Ja, die Situation kenne ich, allerdings als Reiter, dessen Pferd von einem jungen Schäferhund bedrängt wurde, den wir im Schritt passierten. Angefangen mit Verbellen, dann Anspringen an der Hinterhand und jiffendes Nach den Fesseln-Schnappen - also das ganze Hüte (Jagd-)ritual. Herrchen stand ein paar Schritte abseits und fand das urkomisch.
Mein Pony war ein supercooler Islandwallach, trotzdem schwitzt du in so einer Situation Blut und Wasser, weil es so unglaublich gefährlich ist. Viele Pferde haben noch die Wolfsängste ihrer Vorfahren "drin" und neigen dazu, bei Hundeattacken panisch und entsprechend kopflos wegzurasen. Ich überlasse es deiner Phantasie, was da alles passieren kann.
Mein Wallach hat die Lage dann sehr schnell gelöst, ist einfach stehengeblieben und hat ruhig und gezielt nach dem Hund geschlagen. Getroffen hat er Gottseidank nicht, weil der Hund auswich, aber der Schäfer ist auf dem Bauch zu seinem Besitzer zurückgekrochen und hat so geschrien,dass ich dachte, ihm ist Gottweißwas passiert. Dem war also absolut klar, dass das Pferd es sehr ernst gemeint hatte.
Wir haben dann noch nachgesehen, und keinem der Tiere war was passiert. Der Hundebesitzer redete von "wollte doch nur spielen", aber das hat sich definitv anders angefühlt. Wir haben die beiden dann noch öfter getroffen, und er hat den Hund immer rangerufen (das ging sehr wohl) und angeleint, sobald wir am Horizont auftauchten. Notfalls bin ich erstmal stehengeblieben, bis er ihn hatte.
Fazit aus Reitersicht: Das ist eine der gefährlichsten Situationen, die dir draußen überhaupt begegnen können, und in dem Moment hast du so dermaßen zu tun, dass du selten Zeit hast, dich auch noch um den Hund zu kümmern.
Aus Hundebesitzersicht: Ich wäre heiß froh, überhaupt noch einen Hund zu haben. Mir war damals absolut klar, dass das Pferd, wäre der Hund nicht geflohen, Ernst gemacht hätte - du mußt also jederzeit damit rechnen, statt eines panisch fliehenden Pferdes auch mal einen Kandidaten zu treffen, der das Angreifer-Problem endgültig löst.
Ich würde da mit dem Hund sehr intensiv über schlichten, altmodischen Gehorsam arbeiten: Kommen auf Ruf oder zumindest Stoppen auf Kommando so lange trainieren, bis das wirklich sitzt - und vorher Leine dran.