Bei Lichtern fällt mir ein, ich hatte vor Ostern so ne ziemlich skurrile/leicht gruselige Begegnung.
Zur Erklärung: Ich wohne am Anfang einer Straße, an der entlang die einzelnen Stationen des Kreuzweges mit Holzreliefs auf Ständern dargestellt sind. Also, in einigen Vorgärten sind diese Reliefs, und dann kommt ne große Querstraße, dann geht's über einen Schulhof und von dort aus in die Felder. Am Eingang zum Feld ist eine Station, und die letzte, eine große Jesusfigur am Kreuz, kommt dann in der Mitte des Feldweges, den ich gern mit Hund lang gehe.
Kurz vor Ostern, es war aber keiner der einschlägigen Feiertage, kam ich nach Hause und dachte, gehste gleich mal mit dem Hund raus. Doch direkt vor meiner Haustür sah ich ne Straßensperre durch die Polizei und eine Prozession Katholiken, mit Kreuz- und Fackelträgern und einem Geistlichen; die Fackelträger allesamt in weißen, weiten Gewändern. Es war also klar, dass ich nicht meine Straße rauf und ins Feld gehen würde, weil die Prozession dort lang ging. Man stand gerade bei der ersten Station des Kreuzweges und betete, deshalb beschloss ich, unsere Feldrunde mit Hund einfach rückwärts zu gehen und die Truppe nur zu kreuzen, nicht zu verfolgen.
Gesagt, getan, Hund geschnappt und losmarschiert. Der Feldweg ist eine große Runde, dazwischen eben Felder, die zwar um die Zeit schon bestellt, aber noch nicht wirklich bewachsen waren. Es wurde langsam dämmrig, und auf der anderen Seite des Feldes sah man in der einbrechenden Dunkelheit die Prozession laufen, voran die weißen Fackelträger, dann der Geistliche, der mit Megaphon seine Predigt hielt und hinterdrein die Katholiken, die in merkwürdige religiöse Gesänge ausgebrochen waren. Ich kam mir vor wie auf einem Aufmarsch des Ku-Klux-Klans und hoffte bloß, dass man der Schwarzen und mir beim Kontakt mit dem Aufmarsch nicht anmerken würde, dass sie Atheistin ist und ich Hexe bin. Echt, da fehlten nur noch die Mistgabeln zum perfekten Dorfpöbel. 