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Ich bestärke auch spontanes Herkommen, oder "spreche" nur eine informelle Einladung zum Herkommen aus (meist körpersprachlich), und bestärke auch dies, boostere somit die Bestärkungshistorie.
Das mache ich auch oft, oder markiere "Rückblicke".
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Das ist hilfreich, da es das Verhalten wie du sagst als sehr lohnenswertes Verhalten positiv verknüpft. Aber im Notfall muss ich das Verhalten per Signal abrufen können, ich muss das Verhalten per Signal zualleroberst auf die aktuelle Prioritätenliste des Hundes katapultieren können.
Klar ist es wichtig, dass man das Verhalten mit einem Signal abrufen zu können - dazu muß man es verknüpfen - ist uns beiden klar.
Was ich sagen wollte, ist, das das Verhalten nicht von den Signalen "wertig" gemacht wird, sondern von den Bestärkern. Thorndike...
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Und dazu ist es hilfreich, wenn das Signal für den Hund eine spezielle Bedeutung hat. Ein Hund lernt problemlos mehrere Signale für dasselbe Verhalten. Ich muss den Rückpfiff nicht banalisieren, um das Verhalten mit hochwertiger Bestärkung zu boostern, dazu kann ich ein Alltagssignal nehmen, oder spontanes Verhalten.
Ich weiß nicht genau, ob Ute bei der Entwicklung "banalisieren" gedacht hat. Wenn ich es richtig verstanden habe, ging es aber schon im Prinzip in die Richtung, dass es weder für den Mensch noch für den Hund etwas spezielles für spezielle Situationen ist, sondern ein immer in jeder Lebenslage erstklassig funktionierender Rückruf.
Deine Variante
geht da ein wenig in die Richtung des Superschlachtrufs. Der ist per Definition von Pia ja immer mit der gleichen Belohnung zu verkoppeln, und nur in "Notfallsituationen" zu verwenden.
Das Ding ist halt: Jeder muß für sich dann in jeder fraglichen Situation erst entscheiden "ist es eine Notfallsituation, oder nicht, und wenn es keine ist, und ich nutz den SSR, nutz ich den dann unnütz ab?".
Wenn ich es richtig verstanden habe, wollte Ute dieses Abwägen-Müssen grade nicht.
Ich hab auch son "kannst du in nächster Zeit mal bei mir auftauchen"/"wir gehen jetzt so in diese Richtung, kannst Du bitte folgen..."-Schlubber-Rückruf. da will ich schon auch, dass er (mit)kommt, aber das Zeitfenster ist ziemlich weit offen. Denn DRR wende ich an, wenns flott gehen soll oder muß. Ich muß also nur überlegen langsam/richtigschnell und nicht auch noch "besonderswichtigeranlass"?
Lustigerweise werden auch die "Schlubber-Rückrufe" im durchschnitt schneller - dabei bestärke ich die gar nicht besser als vorher. Weiß nicht woran das liegt.
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Für DICH ist das das allerwichtigste Signal überhaupt, aber wie sehen die Prioritäten für den HUND aus? Sieht der das auch so, und warum? Warum sollte es für ihn so wichtig sein, wenn es tagein, tagaus dutzendemale erschallt? Klar, er wird hochwertig belohnt, aber ich kann nicht fünzigmal pro Tag die hochwertigste Belohnung überhaupt vergeben, dadurch wird sie banalisiert.
Warum spielen die Leute Lotto oder, noch besserer Vergleich, warum kaufen Sie Tombular-Lose (ausser dem Grund "für den Guten Zweck" - aber dazu "Bräuchte man ja keine Tombula) - weil sie Aussicht auf den Hauptgewinn sehen. Ich rücke NICHT immer den Hauptgewinn raus. Wenn man mal genau guckt - ich werfe sehr häufig EIN Leckerchen, machmal gibts Futtertube, mal irgendwas anderes passendes von der Top-Twenty-Liste.
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Es ist auch schlicht nicht machbar - ich kann nicht 20 Fährten täglich legen, oder 20 Hasen- und Rebhuhnattrappen am Gummiseil präparieren, oder 20 Dosen Katzenfutter schmeissen. Belohnungen, die sehr häufig gegeben werden, verlieren zwangsläufig den Status des Obertollsten, des Besonderen - ein Tag kann nicht 20 ultimative Highlights haben.
Richtig! SO geht es tatsächlich nicht, aber so habe ich das auch nie beschrieben, oder? Das Ziel ist es, den DRR mit variabel (mal bestärker, mal nix) variabel
(mit verschiedenen VerstärkerARTEN) zu verknüpfen.
Also nicht 20 Mal Futtertube, oder 20 Mal Reizangel, oder 20 Mal Spur legen. Sondern: einmal Katzenfutter, einmal TroFu werfen, einmal Schleppe legen, einmal Vögel aufscheuchen, zweimal Keks aus der Luft fangen, einmal rollendes Frolic jagen, einmal im Misthaufen wälzen, einmal im Mauseloch graben, dann vielleicht mal wieder an der Futtertube schlecken, oder einen in "Anspringhöhe" an den Baumstamm geklebten Futtertubenklecks abschlecken, Käsewürfel aus der Hand, dann einen Beliebten Trick ausführen... abwechslungsreich, spannend, nicht vorhersehbar, Tombula: Hauptgewinne, "Naja"-Gewinne" und sogar ab und an mal "Nieten"--> "Suuuper gemacht.., okay"...
