nochmal zum ständig - man kann, und ich mache oft - man muß aber nicht immer. Ich belohne einen Rückruf halt sowieso fast immer sehr hochwertig - dann häng ich halt oft den Anker dazwischen, um den gleich auch wieder mit einer Belohnung zu verknüpfen.
Ich finde, dass zwischen dem konkreten "Doppelten Rückruf" und dem "aus dem Bauch was ähnliches machen ungefähr 2,5 wesentliche Unterschiede bestehen.
1. man verknüpft gezielt ein eigenständiges Signal mit hochwertigen, variablen Bestärkern. Das macht man beim "aus dem Bauch" raus nicht. Man verknüpft das "auf den Schenkel klopfen", rückwärtslaufen, sich kleiner machen, oder anfeuernde Rufe nicht mit Absicht mit Belohnung. weil nämlich
2. die aus dem Bauch "Signale" (besonders das Rückwärts laufen, oder kleiner machen, seitwärt stellen, Arme ausbreiten...) "prompts" sind - da gibts leider keinen schönen Deutschen Begriff für, deshalb muß ich jetzt etwas ausholen.
"Promts" sind "Verhaltensauslöser - die scheinen oft "von alleine" zu funktionieren - und das ist schon genau auch ein bißchen der Nachteil, weil, wenn sie von alleine funktionieren, denkt der Mensch, dass er ja nicht belohnen brauch, der Hund kanns ja schon. Den Effekt kann man wirklich schön in der Welpenentwicklung beobachten - anfangs rennt Welpi Mensch immer fein hinterher, der "Folgetrieb". Es gehen ein paar Wochen ins Land und dann wird hier ein Thread eröffnet, der beginnt mit den ominösen worten: "Eigentlich ist mein 5 monate alter Welpe ein ganz lieber, mit folgender aufzähleung, dass er schon stubenrein ist und schmusig, blabla, und aber jetzt hört er nicht mehr auf Rückruf... was soll ich denn jetzt tun???" Das Prompt hat immer fein funktioniert, das erhalten hat sich anfangs auch noch gelohnt (das ankommen bei seiner Bezugsperson ist eine Belohnung für den Welpen) aber dann wird die große weite Welt interessanter für das kleine Tierchen und schon ist DAS lohnenswerter als dem "prompt" zu folgen...
Bumms, kein Rückruf mehr...
3. kann man den Leuten darüber, dass der Doppelte Rückruf aus zwei verschiedenen Signalen besteht auch einsichtlich erklären, aus wieviel verschiedenen unterschiedlichen Verhalten ein Rückruf überhaupt besteht. Man könnte locker einen 4 oder 5-fachen Rückruf (Stoppen, sich von dem Abwenden, was man grad sieht/hört/riecht/frisst/ mit spielt, Umorientieren, Loslaufen, bis zu mir zurückkommen...) basteln, aus so vielen Teilen besteht es nämlich eigentlich. Das wiederum ist dann wieder zu kompliziert - obwohl ich manchmal auch noch ein Stoppsignal davor schalte.
Auf jeden Fall klappt es so, den Leuten zu vermitteln, dass sie die Entscheidung des Hundes, sich von dem was auch immer abzuwenden, und sich ihnen zuzuwenden undbedingt bestärken müssen - den DAS ist das WESENTLICHE - ohne diesen Verhaltensschritt läuft der Hund erst gar nicht los. Die meisten belohnen aber erst, wenn der Hund da ist, oder sie wollen sogar noch, dass der Hund sich unbedingt hinsetzen möge. Und das sieht dann so aus - der Hund macht grad ganz was tolles (aus seiner sicht) sie rufen, der Hund kommt, sie sagen sitzt, der Hund sitzt nich, sie fangen an mit Händen zu grapschen, sich vorzubeugen, irgendwie rumzuhantieren und zu nörgeln, dass der Hund sich endlich hinsetzt und genau dabe bestrafen sie, ohne es zu merken, die vorangegangene Verhaltenskette, die sie eigentlich belohnen wollten, aber sie haben es aus den Augen verloren, weil der Hund nicht sitzt, verdammt noch mal, er muß doch sitzen...
