Von Sportbildern war im Frage-Post nicht die Rede, vielmehr von einer Neuseeland-Reise. Diese assoziiere ich nicht mit sich schnell bewegenden Motiven, sondern eher mit Landschaft und ggf. Architektur. Dieses kann die Sony sehr, sehr gut. Besser als die Nikon1 J-irgendwas - und ja, ich kenne beide Kameras. Über die J2 habe ich mich lange genug geärgert, die Sony hatte gerade wieder eine tolle Zeit in Schottland. Die Ergebnisse dieser beiden Kameras lassen sich nicht miteinander vergleichen. Bilder die ich im letzten Frühjahr mit der J2 machte, waren alle stark nachbearbeitungsbedürftig. Zu blass, zu wenig Kontraste, der Weißabgleich eine Katastrophe... Da ist die kleine Sony um Längen besser.
Der AF der Sony taugt nur bedingt, um Sportaufnahmen zu machen. Wobei es da auch auf die Ansprüche ankommt. Ich habe den direkten Vergleich zwischen Sony und meiner Nikon-Vollformat mit guten Linsen - da ist klar, wer besser ist.
Ich habe mir vor zwei Jahren die J2 gekauft und bin mit ihr nicht glücklich geworden. Da mache ich mit der Kompakten (Sony RX100M2) bessere Fotos...
Wenn Nikon der J4 nicht einen besseren Sensor spendiert hat, und ein einfacheres Handling, und mit den Preisen für die kleinen Objektive runtergeht - dann wäre das vielleicht eine Option. Aber gerade im Bereich der Systemkameras lohnt sich ein Blick zu den anderen Herstellern. Ein Bekannter von mir hat seine gesamte DSLR-Ausrüstung verkauft, nachdem er die Fuji XE1 (ich glaube, so heißt sie) getestet hat.
Aber bei den von dir genannten Kriterien kannst du auch nach einer "Edel-Kompakten" Ausschau halten. Die von mir schon genannte Sony ist für Landschaftsbilder super. Sie war mit mit gerade neulich wieder in Schottland und hat mich nicht enttäuscht. Hosentaschentauglich ist sie außerdem.
Das mit dem "einer läuft - einer fährt vor" haben wir auch schon gemacht. Zwangläufig, da Männe ein bekennender Wandermuffel ist.
Viel Spaß jedenfalls! Und immer gutes Wanderwetter.
Nochmals vielen, vielen Dank für die Komplimente! Die letzten paar Fotos sind fertig, ich muss sie nur noch hochladen. Vielleicht klappt es heute abend. Ein etwas ausführlicherer Reisebericht entsteht gerade im Outdoorseiten-Forum.
Barbara, das ist einer der Gründe, warum ich die Trekkingtouren ohne meine Hunde mache. Die bleiben in der Zeit daheim bei Männe oder machen Wellness-Urlaub bei meinen Eltern. Im November, als wir mit dem Auto in Schottland waren, hatten wir die Hunde dabei. Da kamen sie selbstverständlich mit auf Tour und hatten ihren Spaß.
Es ist ja nicht nur das Hundefutter. Da braucht man ein größeres Zelt. Decke und dergleichen für den Hund. Pfotenschutz, falls er sich mal verletzt. Undundund... Wenn man dann wegen zuviel Wetter oder wegen einer Erkrankung (hatte ich auch schon mal) oder einfach weil man keine Lust hat die Tour ändert, hat man ganz andere Probleme. In die Busse dürfen Hunde nicht rein. Und es gibt viele Gegenden in Schottland, in denen kein Zug fährt. Per Anhalter fahren, mit einem nassen Hund als Begleiter, stelle ich mir auch schwierig vor. Die meisten Hostels nehmen keine Hunde. Bei den B&Bs bin ich sowieso schon in der Auswahl eingeschränkt, weil ich eben nicht mal 20km weiter ins nächste Ort fahren kann. Und wenn dann noch ein Hund im Spiel ist, macht das die Suche nicht leichter. Ich bleibe lieber bei meinem erprobtem Modell - ich bin unterwegs, die Hunde haben bewährte Betreuer, und wenn ich wieder daheim bin, gibt es "quality time" für die beiden.
