Beiträge von terriers4me

    Ich hab mir lustigerweise in mehr als 40 Jahren Hundehaltung noch nie einen Welpen selbst ausgesucht. Es waren dreimal die Hündinnen, die im Wurf noch übrig geblieben waren, einmal ein Rüde aus einem eigenen Wurf, der sich selbst entschlossen hatte, zu bleiben und sich entsprechend an meinen Vater hängte. Die vierte Hündin hat mir eine Freundin buchstäblich vor die Tür gesetzt. Und: es wurden alles absolute Traumhunde.

    Ich würde es also, wenn ich die Rasse/die Blutlinie/die Eltern generell mag und mit dem Züchter halbwegs kann, nicht so eng sehen mit dem Aussuchen - die Bindung kommt eh später, und die klappt offenbar, wenn die Grundlage stimmt, auch ohne spontanes "Verlieben", sogar ohne Besuch vorab.

    Meine Erfahrung geht sogar eher ins Gegenteil: beim ersten Hund aus einem Mixwurf habe ich mich spontan in einen entzückenden, fröhlichen, hellen Wuschel verguckt und war sehr enttäuscht, dass die schon weg war. Bekommen habe ich die ernste Schwarze, die keiner gewollt hatte, die ich mir nie ausgesucht hätte, die mir dann aber (ich hab den Wurf täglich gesehen) sehr schnell klar machte, dass sie mich für ihren Menschen hielt.

    Sie wurde dann ein Traumhund, von dem die ganze Familie heute noch schwärmt. Die fröhliche, hübsche Schwester, die zu Nachbarn zog, erwies sich als nervös, ängstlich, ziemlich dumm und überhaupt nicht der Hund, mit dem man viel hätte anfangen können. Soviel zur Liebe auf den ersten Blick...

    Ich mag da albern sein, aber ich bin inzwischen tatsächlich so weit, bei jeder massiven Verhaltensänderung, egal, ob Hund oder Pferd, erstmal zum Tierarzt zu gehen - und immer wieder verblüfft darüber, wie oft sowas eine handfeste körperliche Ursachen hat.

    Letztes Beispiel: meine sehr temperamentvolle Terrierhündin wurde letztes Jahr, mit sieben, plötzlich auffallend ruhig. Andere sagten zwar immer noch "ist die aber temperamentvoll!", aber ich fand sie irgendwie verändert. Hab ich erst aufs Älterwerden geschoben, aber weil dann auch noch extreme Ängstlichkeit dazukam, dann doch lieber ein Blutbild machen lassen. Ergebnis: Massive klinische Schilddrüsenunterfunktion. Seit sie eingestellt ist, ist sie wieder die alte Rakete - mit inzwischen acht Jahren.

    Mein Rat wäre also wirklich: Lieber einmal mehr zum TA - das kann dem Hund und einem selbst einiges an Umwegen ersparen!

    Sie hat wahrscheinlich einfach noch schlechte Tage dazwischen - vielleicht erschreckt sie draußen irgendeine winzige Kleinigkeit, wirft sie zurück und macht sie wieder unsicher. Aber wenn sie jetzt schon so viel gelernt hat, ist das sicher nur eine Frage von Zeit und Geduld!

    Ich würde auch als erstes nochmal zum TA gehen, aber noch eine Frage am Rand: Was hat der Hund für ein Fell? Hunde mit Trimmfell, die nur gebürstet und nicht ausgezupft werden, neigen sehr dazu, fettige und ranzig stinkende Unterwolle zu entwickeln. Ich kannte einen Airedale, der nur geschoren wurde - und dieser Hund stank mit der Zeit wirklich so, dass man ihn kaum ihm Haus ertragen konnte.

    "Sie hat anfangs auch in die Wohnung gemacht von wegen "ich war schon wir müssen nicht runter" "

    Das hat sie nicht deswegen gemacht, sondern aus nackter Angst. Sieh es mal aus ihrer Hundesicht: Ein Hund, der Urin und Kot draußen absetzt, macht sich - aus seiner Sicht - angreifbar: er hinterläßt Geruchsspuren, die Fressfeinde anlocken könnten. Daher machen ängstliche/gestreßte Hunde so oft in die Wohnung: nur da fühlen sie sich sicher genug. Draußen ist ihnen einfach zu gefährlich.

    Deine Hündin hat eine ziemliche Hölle hinter sich, und offenbar traut sie ihrer neuen Umgebung draußen noch nicht genug, um sich zum Pinkeln zu entspannen. Die anderen haben schon recht: laß sie ankommen, halt den Tagesablauf so ruhig und gleichmäßig, wie es nur geht, und trödelt draußen einfach nur rum, bis sie wirklich merkt, dass ihr nun keine Gefahr mehr droht.

