Ich muss gestehen, dass mich Wolfshunde sehr reizen, sowohl optisch als auch emotional, und als Kind hat man mich im Zoo nicht wie alle anderen Kleinen auf dem Spielplatz abgestellt, wenn die Eltern Ruhe wollten, sondern vorm Wolfsgehege. Das ist auch heute noch so: Wölfe faszinieren und berühren mich auf eine Art, die ich nicht erklären kann. Und obwohl (oder vielleicht gerade weil) ich in Franks Thread sehr interessiert mitlese, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass irgendwann, wenn alle Rahmenbedingungen stimmen, auch bei mir einer der Wölfe einzieht. Ob SWH oder TWH steht noch nicht fest, dazu habe ich mich längst nicht tief genug in die Materie eingelesen, aber das, was ich lese, zeigt mir, dass ich mit einem solchen Hund glücklich werden könnte.
Dennoch finde ich auch, dass hier einiges sehr verklärt gesehen bzw. dargestellt wird, z.B. die Geschichte mit dem Hund, der nur auf dem Tisch steht, wenn Frauchen nicht da ist. Das hat mein Collie auch gemacht, allerdings mit dem Sessel. Er durfte nicht drauf, aber wenn ich morgens runter kam, lag er in seinem Nest, und der Sessel war noch warm und hatte Haare.
Ist für mich jetzt nicht typisch wölfisch.
Viele der Eigenschaften der Wolfshunde findet man ja auch bei den Herdenschützern und anderen ursprünglichen Rassen, das finde ich jetzt nicht so speziell, was nicht heißt, dass ich diese Eigenschaften nicht toll fände.
Meine Pflegehündin, ein schwer traumatisierter Kangal, ist wohl das Urbild des mysteriösen Wolfshundes. Sie hat so viel Panik, dass sie gar nicht in der Lage ist, Gehorsam zu lernen. Wir trainieren zusammen, dass sie mir vertrauen kann, und als ich ihr das erste Mal ein Geschirr anlegen konnte, während sie ruhig und ohne zu fliehen (hätte sie gekonnt, ich lass ihr immer diese Möglichkeit) vor mir stand, habe ich vor Rührung still und leise ein paar Tränen verdrückt. Denn das war ein Zeichen von Vertrauen in seiner ursprünglichsten Form.
Und ich bin mir sicher, dass das nicht nur an der Rasse Kangal lag, sondern einfach daran, dass hier ein Hund, der in seinem ganzen Leben von Menschen nur Schlimmes erlebt hatte, sich ohne Zwang oder Druck entschieden hatte, mir, einem Menschen, sein Vertrauen zu schenken.
Ich arbeite mit verschiedenen traumatisierten Hunden, und auch meine Schwarze hatte am Anfang starke Probleme, mir zu vertrauen, denn sie hatte jahrelang als Straßenhund in Osteuropa gelebt und vom Menschen nur Negatives erfahren. Dennoch hat sie sich entschlossen, mir zu vertrauen, und wurde zu einer wunderbaren Begleiterin, genau die Art Ein- Mensch- Hund, die auch die Wolfshunde sein sollen. Mit mir zusammen war ein Tripp in die Großstadt möglich, ohne mich wäre sie schon in unserer Kleinstadtfußgängerzone eine Katastrophe.
Es kommt meiner Meinung nach immer auf den individuellen Hund an, und man muss bei jeder Rasse oder jedem einzelnen Mischling gewisse Abstriche machen. Wenn man das kann und es nicht als Last empfindet, dann hat man den perfekten Hund für sich gefunden.
Übrigens habe ich nichts gegen die mythische Verklärung des eigenen Hundes, denn wie schon geschrieben, hat hier jeder so seine Vorlieben, und wenn man mich über Collies reden hört, könnte man auch denken, ich habe zu viel "Lassie" gesehen. Das liegt aber halt daran, dass von allen Hunden, mit denen ich gearbeitet habe, die Collies immer einen ganz besonderen Platz einnehmen, weil ich zu ihnen (und ihren Mixen) sofort einen Draht habe und sie auch zu mir.
Schwierig wird es halt nur dann, wenn Besitzer unbedingt allen anderen klar machen wollen, dass nur ihre eigenen Rasse das Nonplusultra ist, oder wenn sie sich auf Kosten des Hundes profilieren wollen, weil sie ja einen ach so komplizierten Hund bändigen können und somit ein ganz toller Hecht sein müssen. Den Eindruck habe ich hier allerdings bei keinem Wolfshundehalter.
In der Hinsicht geht mir auch diese Gutmenschenhierarchie auf die Nerven: Tierschutzhund ist gut.
Auslandstierschutzhund ist besser.
Straßenhund ist noch ne Nummer toller.
Hund aus Tötungsstation: Du bist die Elite.
Und das sage ich, obwohl die Schwarze ein osteuropäischer Straßenköter ist, der auf Umwegen übers Tierheimtraining bei mir landete.