Gegen die Midges gibt es verschiedene Repellents - bei mir wirkt kein einziges davon. "Smidge" ist die aktuelle "Wunderwaffe". Erhältlich ist es in Hostels, auf Campingplätzen, und in Outdoorläden. Auch gerne genommen wird eine Sorte Bodyspray von "Avon Skin-so-Soft". Angeblich benutzt das sogar die britische Armee. Das Zeug ist kein Repellent, sondern bildet einen öligen Film auf der Haut, durch den die Midges nicht durchkommen. Im Prinzip nicht schlecht, aber wenn ich schwitze läuft mir das Öl in die Augen. Außerdem muss man so oft nachschmieren. DEET-haltige Mittel wirken auch, aber das ist mir etwas zu heftig gegen Mücken, die zwar lästig sind, aber keine Krankheiten übertragen. Am besten wirkt Wind. Wenn der mal ausbleibt, setze ich auf "Vollverhüllung". Das heißt: Socken über die Hosenbeine (es sei denn, ich habe sowieso Gamaschen an), lange Ärmel mit engen Bündchen, Handschuhe (Liner-Handschuhe, entweder aus Wolle oder, falls ich sie irgendwo in meinem Chaos wiederfinde, aus Seide), und über den Kopf ein Mückennetz. Letzteres sollte man vor Ort kaufen, da die Teile, die man hier bekommt, oft nicht feinmaschig genug sind. Aber: Midges sind lästig, aber überbewertet. Viele Schotten leben in Schottland und verbringen jede schottische Midges-Saison dort. Die Viecher sind ja nicht jeden Tag da. Und auch nicht den ganzen Tag. Übel ist es morgens früh und abends, wenn es windstill ist. Das Zelt auf- oder abbauen kann ohne diese Komplettverhüllung dann schon mal interessant sein... Probiere auch mal Zähneputzen mit Midges-Net auf dem Kopf. Ich hatte mich dank ein paar fast windstiller Sommertage so daran gewöhnt, dass ich gerade noch rechtzeitig die Hand mit der Zahnbürste stoppen konnte.
Zum Thema Zelt: Ja, die Hilleberg-Zelte sind teuer. Sozusagen die Mercedes unter den Zelten. Aber: Es muss nicht unbedingt ein HB sein. Es gibt auch andere Zelte; bei meinen Touren sehe ich oft Zelte von Terra Nova, Wild Country, Vaude, Exped, Vango... Und alle in Schottland. Ich bin vielleicht ein wenig paranoid was die Sturmsicherheit angeht.
Herbst ist genial. Alles was auf meinen diesjährigen Fotos noch braun ist, erstrahlt dann in verschiedenen Gelb- und Rottönen. Das hohe Gras verfärbt sich gelb, der Farn (oft mannshoch) nimmt von leuchtend rot über rotbraun bis braun alle Farben an, das Laub ist entweder goldgelb oder rot - dazu blauer Himmel (okay, dafür gibt es keine Garantie), eventuell schon Neuschnee auf den Gipfeln... Das ist richtig, richtig schön. Es kann dann beispielweise so aussehen:
So ab Mitte September sind die Midges weg, und spätestens Anfang Oktober sind die Herbstfarben da. Das ist meine Lieblingszeit für Schottland. Einziger Nachteil: Die Tage sind schon viel kürzer. Ich war mal Ende Oktober / Anfang November zum Trekken dort und habe noch nie so viel Zeit im Schlafsack verbracht. Aber so von Mitte September bis Mitte Oktober ist es noch in Ordnung. Noch ein Nachteil: Die Hirsche röhren. Das wird im Zelt ganz schön laut. Seit meiner ersten Herbst-Tour esse ich gerne Hirschgulasch...
Im Mai sind übrigens recht viele Wanderer unterwegs. Also "viel" für schottische Verhältnisse. In den beiden mittleren Mai-Wochen ist die "TGO-Challenge" am laufen, da sind gut 300 Wanderer von der Westküste an die Ostküste unterwegs, und weil das Wetter normalerweise gut ist (und nicht so eisig wie dieses Jahr) und die Tage lang sind und die Mücken noch nicht in Massen vorhanden sind, wird viel gewandert. Ist aber auch von den Wegen abhängig. Auf dem West Highland Way war total viel los; auf meinen Trampelpfaden habe ich außer den TGO-Wanderern am Anfang kaum jemanden gesehen.
Schneller als erwartet bin ich an der Corrour Old Lodge, einer Ruine ziemlich weit oben am Hang des Carn Dearg. Vor ein paar Jahren zeltete ich im Sommer dort und war begeistert von der Aussicht. Da ich heute eine noch bessere Aussicht erwarte - und das ohne Mücken, die mich früh ins Zelt vertreiben - habe ich vor, wieder dort zu zelten.