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Das Signal wird zu einer Chance auf hochwertige Belohnung, aber es kündigt nicht das Nonplusultra an, und die Chance bietet sich sehr oft. Das klappt dann tatsächlich mit vielen Wiederholungen besser.
Ja, nein, ja *kicher*
Ja, das Signal kündigt eine Chance auf eine Bestärkung an.
Nein, der Hund weiß nie genau welche.
Ja, oft, viele aber unterschiedliche Bestärkungen - the best of both worlds, sozusagen.
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Wenn es mir aber gelingt, ein Signal so zu verknüpfen, dass es für den Hund dieselbe Wichtigkeit bekommt, wie für mich, dann brauche ich keine unzähligen Wiederholungen - Hunde lernen für sie wirklich wichtige Dinge viel, viel schneller. Ich gehe nur ein, zweimal in der Woche trailen, trotzdem kennen meine Hunde die Bedeutung des Signals (packen der Trail-Tasche) zuverlässig und haben das mit dem folgenden Verhalten verknüpft. Würde ich die Tasche aber öfters packen, und dann nur einen normalen Spaziergang folgen lassen, würde das Signal an Wichtigkeit verlieren, so gern sie auch spazieren gehen. Die Nummer 15 oder 20 auf der Top Twenty Liste hat nicht dieselbe Bedeutung für den Hund, wie die Nr 1. Ein Signal, welches fest mit den allerobersten Aktivitäten auf der Liste verknüpft ist, ist wichtiger für den Hund, als eines welches meist Nr 15 - 20 ankündigt.
Klar, aber...
hihihi
Das folgende trifft bei Dir wahrscheinlich nicht zu, weil Deine Nasen wahrscheinlich so geierig auf "jagdliche Veranstaltungen" sind, dass die tatsächlich immer ziehen - und dadurch ja außerdem schon unterschiedliche Motivationen abgedeckt sind.
Angenommen, jemand hat so einen "Überbestärker" nicht, oder kann diesen nicht oder nur mit großem Aufwand anwenden. Dann MUSS er ja notgedrungen irgendwas nicht so tolles als Bestärker verwenden. Richtig?
Ein bißchen habe ich dem mit Crispel dieses "Problem", denn seine Top Twenty Liste ist draussen nicht besonders umfangreich, und selbst für die Dinge, die er manchmal, oder sogar oft toll findet, ist er nicht immer zu haben. Deshalb mache ich bei ihm (zu) viel über Futter (verschiedene Arten, verschiedene "ergatterungsmöglichkeiten") - ziemlich einseitig. Ich tät mir gern mal ne läufige Hündin als Bestärker ausleihen ;D. Da entwickelt sich gerade eine Trainignsidee hihihi
Lange Rede, kurzer Sinn:
Nicht immer passt "Essen" (oder "Spielen" oder "oder") zu der Motivation, in der er gerade ist, wenn ich ihn abrufen muß. (z.B.: wenn man hauptsächlich mit "Spielen" bestärkt und man einen Hund abrufen muss, der grad dabei ist, rennend die Flucht zu ergreifen - "Flucht" ist Lebenserhaltung und schließt Spielverhalten auf, desshalb passt "Spielen" zur Fluchtmotivation nicht, und macht das zurückkommen ziemlich unwahrscheinlich - in dem Fall hätte man gerne "Erfüllung des Sicherheitsbedürfnisses" in der Bestärkungsgeschichte).
Und wenn das nicht passt, hab ich eben das Problem, dass ihn die vorhersehbare Konsequenz, wie hochwertig die auch ansonsten in fast allen Situationen ist, einfach nicht "anspricht" und schon bleibt er an der Hündinnen-Pippi-Stelle kleben - denn zu der Motivation "lecker riechender Hündin" habe ich noch nichts auf die "Bestärkungshistorien-Liste" aufgeladen.
Das ist ja immer das, was wir in den "wenn ein Hase blabla, kann ich mit xy-Wurst blabla, das interessiert ihn nicht die Bohne...!" Threads lesen können - der Hund hat offenbar zu diesem Verhalten als Bestärkung ausschließlich "Essen" und dieses vermutlich nur als "trocken, immer das selbe, aus der Hand, langweilig..." auf der Liste stehen... hm... da käme ich auch nicht, wenn ich grad nen Kathy Sdao Seminar auf DVD gucke, oder noch viel weniger, wenn ich LIVE in einem geilen Seminar sitze und mein Seeking Circuit rot glüht vor Begeisterung... 
Ich will das Verhalten mit Bestärkern verknüpfen, die verschiedene Motivationen entspringen, auf der Bestärkerhistorienliste des DRR, weil ich auch aus verschiedenen Motivationen heraus rufen muß.