anderen Reiz vernüpft, und daher nicht nachvollziehbar mit dem Einsatz des AS verknüpft (für den Menschen), und hat c. u.U. direkt wieder den Einsatz eines AS zur Folge.
Kann man sich wirklich wünchen, dass man damit diese Kettenreaktion in Gang setzt? Denn mit dem neuen AS werden wieder weitere Umweltreize beschossen.
Da hat man, je nach Konsequenz irgendwann endweder tatsächlich einen - wie war der Ausdruck? - nach innen gewendeten?? Hund, oder einen der etwas bis vollkommen (je nach Charakter) neurotischen Hund.
Ich möchte einen Hund, der seine Umwelt mitbekommt, sie schön findet, auf alles offen zu geht, und es für eine tolle Idee hält "sich an Grenzen zu halten" = bestimmte Verhalten auszuführen, wenn in der Umwelt bestimmte Reize auftauchen.
Und mein Zeitaufwand für meine Ansprüche, ist vielleicht eine Stunde mehr pro WOCHE, als ich sowieso mit den Tierchen unterwegs bin. Und das ist sehr großzügig aufgerundet und aufs ganze Leben des Hundes "umgelegt" - mit anderen Worten - als Welpe/nue im Haushalt aufgenommener Hund ist dieser Extraaufwand hoch. Mit Crispel ist dieser Aufwand momentan quasi gleich Null.
Was ich jetzt mit ihm abseits von Spaziergängen mache, ist ausschließlich Spaßclickern von albernen Tricks als "Environmental Enrichment" Programm. Auf den Spaziergängen üben wir wenig, was man als "Grundgehorsam" bezeichnen könnte. Ich clicke opportunistisch, mit variblen Bestärkerrate und variierenden Bestärkern, gutes Verhalten und erhalte es damit, damit es "frisch" bleibt und nicht einrostet. Ansonsten kann er schnüffeln, rennen, buddeln, in die Gegend starren, sich am Misthaufen oder Futtersilage schubbern, Hündinnenpippi durchkauen, Hasenköttel naschen, auf Bäume klettern, oder was Hunde sonst so für lustige Hobbies haben. Wenn ihm das langweilig wird, kommt er und sagt "ej, clicker mich!" und manchmal, wenn mir langweilig wird, ruf ich ihn und frag ihn ob er mit mir Freeshapen mag. Meistens mag er, manchmal nicht - da es FREEshapen ist, lassen wir es dann eben und Shoppy muß sich selber beschäftigen ![]()
Edit:
Übrigens: ein Signal, dass ein Alternativverhalten einfordert und umgehend von Hund befolgt wird, wird ebenso direkt bestärkt.
Weil also beide Versionen bestärkt werden, ist ein ändern des Verhalten schwierig, denn man müßte es erstmal erkennen, dann die Notwendigkeit sehen, es zu ändern und dann etwas Tun. Und das das anfangs a. mehr Auwand ist, b. meistens nicht reibungslos klappt, fehlt c. die direkte bestärkung des Halters, weshalb man prompt zum alten Verhaltensmußter zurückfällt.
Soweit zum Thema, um das Verhalten des Hundes zu ändern muß man sein eigenes verändern ![]()