Für den Fall, dass der Thread nicht wieder einschläft, reihe ich mich hier mal ein.
Zwei meiner Pflegehunde haben mMn Deprivationsschäden erlitten.
Bei der Hündin bin ich mir nach dem, was ich gelesen habe, sehr sicher, der Rüde kratzt mindestens dran.
Die Hündin wurde vor etlichen Jahren von einem Vermehrer in der Gegend beschlagnahmt, mit ca. 100 ihrer Rassegenossen. Die Hunde wurden bundesweit auf Tierheime verteilt, und so lernte ich meinen Schattenhund kennen.
Sie ist ein wundervolles, sanftes Tier, allerdings kann sie Veränderungen gar nicht ertragen. Vor einigen Jahren wurde in ihrem Auslauf der alte Kirschbaum gefällt - sie kam mehrere Tage nicht mehr aus dem Innenraum des Zwingers heraus.
Auch ist sie eine Angsthündin, die, sobald Fremde auf den Hof und in die Nähe des Zwingers kommen, auf Nimmerwiedersehen in ihrer Hütte verschwindet. Menschen, die sie lange und intensiv kennt, werden gemocht, mir vertraut sie sogar so sehr, dass ich Fremde mit zu ihr bringen kann, ohne dass sie in Panik gerät. Manchmal streckt sie dann sogar noch die Nase aus dem Innenbereich raus und holt sich von mir ein Leckerchen.
In ihrer Angst legt sie auch nie den Vorwärtsgang ein, selbst wenn sie in die Ecke gedrängt wird (impfen geht z.B. nicht anders, weil sie die Tierärzte fürchtet, die zum Hof kommen), schnappt oder droht sie nie. Statt dessen fällt sie in sich zusammen, ich erlebe das als eine Art Schockstarre, sie rührt sich nicht mehr und verbleibt z.T. lange in diesem Zustand. Anfangs musste sie, wenn sie sich im Auslauf erschreckt und unter einem Busch verkrochen hatte, mit zwei Leuten zurück in ihren Zwinger getragen werden, weil sie den Weg von selbst nicht mehr gehen konnte.
Mir kommt es vor, als habe sie z.T. autistische Züge. Wirklich gut geht es ihr, wenn ich bei ihr bin, ich kann auch neue Gegenstände mit in den Zwinger bringen, die sie dann sogar untersucht. Neuerdings verwende ich auch Spooky als Therapiehund, sie hat ihn sehr gern und spielt und interagiert viel mit ihm, und wenn ich mit ihm Dummyübungen mache, kann es passieren, dass sie einfach hinschleicht und den Dummy klaut, um ihn ein paar Meter weiter fallen zu lassen. Früher undenkbar, weil sie den Dummy nicht kannte und Angst gehabt hätte.
Mich spielt sie auch an, springt heimlich von hinten gegen meinen Rücken (so weit man bei einer ausgewachsenen Kangalhündin von heimlich sprechen kann
), freut sich nen Keks, wenn ich komme.
Bei allen Fortschritten, die sie macht, gibt es auch immer wieder Phasen, in denen sie gar nicht mit mir arbeiten kann. Dann kommt sie nicht mal aus ihrer Hütte raus, wenn ich sie rufe. Ich weiß das und lasse sie dann in Ruhe, lese ihr im Zwinger was vor oder quatsche mit ihr, das tut ihr dann gut.
Ich liebe diesen Hund wahnsinnig, und es macht mich stinksauer, zu wissen, was für ein wundervolles Potential einfach weggeschmissen wurde durch ihre versaute Welpen- und Junghundzeit.
Mein Pflegerüde, hier im Forum besser bekannt als die blonde Katastrophe, kam als ganz Junger mit einem Stachelhalsband an die Kette. Deshalb kennt er auch nichts, er kann überhaupt nicht mit Hunden kommunizieren, flippt regelmäßig aus, wenn er Dingen begegnet, die er nicht kennt oder die ihn kurzzeitig erschrecken, steht kreischend in der Leine, hat überhaupt keine Frustrationstoleranz und Impulskontrolle und ich ziemlich permanent reizüberflutet. Seine Eigenheiten wurden fälschlicherweise als Artgenossenaggression diagnostiziert, unserer Meinung nach steckt da einfach viel mehr dahinter. Nämlich die Unfähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen und mit fremden Reizen umzugehen. Da ist es egal, ob der Reiz ein Hund, ein Radfahrer oder, wie letzte Woche, eine Ponykutsche ist.
Ich trainiere mit ihm in der Hinsicht, und es gibt Fortschritte, aber diese kommen sehr langsam. Immerhin schnappt er mittlerweile nur noch sehr selten in seinem Frust nach hinten rum, ich hab wesentlich weniger blaue Flecke als noch im April und Mai. 
Der Blonde ist sehr empfänglich für den Clicker und er arbeitet gern. Wenn er die richtigen Halter bekommt, wird das ein Traumhund. Aber einer, der ne Menge Schweiß und Nerven kostet.