Es gibt einen schönen Gebirgsbach mit frischem Wasser, ein paar ebene Flächen mit kurzem Gras, und im Windschatten einer Mauer kann ich sogar eine Weile in der Sonne sitzen.
Dann frage ich mich, was ich mit diesem angebrochenen Tag machen soll. Jetzt schon das Zelt aufbauen? Das ist sogar mir zu früh. Ich schaue über die Schulter, hoch zum Grat, und denke mir: Warum nicht? Ich kann ja einfach mal weglos den Hang hochstapfen, schauen was auf der anderen Seite ist, und wieder zurückgehen. Gesagt, getan. Das bergauf gehen ist etwas mühsam, weil ich durch mehr als knöchelhohes Heidekrautgestrüpp gehen muss. Aber meist ist der Hang trocken, und ich suche mir eines der Altschneefelder als Ziel aus.
Hier habe ich erst ein paar Höhenmeter hinter mir:
Gleich bin ich auf dem Ridge, denke ich mir, als vor mir die Steigung zu Ende scheint und der Himmel so nah aussieht. Ha, nichts da, es geht dann nochmal bergauf. Jetzt aber, denke ich, jetzt bin ich schon so weit oben, da laufe ich das Stück auch noch. Und dann bin ich oben. Wow. Einfach nur wow. Ich suche mir zuerst mal einen schönen Pausenstein, setze mich darauf, und genieße die Aussicht. Das schmerzende Knie und den knurrenden Magen ignoriere ich genau wie den kalten Wind. Das ist so unglaublich schön hier oben, ich will gar nicht mehr weg. Dann kommt die Kamera zum Einsatz:
Dann kommt die Sache mit dem außerplanmäßigem Gipfel-Sturm. Ich habe genug fotografiert, genug Aussicht genossen, und mir wird kalt. Außerdem habe ich Hunger, muss das Zelt noch aufbauen, und muss mein olles Knie noch den ganzen Hang runterbringen. Also gut, runter. Auf dem Weg bergab gehe ich weiter links als beim Anstieg. Dort sieht es weniger steil aus. Halt, was ist das? Ich stehe auf einem schmalen, aber gut erkennbaren Weg. Wo kommt der her? Und vor allem, wo führt er hin? Zum Gipfel des Carn Dearg, so wie es aussieht. Meine Füße scheinen ein Eigenleben zu entwickeln und tragen mich dem Weg entlang wieder bergauf. Es ist schon noch ein gutes Stück bis zum Gipfel. Als ich dann auf dem Ridge bin, weht es mich erst einmal um. Rums, ich sitze etwas unsanft auf einem Stein. Der Wind hat sich inzwischen zu einem Stürmchen entwickelt, und eine Böe war doch sehr umwerfend (an diesem Abend bin so so was von froh über meine weiche Matratze...). Gut, vorsichtig jetzt. Der Grat ist zwar breit, und es besteht nicht die Gefahr, dass es mich über irgendwelche Klippen weht, aber noch einen Sturz will ich nicht riskieren. Vorsichtig, Schritt für Schritt, taste ich mich mit den Stöcken weiter voran. Uff, geschafft, da ist der große Cairn. Schnell anfassen, und nichts wie weg. Bei diesem Wind und dieser Kälte mache ich keine Gipfelpause. Ich gehe gleich wieder runter. Erst als ich den Ridge hinter mir habe und damit den schlimmsten Wind, fällt mir ein, dass ich Trottel gar kein Foto vom Gipfel gemacht habe. Nun gut, das ist ein Grund, nochmal hierher zu kommen!
Irgendwann bin ich unten. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass dieser Ausflug gar nicht so lange gedauert hat. Vor allem die Strecke bis zum Summit, die gefühlt so lange war, war nur Kleinkram. Egal, jetzt baue ich mein Zelt auf, hole Wasser, und baue meine Küche im Windschatten einer Mauer auf. Hunger!!
Die Sonne wandert weiter, und die Temperaturen fallen. Das Licht wird so schön, dass ich mich aus dem warmen Schlafsack schäle und mich nochmal warm anziehe:
Später in der Nacht wache ich nochmal auf, gehe raus, und stelle fest, dass es sich nicht lohnt den Sternenhimmel zu fotografieren. Es ist einfach nicht dunkel genug. Außerdem ist es kalt; das Außenzelt hat eine ordentliche Frostschicht. Gute Nacht!
Wie es am nächsten Tag weitergeht, erzähle ich morgen.