Ich möchte noch mal was zu dem "Hunde sind, wie Menschen, individuell" sagen.
ja, das stimmt.
Aber die Schlußfolgerung darauf finde ich nicht ganz korrekt.
Die Lerngesetze treffen immer zu. Also, dass durch den Einsatz von Bestärkung Verhalten bestärkt wird, dass Bestrafung von Verhalten (und da nicht nur "DAS" Verhalten) reduziert, Risiken, Nebenwirkungen, der gnze kram.
Was individuell ist, ist, was die individuellen Hunde als bestärkend oder bestrafend empfinden.
Hier ein sehr genialer Link: http://www.easy-dogs.net/home/blog/training.html
Vielleicht zählt mal jemand durch, wieviel unterschiedliche Bestärker da zusammengekommen sind...
Was auch natürlich total individuell ist, ist, worauf man aufbauen kann - welche Erfahungen hat der Hund schon gemacht, welche Konzepte hat der Hund schon gelernt, mit welchen Sachen hat er nette/doofe Erlebnisse verknüpft, was sagt seine genetische Vorprogrammierung, wo Grenzen liegen?
Ausserdem, und das hängt natürlich mit den anderen Punkten zusammen, ist es sehr unterschiedlich wie schnell die Hunde Fortschritte machen, wie Stressanfällig sie sind, ob sie irgendwelceh körperlichen Beeinträchtigungen haben, die gewisse Sachen erschweren oder verhindern.
Hunde können gelernt haben, dass man einem Menschen am Besten aus dem Weg geht - ich meine nicht Wegrennen, oder flüchten. Ich hatte letzten Sommer einen Gasthund da, der sollte per Körperliches Bedrängen "Respekt" lernen. Nicht als erster durch die Tür - abdrängen, nicht an der Leine ziehen, Mensch wurschtelt sich nach vorne und drängt den Hund nach hinten. Der Hund war ständig damit beschäftigt, genügend Abstand zu halten - klingt ja erstmal nicht so dramatisch - aber wenn man als Trainingsziel "an lockerer Leine hat, und der Hund einem ausweicht, muß man entweder sehr viel schneller sein, als der Hund und/oder selber an der Leine ziehen.
Das Training ging, so sagt mir das Frauchen schon einige Monate so, und sie war gar furchtbar stolz, dass der Hund "nicht mehr sooo doll zieht!".....
ich hab drei-vier Tage Clickern gebraucht, und der hat GAR nicht mehr gezogen... jedenfalls mich. Er hat es mir in seinem Fall sehr leicht gemacht - und sehr sehr gerne für sein Trockenfutter gearbeitet.
Seit zwei Wochen habe ich einen Havanneser im Training - der schleppt Herrchen (rüstiger Rentner, 50 jahre Hundeerfahrung...) durch die Gegend. Die hatten bisher zwei Stunden und schon in der zweiten berichtete man mir, dass man das mit dem Clicker ja immer noch nicht so ganz richtig verstanden hätte.
Aber, so fuhr er fort, der Hund bleibt stehen und setzt sich hin, wenn Mensch stehen bleibt, und nachdem der erste "rausrausrauuuuus-Drang" sich erstmal etwas gelegt hat, kann er Minutenlang an lockerer Leine gehen... wird dann halt minikurz langsamer...
Und das, wo der Hund unterwegs mindesten 3/4 der Zeit keine Leckerchen nimmt. Herrchen clickt, und sagt "okay" oder "Weiter" oder "geh schnüffeln"... und clickt gelegentlich auch noch den schnüffelnden Hund an... Jetzt formen wir aus dem "setzt sich hin, wenn Herrchen wegen straffer Leine stehen bleibt" ein "kommt zu Herrchen zurück" und bestärken nebenher alles wa "an lockerer Leine ist".
Herrchen hat zuvor noch nie was von Clickern gehört. Leckerchen haben schon vorher "nicht richtig funktioniert - wenn er einen anderen Hund sieht, interessiert ihn ein Leckerchen nicht die Bohne".... ach ja.
Übrigens erinnert mich der Malteser vom Verhalten sehr, an meinen Sommergast - immer sehr auf körperlichen Abstand bedacht - ich hab nicht nachgefragt, aber man berichtete mir ja schon, das alle möglichen Trainingsmethoden schon ausprobiert worden waren...
Mich lehrt das - man muß eben aufhören zu "erwarten",
Dass alle Hunde Käse lieben
Dass alle Hunde nach einem Kochrezept lernen.
Dass alle Hunde in der gleichen Reihenfolge und in der gleichen Geschwindigkeit Lernfortschritte machen.
Dass alle Hunde auf der gleichen Stufe anfangen.
Ich finde, das schöne beim Clickern ist, dass völlig egal ist, was der Hund als Ausgangsverhalten zeigt, denn das kann man umformen. Allerdings macht es genau das etwas komplizierter zu beschreiben, was man wann wie tut, denn ich weiß halt nicht, was der Hund als nächstes "bestärkbrares" Verhalten anbieten wird.
Allerdings weiß ich, das man als Mensch erstmal lernen muß, zu erkennen, was alles "bestärkbares Verhalten ist" - und wie viel man doch bestärken kann.
Ganz bestimmt wirke ich auf viele andere wie eine ziellos clickende Futterschleuder. Ich clicke, auch wenn ich vorrher gar kannen "Befehl" gegeben habe... Ich clicke, wenn der Hund z.B. einen anderen Hund gesehen hat, sich bei der Begrüßung, bei der ihm ins gesicht gesprungen wurde, abdreht, ruhig stehen bleibt, wenn er angerammelt wird, den Hund bei dessen Halter abzustreifen versucht, oder beim Rückruf mit einem kleinen Bogen um andere Hunde herumläuft, oder etwas langsamer wird. Ich clicke, wenn ein anderer Hund uns anbellt, wenn wir nur mit "katze angucken" an selbiger vorbei kommen, ohne dass Hund kreischen muß, dass er sitzen kann, wenn ein Auto vorbei fährt, oder fahrradfahrende Kinder fast über seinen Schwanz fahren - klingelnd, natürlich
Das wirkt bestimmt sehr wahllos, aber, ehrlich, meistens weiß ich genau, was ich tu, und manchmal mach ich Fehler... bei Training über positive Bestärkung müßte ich diesen Fehler allerdings hundete von malen wiederholen um mich som in eine Ecke zu clickern, dass ich da nicht wieder raus komme... Paar mal falsch bestraft, und ich hab irgendwas wesentliches verbockt... das las ich doch lieber sein...
Beim Gandhi clickere ich locker eine Tagesration Futter auf einem Spaziergang in den Hund, weil der einach so viele Baustellen hat, und ich ihm so mitteilen kann, was das angemessene Verhalten ist.
Aber ich muß auch wissen, wann ich das Geschirrfesthalten muß, weil er sich gleich vergißt, und dann ausrasten und sich auf das Auto stürzen wird. zum Glück haben wir das reduziert von "irgendwo in der Landschaft ist eins, ich raste mal für den rest des Tages komplett aus" auf "da ist was überraschend um die Ecke gekommen, ganz dicht an uns vorbei WAAAAAAAAA okay, Kekse??!"
Das ist jetzt wieder ein Roman geworden...