Beiträge von terriers4me

    Meine jetzige Hündin ist so eine rassetypische Mischung: eigentlich sensibel hoch zehn, aber wenn das Adrenalin hochkocht, so hart wie ein Büffel - und genau danach richten sich die Ansagen:

    In ruhiger Umgebung zuhause reicht ein Ansehen oder leises Räuspern, wenn sie etwa ein unerlaubtes Stück Papier zum Zerfetzen klauen will.

    Draußen reagiert sie normalerweise auch sehr weich und entsprechend schnell - aber nur bis zu einer gewissen Grenze, über die hinweg sich sich selbständig macht. Sehe ich also, daß sie ernsthaft zum Durchgehen ansetzt, hat sie auf einen Abruf nicht gehört, fliegt blitzschnell die Leine, in ganz seltenen, krassen Fällen (Wild!) sogar die Wurfkette, zusammen mit einem lauten "Nein!" - für sie als Ansage klar genug, daß sie stoppt und sofort zu mir kommt. Dafür wird sie gelobt, belohnt und alles ist schick - no hard feelings.

    Geht sie soweit über die Ernstfall-Grenze raus, daß es heftig wird, greif ich auch zu. Beispiel: Terrier spielt mit einem deutlich schwächeren Hund und kippt angesichts so einer tollen Beute ins ernsthafte Jagen, keift und zwickt also kräftig auf die Beute ein, die sichtbar Angst kriegt.
    Bis zu einem gewissen Punkt reagiert sie da noch auf ein "Vorsicht!", geht sie drüber, bleibt mir nur das harte Durchgreifen. Buchstäblich: Ich pack meinen Möchtegern-Killer am Kragen, auch mal am Schwanz, nehm ihn vom Opfer weg, setze ihn nachdrücklich auf den weißen Hintern und erkläre ihm DEUTLICH, daß das einer zuviel war.
    Dann kommt kurz die Leine zum Abkühlen dran, und sobald das Adrenalin nicht mehr rauscht, kann's weitergehen - meist deutlich gemäßiger, was für mich ein Zeichen ist, daß auch diese Ansage klar genug war.

    Aber so läuft es bei einem bestimmten Hund, und auch da nur in bestimmten Situationen. Verallgemeinern läßt sich da nix. Würde ich etwa beim Papierklau-Versuch drinnen gleich alle Register auffahren, würde derselbe Hund, der beim "Jagen" so schmerzbefreit sein kann, vermutlich zusammenklappen und angstpinkeln. Hätte ich meine sanfte Airedalin je so am Kragen gepackt wie den Rüpelzwerg, wäre das für sie vermutlich der Weltuntergang gewesen.

    Und hätte bisher ich NUR diese Airedalin gehabt, wäre ich jetzt sicher auch felsenfest davon überzeugt, daß jeder Hund absolut soft zu erziehen ist und die meisten Leute dafür eben nur zu ungeduldig/zu blöd/sonstwie zu unfähig sind....

    Kommt doch völlig auf den Hund an, was "Härte" ist.

    Meine Airedalehündin, bei der irgendwie der Collie rausgemendelt war, klappte schon bei einem unfreundlichen Wort zusammen, und ein böser Anschnauzer wäre für sie wohl schlimmer gewesen als sogar ein harter Schlag für einen robusten Hund. Die war folglich mein bisher einziger Hund, der im ganzen Leben keinen ernsthaften Ärger bekommen hat. Es war einfach nicht nötig - sie war da wirklich ein Ausnahmetier.

    Die anderen haben schon mal die berühmte klare Ansage gebraucht, je nach Situation und Robustheit mehr oder weniger deutlich, und ja: Ich gehöre auch zu denen, die so etwas fairer finden als ewiges "Drumrumreden", bei dem der Hund möglichst noch raten muß, was hier eigentlich Sache ist.

    Hier sind zwei gleichalte Airedales mit ursprünglich ähnlichem Haar. Der linke wurde regelmäßig geschoren, der rechte getrimmt - ich denke, man sieht schon, was das auf die Dauer für einen Unterschied in Farbintensität und Fellqualität ausmacht?

