Laß die Leine doch einfach mal ohne "schlechtes Gewissen" eine Zeitlang dran und beobachte, ob der Hund nicht generell ruhiger, ansprechbarer und sicherer wird.
So ähnlich ist es mir nämlich mit meiner Blinden gegangen: die war immer ein raketenschneller Freiläufer, verlor dann innerhalb eines Monats das Augenlicht und war damit erstmal das Muster eines unsicheren Hundes. Die hat mir enorm eindrucksvoll gezeigt, wie sehr Leine in manchen Momenten für einen Hund nicht Zwang, sondern Sicherheit bedeutet: sie bettelte im Zweifelsfall regelrecht ums Angeleintwerden, indem sie mir ängstlich am Bein hochkletterte - und sofort ruhig und konzentriert weiterging, sobald der Haken dran war.
Da habe ich dann das erste Mal wirklich verstanden, wieviel Sicherheit dieses spürbare Band geben kann. Mit dieser Hilfe sind wir auch in den Freiläufer-Status zurückgekommen: erst Leinensicherheit, wann immer der Hund wollte, dann kurze freie Intervalle, die der Hund selbst beenden konnte, in dem er wieder um Führung "bat", sobald er müde und unkonzentriert wurde - und nach einer Zeit waren wieder völlig freilauffit.
Auch wenn das ein Extrembeispiel ist: bei einem so nervösen Hund würde ich es wohl ähnlich machen: erstmal Sicherheit, so viel er eben möchte, bis er generell auf einen ruhigeren Level kommt (eben, weil er sicher ist!), und dann langsam wieder ableinen.