Beiträge von schara

    Es begann alles irgendwann dieses Jahr im Frühling. Der Schnee war geschmolzen, die Luft wurde lauer. Es war für jeden Hund eine Freude über die Felder zu tollen.

    Wir waren wie immer morgens unterwegs, als Schara auf einmal stockte, sich auf den Boden legte und vor „Etwas“ in Deckung ging.
    Ich schaute in ihre Blickrichtung und sah etwas hellblaues, wahrscheinlich ein Stück Plastikplane auf der Wiese flattern. Um ihr die Angst zu nehmen liefen wir gemeinsam zu dem unbekannten Objekt.
    Schara näherte sich dem Teil in einem großen Bogen, immer in angespannter, geduckter Haltung. Umso näher wir kamen, umso mutiger wurde sie. Auf Distanz konnte man das Teil dann sogar anbellen, es antwortete nicht und machte ausser ein paar wippender Nickerchen keine Bewegungen.
    Schon bald sah ich, dass es sich um einen hellblauen Gasballon handelte, der sich in seinen letzten Atemzügen befand. Es hing ein Stück Faden dran und eine Karte, die ausschaute als hätte sie den größten Monsun durchflogen.
    Mutig wie ich war nahm ich Ballon und Karte kurzerhand, unter Scharas wachsamen Augen, mit nach hause.

    Der hellblaue Ballon landete im Müll, die unleserliche Karte neben meinem PC auf dem Schreibtisch. Es vergingen Tage, Wochen, immer schaute ich die Karte an, wollte sie aufgrund der Unleserlichkeit wegwerfen. Dann dachte ich immer an das Kind, das Brautpaar, vielleicht ein Erwachsener der den Ballon einmal losschickte und gerne gewusst hätte wohin es diesen trieb.

    Irgendwann packte mich doch der Spürsinn und ich fing an die paar Buchstaben und Zahlen mit Internet Hilfe zusammenzusetzen. Am leserlichsten war der Name des Absenders, ein Sancho oder Sandro. Dann gab es Bruchteile einer Postleitzahl, allerdings nur vierstellig und Teile eines Ortes. Nach einiger detektivischer Feinstarbeit spuckte mir das Internet eine Schule in der Schweiz aus. Die Strasse stimmte nicht, aber als ich mir die Stadtkarte anschaute sah ich, dass die Strasse gleich neben der Schule war. Vielleicht eine andere Adresse, ein zweiter Eingang?

    Wir wohnen in Bayern, im Ostallgäu, das war die Schweiz!!! Laut Karte lag noch der ganze Bodensee dazwischen. Das war ja eine Weltreise. Na ja, wer weiss…..

    Ich schrieb einen Brief an die Adresse, bzw. an einen gewissen Sandro oder Sancho, hoffentlich Schüler an dieser Schule. Aber vielleicht war es auch ein alter Mann, der seinen 80ten Geburtstag gefeiert hatte und die Enkel dazu Luftballons fliegen ließen. Wie auch immer, irgendwer würde schon dort wohnen.

    Nein, stimmt nicht, ich schrieb den Brief nicht! Ich schrieb ihn in Scharas Namen. Sie hatte den Ballon gefunden. Ich fügte ein Foto von Schara bei und einen kurzen Steckbrief von ihr. Dem Brief legte ich die monsungeschädigten Fetzen der Karte bei.

    Das war Anfang Sommer 2011. Immer wieder dachte ich daran und wie nett es wäre, wenn man wüsste ob die Karte ihren Absender erreicht hätte. Nun ja, aber auch wenn sie den Absender erreicht hat, muss derjenige ja nicht antworten. Man muss ja keine Brieffreundschaft beginnen, sagte ich mir dann.

    Es kam die Vorweihnachtszeit. Bei uns gibt es keine Geschenke. Wir schenken uns Zeit füreinander, miteinander, Zeit für Freunde. Na ja, aber so ein klitzekleines Geschenk? Nein wir schenken uns nichts.