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    Jein. Ein "normales" Fell kannst du durch regelmäßiges Auskämmen der Unterwolle tatsächlich "trimmen" und in Schuß halten.

    Aber Rauhhaar, also das klassische "Trimmfell" schiebt deutlich schneller und mehr Ober- und Unterfell nach, das entsprechend auch beides schneller lose, also trimmreif wird.

    Das war ja mal der praktische Sinn der ganzen Sache: Dieses Fell sollte für Arbeitshunde, etwa für Teckel oder rauhhaarige Terrier, einen besonders widerstandsfähigen Schutzanzug ergeben: kurz, drahtig hart und übereinanderliegend wie Dachziegel. Das hält dann bei der Arbeit Regen, Dornen und Erde gleichermaßen ab, und wenn der Hund naß oder dreckig wird, kriegst du ihn ganz fix wieder salonfähig. Bei meinem großen Airedale hat da ein Handtuch gereicht, und der Hund war wieder trocken und schick.

    Der Haken ist nur: diese Art von Fell muß eben regelmäßig gezupft werden, Ober- und Unterfell, weil alles so viel schneller nachschiebt und locker wird. Tust du das nicht und schneidest alles nur mit der Schermaschine gleichmäßig ab, hängt das lose alte Fell immer noch fest, und du hast bestenfalls einen Hund, der vom abgeschnittenen alten Haar graustichig und plüschig aussieht.

    Schlimmstenfalls stinkt er, weil das alte Fell ranzt (dieser Haartyp produziert oft viel Fett, ebenfalls als Wetterschutz bei der Arbeit), kratzt sich permanent, weil der lose Pelz juckt und kriegt davon Ekzeme.

    Die Iceland fand ich sehr enttäuschend: Im Winter kneifend in den Schultern, wenn ich bei Eiseskälte mal einen Icelandpullover drunterziehen wollte, und viel schlimmer noch: zu kurz und mit der fiesen Eigenschaft, ganz heftigen Regen auf die Beine abzuleiten bzw. trotz Nachimprägnierens Wasser zu ziehen. Ich trag sie jetzt nur noch als Windjacke im Sommer, Funktionsjacke war das nicht wirklich.

    Nachdem sich meine heißgeliebte, warme und trockene Noname-Wachsreitjacke nach endlosem Dienst regelrecht aufgelöst hat, hab ich mir gerade eine Barbour geleistet. Bei Dauerregen und Brombeergestrüpp war sie toll, dicker Pullover paßt bestens drunter, aber mit Futter oder im echten Extremwetter hab ich sie noch nicht ausprobiert.

    Wo bitte ist der Unterschied zum Spontankauf per Kleinanzeige oder "Verlieben" im Internet mit anschließendem Ungesehen-Import?

    Hier besteht - immerhin - sogar noch die Möglichkeit, die Hunde vorher kennenzulernen UND es wird darauf hingewiesen, daß ein Foxl kein Anfängerhund ist. Den Service hat der durchschnittliche Vermehrer-Süß-Russellwelpe leider nicht. Und das Versteigertwerden an sich dürfte den Tieren ebenso wurscht sein wie es Pferden ist - Hauptsache, sie kommen in gute Hände.

    Ich würde die Gelegenheit ja eher zum Ruhehalten-Üben ausnutzen: Gib ihm ein tolles, anstrengendes Kauspielzeug zum Abreagieren, laß ihn alternativ das Altpapier ausräumen & zerlegen oder füll ihm einen Pappkarton mit Zeitungspapier und ein paar Leckerli und kleb ihn zu - und ansonsten ist eben mal nix los.

    Genug Stimme, um dir Wohnungsannagen zu verbitten, hast du hoffentlich noch, ansonsten laß ihn bei dir auf dem Sofa liegen, halt ihm notfalls mal den Kauknochen (das fand mein letzter Welpe besonders toll) und laß ihn lernen, daß es im Hundeleben auch mal ganz ruhige Tage gibt. Am Anfang vielleicht etwas nervig, wenn der Hund Dauerbespaßung gewohnt ist, aber auf lange Sicht enorm nützlich, wenn er lernt, daß er sich ebensogut gleich entspannen kann, weil eben auch mal nichts stattfindet.

    Und natürlich: Gute Besserung!