Das geht genau wie du es beschreibst: durch Selektion auf die Besten, was immer die in diesem Fall sein mögen - sowas ergibt zwangsweise nur wenige Tiere zur Weiterzucht und damit eine wunderbare Möglichkeit für die "Terrieranlagen", in diesem eingeschränkten Gen-Reservoir jederzeit wieder aufzutauchen.
Deine F3-Hündin ist dafür doch schon ein optisch beeindruckendes Beispiel: Sie hat den ganz typischen Terrier-Augenschnitt - aber daß sie zusätzlich auch noch andere, verdeckte Terrier-Gene trägt, die vielleicht erst in ein paar Generationen wieder hochkommen, willst du mit Sicherheit ausschließen? Das wäre schon einmalig in der Tierzucht.
Bevor du uns jetzt seitenweise mit Theorien zuschüttest: Was das "Wiederhochkommen" verdeckter Eigenschaften erst nach Generationen angeht, so gibt es da ja ein Beispiel aus der Pferdezucht, das sich zwar mit keiner Vererbungs-Theorie deckt, dafür aber Dressurpferde-Geschichte geschrieben hat: den hannoverschen Hengst "Wöhler".
Wöhler war ein Sohn des Flügeladjutant, der dafür bekannt war, sehr kernige, gängige, aber auch sehr kalibrige dunkle Bauernpferde mit groben Köpfen zu produzieren, wie sie in den vierziger/fünfziger Jahren gefragt waren. Wöhler war überdies auch noch ein Nachkomme von Flotow und Joho, die, um es mal nett zu sagen, selbst für Hannoveraner außerordentlich grobe Typen waren. Alles solide, eher rustikale Burschen.
Wöhler selbst, klein, fuchsfarben und ein Showtyp mit enormen Bewegungen, fiel da schon deutlich aus dem Familienrahmen. Irgendwo seiner Vererbung hätten die groben nahen Vorfahren trotzdem eigentlich auftauchen müssen. Taten sie aber nicht, was an sich schon erstaunlich war.
Stattdessen geschah etwas Unmögliches: ein großer Teil der Wöhler-Nachkommen hatte enorme Ähnlichkeit mit einem anderen Vorfahren, mit dem Vollblüter Ecco XX - bis hin zu regelrechten Kopien. Und nicht nur das: Sie vererbten diese linienuntypischen Eigenschaften ihrerseits dann auch getreu weiter.
Das konnte eigentlich alles nicht sein: Ecco war kein naher Vorfahr, sondern erst Wöhlers Ur-Urgroßvater, der einzige Vollblüter in seiner Ahnenreihe. Geboren 1914, während Wöhler selbst erst 1950 zur Welt kam. Eccos Vollblut-Eigenschaften hätten also mit all den schweren Hannoveranern seitdem längst "ausgekreuzt" sein müssen.
Stattdessen kamen sie nach vierzig Jahren "im Verborgenen" nahezu en bloc wieder zum Vorschein - und das Ergebnis dieser theoretischen Unmöglichkeit ist Hannovers heute bekannteste Dressurpferde-Linie.