Nach all den vielen Beiträgen über Ausrüstung und Wandern und so geht meine Reise jetzt weiter. Der vorletzte Wandertag war einer der schönsten.
Morgens ist es eisig kalt. Die Temperaturen müssen kurz vor dem Gefrierpunkt sein, und es weht ein kalter Wind. Beim Abbau des Zeltes ziehe ich sogar die Handschuhe an. Trotzdem sind Hände und Füße kalt als ich losgehe. Es dauert eine Weile, bis ich auf "Betriebstemperatur" bin.
Der Weg durch das Gleann Iolairean ist teilweise ganz schön matschig. An manchen Stellen, vor allem wenn der Weg über eine Kuppe führt, sieht man die Spuren von Mountain Bikes, die in breiter Front dort entlang gefahren sind. Das schadet dem ohnehin eingesumpften Weg vermutlich nicht viel, aber es sieht nicht schön aus. Und es zwingt mich zu weiten Umwegen, will ich nicht bis an die Knöchel im Matsch gehen.
Bald kommt der Loch Treig in Sicht, und damit ein befestigter Landrovertrack:
Nur noch ein paar Meter trennen mich von dem Track, als ich vor dieser Stelle stehe. Ich stehe gut einen Meter oberhalb davon, rechts von mir geht es nahezu senkrecht runter in eine kleine Schlucht, und dieser Sumpf hier hat nach meinem "Stocktest" keinen festen Boden. Bevor ich riskiere, hier den Abgang zu machen, schlage ich mich links davon durchs Gestrüpp (hier rechts im Bild; ich mache das Foto erst nachdem ich wieder sicheren Boden unter den Füßen habe; später stelle ich fest, dass die Regenhülle des Rucksack ein paar Risse davongetragen hat) und gehe auf der sicheren Seite zum Track hinunter.
Auf dieser schönen Wiese am Loch Treig mache ich eine schöne lange Pause. Es waren zwar nur acht Kilometer bis hierher, und es ging meist bergab, aber durch den vielen Matsch war es doch recht anstrengend. Außerdem haben sich die Wolken verzogen, die Sonne strahlt von einem blauen Highlands-Himmel, und das Leben ist einfach nur schön. Aber kalt ist es immer noch; ohne die Jacke geht heute gar nichts.
Dann laufe ich weiter, auf dem knüppelharten, aber matschfreien Landrovertrack in Richtung Corrour Station. Unterwegs stelle ich fest, dass auf dem Corrour Estate größere Erdarbeiten in Gang sind. Ein Schild erklärt, dass sie dort an drei Bächen kleine Wasserkraftwerke bauen. Da sie mehr Strom erzeugen, als die paar Häuser des Estates, das Hostel und der Bahnhof brauchen, werden unterirdische Stromleitungen bis zur Rannoch Station gelegt, wo der Strom dann ins National Grid eingespeist wird. Das Schild verspricht, dass die Arbeiten Ende 2015 beendet sein werden, dass die neu angelegten Tracks (für Bagger und anderes schweres Gerät) wieder rückgebaut werden, dass man von diesem Hydro Scheme in ein paar Jahren nichts mehr sehen wird, und überhaupt dass alles gut wird. Nun denn, ich werde es bei meinen nächsten Besuchen sehen.
Immerhin: Auf den Tracks komme ich gut voran. Die Aussichten sind fantastisch. Klare Luft, schneebedeckte Gipfel, blauer Himmel - traumhaft schön.
Der Track zum Loch Ossian, mit einem Abzweig zur Corrour Station, ist alt. Ich nehme den Abzweig zur Jugendherberge, die SYHA Loch Ossian, mein Lieblings-Hostel.
Gegenüber dem Weg zum Hostel geht ein Pfad bergauf. Diesen nehme ich. Nur - das ist kein Pfad mehr, das ist auch ein baggertauglicher Track, der sich zieht, soweit ich sehen kann. Nun gut, dann komme ich noch schneller voran als geplant. Schön ist zwar anders, aber andererseits hatte ich heute schon genug Schlamm und eingesumpfte Wege.
Hier der Blick runter zum Loch Ossian:
Der höchste Berg auf diesen Bildern ist übrigens Ben Nevis, der höchste Berg in UK. Da war ich schon ein paarmal drauf, einmal sogar im Schnee. Dieses Jahr jedoch nicht; als ich wieder dort bin, schneit es munter weiter dort oben...
So, schnell den Beitrag posten. Es geht gleich weiter, mit einem außerplanmäßigen Gipfel-Sturm. ![]()