    Heute gehe ich zum Briefkasten, Rechnungen für meinen Mann, ein Schreiben von Tasso, eine unerwartete Weihnachtskarte von jemand, der mir noch nie eine Weihnachtskarte schrieb und ein großer DinA5 Umschlag adressiert an mich, Absender eine Frau aus der Schweiz.
    Dies ist meine Privatadresse, kann also kein Kunde sein. Wer schreibt mir denn aus der Schweiz? Ich öffne den Umschlag schön säuberlich mit einem Messer, normalerweise reiße ich auf.
    Ich sehe eine Karte mit einem silbernen Stern. Als ich sie öffne lese ich folgendes:

    Und, ist es nicht seltsam?

    …..dass wir vom Glück glauben, wir hätten es verdient, aber vom Unglück denken, es wäre nicht gerecht?

    …..dass Erfahrungen, die wir vergessen wollen, uns am längsten in Erinnerung bleiben, aber Momente die wir festhalten möchten, so schnell an Deutlichkeit verlieren?

    …..dass wir in guten Zeiten so voller Optimismus sind, in schlechten Zeiten uns aber jegliche Zuversicht fehlt?

    …..dass Freudentränen genauso schmecken wie die aus Schmerz und Kummer, sie unserem Leben aber einen völlig anderen Geschmack verleihen?

    …..dass wir es genießen, wenn wir allein sein können, aber daran verzweifeln, wenn wir alleine sein müssen?

    Das Leben wird gegen Abend, wie die Träume gegen Morgen, immer klarer…..


    Wir wünschen Euch ein rundum erfreuliches Weihnachtsfest mit viel Zeit und einem beschwingten Start in ein neues Jahr voller Lichtblicke.


    Gruezi Frau Miller und Schara,
    ganz herzlichen Dank für das retour senden der Ballonkarte. Sandro hat sich riesig darüber gefreut. Sein Ballon flog am weitesten. Er bekam einen Preis!
    Wir wünschen Ihnen und Schara weiterhin viele schöne Stunden zusammen!
    Mit freundlichen Grüßen………

    Mir bedeutet diese Karte unwahrscheinlich viel. Ohne Schara hätten mich diese Worte nie erreicht. Ich hätte den Ballon nie gefunden, da ich dort niemals um diese Zeit allein unterwegs gewesen wäre.

    Ich möchte diese Geschichte als kleinen Weihnachtsgruß mit euch teilen. Vielleicht könnt ihr auch in der Hektik der Vorweihnachtszeit in ein paar persönlichen Zeilen einen Trost, Unterstützung oder einfach die Liebe einer anderen Person finden.

    Jetzt wirds ja richtig lustig hier. :hust: Also bevor ich mit den Tennissocken, meines nicht-Tennis-spielenden Mannes, über meinen Stiefeln raus gehe, bleibe ich lieber eingeschlossen im Kämmerlein sitzen. Da käme ich moir schon etwas arg doof vor, zudem der Stoff wahrscheinlich an Boden hinfriert und man dann gar nicht mehr weg kommt. Ich sehe mich schon in ein Schwätzchen mit einem Nachbarn vertieft und will dann weiter laufen und klebe am Boden fest. Das nenne ich mal ne Bodenhaftung. :lachtot:

    Aber eigentlich müsste mein Hund hier posten. Gestern waren die Nebenstrassen bei uns arg glatt. An einem Grundstück bellte ein Hund, den Schara ja nicht hört. Jedoch sah sie ihn dann irgendwann und meinte zähnefletschend da hin zu müssen. Ich hatte wohl einen etwas zu ruckartigen Zug auf der Leine und mein Hund verlor auf dem Eis den Halt, rutschte aus, knickte um und ward die nächsten Sekunden nur noch humpelnd gesehen.
    Meine Hoffnungist nun, dass sie den Sturz mit dem Zähnefletschen verbindet und dies auch im Hochsommer unterlässt.

    Chihuahua

    Wir sind nicht hier um Antworten zu überlesen. Dann könnte ich auch sagen überlese doch einfach meinen Kommentar. Das wäre eine etwas langweilige Diskussion, oder?

    Hier stand doch, dass das Problem mit der Leinenführigkeit innerhalb von 3 Tagen bei entsprechendem Training gegessen ist. Siehst du und bei dir ging es auch 3 Jahre lang. Also kann man doch nicht von einer Erfahrung auf alle schließen.

    Aber das soll jetzt nicht das Thema hier sein. Wird etwas OT.