ZitatGenauso das mit dem Klicker. Hört sich lieb und toll an, aber wie kann ich denn bitte immer! gewährleisten, dass der Übungshund immer nur die Entfernung hat, die ich gerade schaffen kann? (das mag in Amerika oder in der absoluten Pampa noch gehen, aber wie geht das bitte in ner mittelgroßen Kleinstadt oder gar in Berlin, Hamburg?
Kann man nicht immer - braucht man aber auch nicht. Der Trick ist, dass der Clicker ein konditionierter "Stimmungsverbesserer" ist (und nebenbei, das "Nein" ist ein konditionierter "Stimmungsverschlechterer" - und aus genau dem Grund setze ich kein derartiges Abbruchsigal ein, und in solchen Situationen schon gleich doppelt nicht, and here is why:).
Angst, Aggression, Stress, oder egal was sonst Leinenpöblen auslöst (bestimmt kommt gleich wer und schreibt von Hunden, denen das Spaß macht), sind unangenehme Emotionen, die z.B. durch das Erblicken eines anderen Hundes ausgelöst werden. Das hat nichts mit bewußtem Denken zu tun - denn die emotionale Bewertung eines Reizes im hirn geht schneller, als die "vernünftige" Bewertung eines Reizes. mit anderen Worten, während man grad anfängt sich zu sagen "die Spinne kann mir nicht wirklich gefährlich werden" hat die Amygdala schon längst auf den Panik-Knopf gedrückt.
So.
Zu dem Reiz "seh ich anderen Hund drückt Amygdala 'panik'" gesellt die eine Methode den Clicker - der an der gleichen Stelle des Hirns "oh, was nettes kommt!" auslöst. Durch wiederholte Abläufe "anderer Hund" wird gefolgt von "Click = nette Sachen folgen" lernt der Hund das "anderer Hund" von netten Sachen gefolgt wird. Der gute Ivan Paclov hat vor ziemlich genau hundert Jahren genau daran geforscht (und nach ihm viele weitere mit immer neuen Fragestellungen), dass man ein reflexives Verhalten (oder eine Emotion) mit einem mehr oder weniger beliebigen Auslösereiz verknüpfen kann, indem man es vorhersebar vor selbiges reflexive Verhalten setzt), der dieses reflexive Verhalten (oder Emotion) auslöst.
Man hat sogar geschafft, das man das Immunsystem!!! auf einen konditionieren Reiz zu schwächen, indem man einen bestimmten Geschmacksstoff einem Getränk beigab, das das Immunsystem schwächte. Paar Wiederholungen und dann reichte alleine der Geschmack (ohne das immunschwächende Mittel im Wasser) und das Immunsystem ging in den Keller...
Wenn der Anblick von anderen Hunden nun konsequent "nette Dinge folgen" vorhersagt, wie wird sich die Emotion beim Anblick von anderen Hunden verändern? Bekommt der Hund mehr Angst vor den anderen hunden? Oder vielleicht weniger?
Angenommen, wir "verpaaren" den Anblick von anderen Hunden mit dem konditionierten Sigal für "doofe Dinge folgen" - was passiert dann mit der Emotion, die durch "ich seh einen anderen Hund" ausgelöst werden?
Die Wunder der klassischen Konditionierung... Ich kombiniere keine Signale, die mit unangenehmen Konsequenzen und damit mit unangenehmen Gefühlen verknüpft sind, mit Situationen, die der Hund eh schon doof findet, denn ich will das "Immunsystem" nicht mocch tiefer in den Keller schicken, als es eh schon ist, - im Gegenteil, da soll es ja raus.
Zitat
Mir fehlt bei beiden Vorgehensweisen die Möglichkeit, das auch wirklich ohne Fehler hinzukriegen.
Beim Klickern wird der Hund überfordert, weil die Entfernung nicht passte und bei der anderen wird der Hund überfordert, weil ich ein Nein von ihm verlange, er das aber gar nicht umsetzen kann.
Kannst Du bei beiden nicht. Aber unter dem Aspekt der klassischen Konditionierung (oh, und by the way, man kann nicht NICHT klassisch konditionieren - das läuft ab, ob man es will oder nicht, und ob man daran glaubt oder nicht...) - welche Version hat ehr Chancen, Fehler zu verzeihen?
Das, wo sich die meisten gedanklich dran aufhängen ist "bestärke keine unerwünschten Verhalten" - richtig?
Ich benutz den Clicker in solchen Situationen UNABHÄNGIG vom Verhalten. Wenn der Hund einen anderen Hund erblickt hat, clicke ich - auch wenn er den anderen grade anbrüllt. Warum? Wegen der Klassischen Konditionierung - ich will ein schüppchen "angenehme Emotion" auf die Situation werfen.
Bestärke ich damit evtl. das VERHALTEN "brüllt einen adneren Hund an"?
JEP, das kann passieren - deshalb versucht man ja, dass man den Hund möglichst nicht über die Reizschwelle bringt.
Ist das aber "schlimm", wenns doch mal passiert?
Nein, denn: durch die klassische Konditionierung häufelt man Click für click positive Emotionen auf den Panikknopf. Und damit wird der irgendwann nicht mehr ausgelöst.
Wenn man jetzt also versehentlich konditioniert hat, "ui, wenn ich den anderen Hund antösele, dann krieg ich Kekse, dann kreisch ich denn getz ma an!" - dann hat man was?
Man hat einen DENKENDEN Hund der "Antöseln" als gelernten Trick anbietet. Und man kann das sehr gut unterscheiden, ob das ein Trick ist, oder um reaktives, reflexives Verhalten, denn in der einen Version stellt der hund sicher, ob mans denn auch bemerkt - und zeigt einem zuvor den anderen Hund an - und im anderen bekommt er einen nicht mehr mit und ist unansprechbar. Zudem ist die körpersprache ganz anders. Man denke an "Spiel-Kampf-körpersprache" VS. "Ernstkampf-Körpersprache" - wer das nicht unterscheiden kann, muß sich eben entsprechend weiterbilden.
Und wenn ein Hund einen Trick anbieten kann, kann man auch andere Verhalten abfragen, z.B. alles, was der Hund bis dahin schon in "töselfreien" Situationen gelernt hat.
Klassische konditionierung läuft IMMER ab - da kann man NICHTS gegen machen - man kann sich aber sehr wohl überlegen, ob und wenn ja wie man sich diesen Umstand zu nutze machen kann, wenn man in Situationen ist, wo man eignentlich nicht mehr "trainieren" kann - wenn z.b. der andere Hund zu dicht drann ist.
Gandhi findet Autos/Fahrräder/Motorräder zum Fressen - da hatte ich anfangs ständig Situationen, in denen die Autos zu dicht, zu schnell, zu viele hintereinander auftraten. Zum Glück hat die Evolution klassische Konditionierung erfunden! Gestern sind eine Gruppe Fahrradfahrede Kinder klingelnd an uns vorbei gerauscht - überhaupt die ersten Fahrräder nach dem Winter!!! Und Herr Gandhi haut seinen Poppes auf die Erde und sagt - "das ist der Moment, wo du hier (streckt mir seine Schnüss entgegen) Deine Leckerchen einfüllen solltest!" - kurz bevor das erste Kind fast über seinen schwanz gefahren wäre... Nehm ich! Gibts sogar Jackpot für!! Tschakka!
Übrigens gibt es zu genau DIESEM Thema einen ganz hervorragenden Artikel in der aktuellen Ausgabe des Clickermagazins: http://www.clickermagazin.ch