Beiträge von terriers4me

    Ich muß jetzt leider mal vorübergehend aufhören, hier ist ein derartiger Orkan, dass uns buchstäblich die Bäume um die Ohren fliegen. Bin sehr gespannt, was ihr nachher zu dem Thema gesagt habt. Es ist ja genau DAS Terrier-Thema: dieser ewige schmale Grat zwischen Kontrollieren und Hochputschen.

    ...und jetzt geh ich die Hühner einsammeln....

    Ich finde Felix einerseits sehr gehorsam und aufmerksam für so einen wilden Jungspund. Genau so war meine Hündin in dem Alter auch unterwegs, nur eben nicht so weit weg und ohne sich komplett zu verabschieden. Aber das Grundtemperament erkennt man wirklich wieder.

    Andererseits sehe ich da auch, dass du ihn mit der ständigen Ansprache vielleicht bißchen zu sehr an die Kante bringst - das hätte ich damals nicht riskiert. Ich war mit ihr auf den offenen Feldern, also einer vergleichbar weiten Fläche, immer sehr ruhig unterwegs, hab sie möglichst machen lassen, nur ab und an mit oder ohne Pfiff die Richtung gewechselt, damit sie aufmerksam blieb, und das Ranrasen ruhig belohnt, mit einem knappen "gut so" und einem Häppchen. Hätte ich deine Begeisterung gezeigt, wär sie gleich auf eine Mitfreu-Runde losgeschossen. Ich hab mich also sehr um Ruhe bemüht, hätte - nur zum Beispiel - den Hund nicht dauernd aus demselben Vorwärts rangerufen, was ja doch viel Hektik bringt, sondern eher mal ein Stück die Richtung gewechselt.

    Unsere Möven waren ja Krähen, und auch da habe ich nie ausdrücklich zum Jagen gepusht, sondern sie im Gegenteil erst hingesetzt, sobald sie aufmerksam wurde. Dann mußte sie einen Moment still sitzen und durfte dann auf OK losgehen. Natürlich mit Belohnung fürs Wiederkommen, so daß sie gleich einen großen Bogen wieder auf mich zu rannte.


    Was ich eigentlich meine: Ich wäre an deiner Stelle vielleicht deutlich dosierter mit der Stimme und mit Aufforderungen. Hätte ich mit meiner kleinen Rakete so viel so "anregend" gesprochen, wäre die vermutlich in eine derart hohe Erregungslage gekommen, dass ich sie irgendwann auch nicht mehr gehalten hätte. Ich hab mich immer sehr um eine Art ruhiger Konzentration als Grundstimmung bemüht - so, wie man ein sehr hochblütiges Pferd reitet.

    Aber ich hatte natürlich auch keine Familie parallel laufen, und dieser Hund hat zeitweise zwei Erwachsene gut ausgelastet....

    Ja, das ist auch mein Eindruck, obwohl sich die Rassen ja erst seit den neunziger Jahren überhaupt getrennt haben. Die Parsons sind nochmal deutlich näher am jagdlichen Ursprung, während die Kleineren doch oft eher in den Stallhunde-Typus gehen. Eher fanatische Ratten- und Mäusefänger als Großwildjäger.

    Allerdings: diesen Typ Russel finde ich oft noch "katziger", quirliger und eigenständiger, während ich die Parsons bisher als insgesamt kooperativer und gehorsamer erlebt habe.

    Pardon, das da eben sollte an Franci gehen.

    Quietschie ,das ist hier genauso - meine Hündin ist wirklich der sanfteste, gefälligste, sensibelste Will to please-Hund, den du dir vorstellen kannst, und auch im Ausreißen offenbar lange nicht so extrem wie eure. Aber sobald Beute in Sicht kommt und sie sieht sie zuerst, übernehmen die Gene...

    Na, wenn dir diese erfreulichen Aussichten keinem Mut machen, bliebe immer noch das berühmte Mantra:"Ichwollteeinenterrierichwollteeinenterrierichwollte...." usw.

    Kann man sehr schön vor sich hinmurmeln, wenn der Hund an der Leine auch nach dem fünften/zehnten/fünfzehnten Anhalten noch mit aller Kraft im Zickzack vorwärts springt...

    Quietschie, deine Hündin ist auch zwei Jahre alt, oder? Das ist wirklich der Höhepunkt des Wahnsinns: körperlich superfit, Temperament wie ein Knallfrosch Hirn dafür noch völlig ungeregelt.

    Aber es wird wirklich besser - ich habe heute verblüfft festgestellt, dass meine Hündin richtig brav an der durchhängenden Leine ging. Und das nach acht Jahren täglicher Diskussionen, in denen mich dieses ewige Über-den-Weg-Schießen bei jedem Außenreiz teilweise wirklich an den Rand gebracht hat.

    Und komisch: Jetzt, wo ich akzeptiert habe, dass ich diesen Hund als ersten in vierzig Jahren eben nicht leinenführig kriegen werde, dass der im disziplinierten Gehen einfach ebenso schlecht ist wie ich in Mathe, klappt es plötzlich deutlich besser.

    Langer Rede kurzer Sinn: Zwei Jahre ist wirklich die Zeit mit dem größten Katastrophenpotential - spätestens im Seniorenalter wird es deutlich besser.

    Ja, nach dem, was Theobroma hier erzählt, verhält der Hund sich absolut rassekonform - aber das heißt doch nicht, dass man das unbegrenzt hinnehmen muß?

    Es ist nur manchmal einfach leichter, mit so einem Hund nicht zu verkrampfen, zu verzweifeln oder hinzuschmeißen, wenn man weiß, weshalb er so tickt, wie er nun mal tickt.

    Einer der besten Terrierkenner, Brian Plummer, hat mal geschrieben, dass er niemanden kennt, dem es je gelungen ist, einen Terrier zu einem total zuverlässig arbeitenden "gundog", also einem Hund mit Retriever-Job, zu erziehen, weil die Selbständigkeit doch immer wieder durchbricht.

    Ist also nicht alles nur Erziehung bzw. Erziehungsfehler - für mich in 18 Jahren mit diesen wunderbaren Verrückten immer wieder ein Trost...

    Was Wattebäusche angeht: In einem der unzähligen alten englischen Terrierbücher, die ich verschlungen habe, um den rätselhaften Hund besser zu verstehen, wurde als stehende Redensart zitiert: "Die Rasse kann man durch Tritte nur verbessern!", und "Terrierpapst" Eddie Chapman hielt es bei Raufern mit der Jagdpeitsche und dem altbewährten: "Kill or cure!"

    Wäre jetzt zwar nicht mein Weg, aber die Verzweiflung, die einen zu derart drastischen Maßnahmen treibt, konnte ich manchmal schon verstehen, und manche Terrier brauchen es tatsächlich mal etwas deutlicher. Bei meiner jetzigen Hündin hilft eine sehr, sehr deutliche Ansprache, die auch mal einen fliegenden Gegenstand einschließt, im Ernstfall tatsächlich weiter. Sie ist nun mal eher der biedere Typ. Ihre katzenhafte Vorgängerin hätte allerhöchstens vor Schreck gepinkelt - aber dennoch genau das gemacht, was sie wollte. Ist also auch wieder vom Einzelhund abhängig.