oh, sind wir wieder bei der Grundsatz-Diskussion.
zu der "wie lange braucht man, um..."
Ich denke, dass Leute, die mit Clicker arbeiten, das genauswo wenig allgemein gültig beantworten können, wie die Anwender von anderen Methoden auch. Weil das einfach wie immer von soooo vielen Faktoren abhängt.
Hier ein paar, und das sind nur welche die mir grad eben schnell ohne viel nachdenken einfallen:
- Grade anfangs möchte ich bei solchen Problemen gerne mit Leckerchen arbeiten (Erregungsniveau, Verstärkungsrate, einfaches händling u.a.) - wenn der Hund aber draussen gar nicht fressen kann/mag, dann muß ich Vorarbeit leisten, von der keiner sagen kann, wie lange das dauert.
- In der Zeit, wo ich das vorbereite KANN ich mit Distanzvergrößerung als Bestärker arbeiten, aber dazu wiederum brauche ich ein gutes Trainignspartner-Team (Hund mit Mensch), die entweder selbstständig sehen, was wann wie zu tun ist, oder schnell auf Anwesingen zu reagieren in der Lage sind. Das schränkt die Trainingsmöglichkeiten ein.
- Wenn der Hund an der Leine zieht wie Bolle, müssen wir zumindest parallel an diesem Problem arbeiten, bis "am reiz vorbei gehen" möglich ist. "Im sitz den anderen vorbei gehen lassen klappt dagegen oft mit weniger Vorbereitungsaufwand.
- Wenn der Hund noch andere Auslösereize hat, und/oder stark von Umweltreizen abgelenkt oder erregt ist/wird haben wir eben zumindest Parallel andere Baustellen zu bearbeiten.
- Der Mensch muß das Konzept verstehen, die Abläufe begreifen und das ganze koordinativ auf die Reihe bekommen. Es ist ganz natürlich, dass die wenigsten das von jetzt auf gestern problemlos hinbekommen. Da das so ist, muß auch der Lernprozess für den Menschen in Zwischenschritte unterteilt werden. Ich mache das z.B. so, dass ich den Ablauf ein paar Mal selber mit dem Hund durchspiele, und dabei erstens dem hund die Grundschritte schon gleich vermittle, und zweitens dem Menschen den Ablauf "in Wort und Bild" durchkommentieren kann. Dann kann ich z.B. eine Weile das clicken übernehmen, und der Mensch kann sich darauf konzentrieren, den Hund zu beobachten, und Leckerchen zu geben. Oder, wenn auch das noch zu koordinativen Problemen führt, könnte ich z.B. das "Gegner-Team" so instruieren, dass auf meinen Click die Distanz vergrößert wird. Wenn ICH das Gegnerteam bin, muß ich gleichzeitig auf mich, auf zwei Hunde und den anderen Hundeführer achten und kommentieren was ich tue und warum. Das hat Vorteile - aber auch einige Nachteile 
- Der Hundeführer muß seinen Hund lesen lernen, muß verschiedene Sachen trainieren, UND sich dann in den Situationen daran erinnern, dass sie gewisse Sachen geübt haben, und dass sie diese jetzt anwenden können. Das sind die Momente, wo sie besonders anfangs oder auch in besonders stressigen Momenten in alte Verhaltensmuster zurückfallen.
- was sind die Prioritäten des Halter: ist der Hund z.b. gleichzeitig Leinenpöbler und das absolute Jagdschweinchen, und die Halter wohnen in der Pampa mit überall Wild um sie rum, dafür Hundebegegnungen von vielleicht 3 mal in zwei Wochen, dann pressiert das Jagdproblem vielleicht mehr, und am Pöbleproblem wird nur mal so eeben nebenher dran gearbeitet, dann dauert das halt "länger"
Für fast alle genannten Punkte gilt: die Fortschritte sind eben abhängig davon, wie das Team tatsächlich übt und wie die individuellen Vorbedingungen sind. Da reicht das Spektrum bisher von "Innerhalb von einer Trainingsstunde" bis "still work in progress"
Vielleicht mag ja mal jemand seine TATSÄCHLICHE Trainingszeit ausrechen - wie lange dauern die hundebegegnungen tatsächlich, mal wieviele Hunde wurden in z.B. den drei angegebenen Wochen getroffen...
Natürlich ist auch das sehr individuell, aber da relaviert sich manchmal das "dauert ja ewig" Argument - wenn man z.B. nur 3 Mal die Wochen überhaupt auf andere Hunde trifft...
Für mich ist das Markersignal ein Übersetzungshilfsmittel - es erleichtert die Artübergreifende Kommunikation. Ich kann sehr präzise sagen, was ich meine, und zwar ganz unabhängig davon, ob ich einen "Trick" einübe, oder ob ich sage "ich finde es ganz großartig, dass wir in 5m Entfernung an dem Kreischsack vorbei gehen konnten.
Markersignale sind Kommunikation, und sie sind bindungsfördern genau aus diesem Grund - sie erleichtern die Kommunikation. Lebewesen umgeben sich vorzugsweise mit anderen Lebewesen, die sie verstehen, und von denen sie gleichzeitig das Gefühl haben verstanden, respektiert und unterstützt zu werden.
Natürlich kann ich nicht in dem Kopf von Hunden gucken, sondern kann das nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen, aber ich für meinen Teil "binde mich an "/freunde mich an/vertraue nur Menschen, die mir helfen, die mich verstehen, und die meine Bedürftnisse respektieren. Und vielleicht bin ich ja einfach nur ein extrem misstrauisches Exemplar, aber bei Leuten, die mich schon mal gelinkt haben, mir weh getan haben (und ich meine nicht notwendigerweise körperlich) oder die ständig Sachen von mir verlangen, die ich nicht leisten kann, oder die ich auch einfach nur nicht mag, habe ich ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Meideverhalten...
Und nachdem mir der Einfluß der Konsequenzen und der klassischen Konditionierung auf mein eigenes Verhalten klar ist, arbeite ich mit Hunden eben so, wie ich arbeite
Wenn das machen für "dressur" oder "nicht kommunikation" halten, zeigt mir nur, dass man offenbar unterschiedliche Deffinitionen dieser Begriffe hat...