Es ist ungeheuer schwer, zu vermitteln, besonders leuten, die in einer anderen Welpengruppe waren, zuvor, dass das zwei verschiedene Sachen sind, die ja sogar sowieso verschiedene Signale haben, und erst später mal irgendwann zu einer Kette zusammengefügt werden können, bzw. sich selber zusammenfügen, wenn man nach der Belohnung des Kommens, einfach noch mal sitz sagt, und dann eine Belohnung füs sitzen gibt und irgendwann kann man die erste dann weglassn....
Der Rückruf ist eine Verhaltenskette, und Verhaltensketten fallen extrem schnell auseinander, wenn Teile davon nicht bestärkt oder sogar bestraft werden. Genau deshalb, und damit sind wir wieder bei Punkt eins, bestärken wir den aller ersten Schritt der Kette gesondert - die Entscheidung, auf den Menschen zu reagieren, und deshalb hat dieses Verhalten ein eigenes Signal.
Ich glaube gleich oben in dem ersten Beitrag in der zitierten Beschreibung steht drinn, dass ich sowohl Anker als auch das UOS seperat für einen "vollständigen" Rückruf benutze, wenn der hund grad z.B. eh nur 10-20 Meter von mir weg (Sowohl Crispel als auch Gandhi haben oft einen Radius von mehreren hundert Metern...) und in "ich will eh kommen" Stimmung - dann nutz ich das, um mal das eine oder das andere Signal zu benutzen und zu verstärken.
Nebenher hab ich noch unglaublich viele andere Signale, die ich nie gezielt aufgebaut habe, die aber trotzdem entweder als RR oder als UOS funktionieren. z.B. Crispel kann "durch die Beine" und hat einen Mordsspaß, machnmal, aus 100m entfernung angebrettert zu kommen und mir dann durch die Beine zu flitzen. Wenn er also guckt, und ich mich breitbeinig hinstelle ist das ein ziemlich effektives RR-Signal. bei einem Kundenhund haben wir heute festgestellt, dass ich "yeaaaaay!" und "uuuiii" (wie in "ui, wassn da los???") hab - nie per absicht konditioniert, aber fantastisch mit darauf folgenden Bestärkern verknüpft. Gut zu wissen!
Solche Geräusche gebe ich oft nach dem Click von mir, bevor die Belohnung fliegt... und weil ich ausserdem den "Zwang" habe, Hunde zu clicken und zu belohnen, die sich zu mir umdrehen, scheint "sich bei jegweden lustigen Geräuschen zu Martina umdrehen" eine lohnenswerte Geschichte zu sein.
Ist das was Neues?? Nö. Es ist nur, meines Wissens nach, vor ute noch niemand auf die Idee gekommen, dieses auf diese Art und weise auseinander zu nehmen und zu lehren. Und natürlich gibt man seinen Spielchen einen Namen - schließlich muß man ja auch kommunizieren, was jetzt wie gemacht werden soll, ohne dass man immer wieder den ganzen Ablauf erklären zu müssen.
Klar gibt es auch für die gleiche, oder sehr ähnliche Spielchen unterschiedliche Namen. Bei Ute gibts "Zeigen und Benennen", das gleiche heißt bei Leslie McDevitt "Look at that"-game und bei mir "Wo ist XY"-Spiel.
Ich hab das spiel quasi gleichzeitig bei den beiden gelernt, sodass ich nicht sagen könnte, "bei der ahb ich es als erstes...."
Ich weiß aber, dass Ute das wiederum von Kayce Cover hat. Obs nun Leslie von Kayce hat, oder ob sie auf die selbe Idee von alleine gekommen ist, keine Ahnung - ich schreib dazu, von wem ich was gelernt hab.
Das ist eins der schlimmen Sachen, wo ich mich sehr drüber aufregen kann - die Leute, die behaupten, dass sie "das hundetraining "revolutioniert" haben. Alle haben ziemlich alles von irgendwem anders gelernt, und entweder 1 zu 1 übernommen, oder weiter entwickelt, oder irgendwas entdeckt, was total doof und für sie nicht anwendbar war, aber gebraucht wurde und daraus dann einen anderen Weg entwickelt.
Aber letztendlich verändert nur die Konsequenz des Verhaltens die Wahrscheinlichkeit, ob das Verhalten wieder auftritt oder nicht. Wenns sich nicht lohnt, oder gar bääää ist, wird das Verhalten seltener auftreten, lohnt es sich, wird das Verhalten stärker.
Und "lohnt sich" liegt im Auge, ups, im Belohnungszentrum des jeweilgen "Schülers"...