    Das wird nach solchen Erfahrungen sicher dauern - aber ich glaube auch, dass es sich lohnen wird. Ihr habt ja jetzt schon große Fortschritte gemacht!

    Tolles Bild, dann scheint das Springvermögen ja rassetypisch zu sein - meine Hündin fing Vögel aus der Luft. Hätte ich bei einem Hund schlicht nicht für möglich gehalten, erst recht nicht bei einem so großen.

    Ich trauere meiner Airedale-Hündin auch immer noch nach -das war einfach der netteste Bär von einem Hund, den man sich vorstellen konnte. Und dann diese dicke Nase...einfach nur unwiderstehlich!

    Blackeyed, nochmal den Rat den du ja nun schon oft bekommen hast, und der wirklich der wichtigste von allen ist: Nimm den Welpenwahnsinn mit Humor!

    Stell dir einfach mal vor, wie es später sein wird. Dann sitzt du da mit einem gelungenen erwachsenen Hund in netter Runde und erzählst, wie genau dieses Musterexemplar dich als vergleichsweise klitzekleine Handvoll regelmäßig fast zum Ausflippen gebracht hat - da muß man doch einfach grinsen!

    Humor hilft auch später ungemein, denn eines muß dir klar sein: ein Hund wird dich lebenslang gern mal überraschen/ärgern/blamieren - das nimmt sich locker einfach leichter, auch wenn die Situation an sich doof ist.

    Ich hab hier ja nun gelernt, dass man immer ein Beispiel bringen muß, also: Ich hatte damals einen fünfmonatigen Airedale, und wir waren frisch umgezogen. Ich räumte ein, hatte also wenig Zeit für den Hund und ließ ihn zum Ausgleich jeden geleerten Karton plus Einwickelpapier schreddern. Wir hatten den ganze Nachmittag einen Mordsspaß, so mit Zerren, Knurrend-Totschütteln und Zerfetzen.

    Auf einmal klingelte es, und in der Tür standen ausgerechnet die pingeligsten meiner neuen Nachbarn (die Sorte mit Schondeckchen über den Sesseln, und dann noch Zeugen Jehovas...) - so richtig formell zum Begrüßen. Ich hab die älteren Herrschaften natürlich reingebeten, und als ihnen total die Gesichtszüge entgleisten, sah ich das Wohnzimmer plötzlich mit ihren Augen: knöcheltief voll mit geschredderter, weichgekauter Pappe und vollgesabberten Papierschnipseln. Dazwischen ein selig hechelnder, über das ganze struppige Gesicht grinsender Junghund, der sich gleich noch begeistert über den Besuch hermachen wollte. Comic pur - aber irgendwie doch höllenpeinlich.

    Komischerweise wollten die Leute sich nicht setzen und nur noch weg. Das war mir in dem Moment echt unangenehm, später konnte ich dann richtig lachen. Die Nachbarn allerdings haben mich fortan für total verrückt gehalten...

    "Die TE sagte aber, sie kenne kaum andere HH. Also würde es darauf hinauslaufen..."


    Wo ist denn da jetzt das große Problem? Nur weil man die HH (noch) nicht kennt, verliert man doch nicht das Recht, einen Kontakt sofort abzubrechen, wenn's nicht paßt? Oder die Chance zu ergreifen, eine Bekanntschaft zu vertiefen, die dem Welpen guttut, vielleicht mit einer Verabredung?

    Begegnungen mit Fremdhunden stehen in einem Hundeleben eh auf dem Stundenplan, denen kann man draußen ja wohl schlecht total ausweichen - also warum sich dabei nicht nach passender Gesellschaft umsehen?

    Und, übrigens: Wenn man den Welpen nur krampfhaft abschirmt, so nach dem Motto "Meiner darf aber nur pädagogisch vorsortierte Kontakte..." lernt man gemeinerweise meist nur die ungeeignetsten Kandidaten kennen - nämlich die, deren Besitzern das Benehmen ihres Lieblings völlig am Allerwertesten vorbeigeht und die ihn auf alles zubomben lassen. Die Netten, eher Geeigneten, nehmen ja Rücksicht und halten ihren Hunde weg.

    Ich denke, auch hier geht's nicht nach Schema/Trainer/Alleswisser F, sondern danach, was man dem jeweiligen Welpen je nach Alter und Tagesform zumuten kann - und das kann letztlich nur die TS selbst entscheiden.