Beiträge von terriers4me

    Meine vorherige Russellhündin war dermaßen wasserlöslich, dass ich mir abendliche Regenspaziergänge abschminken konnte. Das war für sie der Doppelgipfel des Horrors: nochmal vom Sofa müssen und dann auch noch naß werden. Also hab ich ihr erlaubt, das letzte Mal abends auf die unbefestigte Einfahrt zu pinkeln.

    Selbst das war ihr so zuwider, dass sie auf eine kreative Lösung kam: Sie wetzte zu mir (ich mußte mit raus, sonst ging sie eh nicht), hockte sich genau vor mich kurz in Pinkelstellung hin OHNE ZU PINKELN - und raste dann blitzschnell wieder ins sichere Haus: Aufgabe erfüllt.

    So gelacht hab ich selten, und angesichts von so viel Schlauheit hab ich ihr die Abendfolter dann auch erspart, da sie mühelos bis zum nächsten Tag durchhielt. Aber von kurzhaarigen Russells kenn ich wirklich - zig solcher Geschichten: Hunde unter dem Sofa, Hunde unter der Bettdecke, sobald die nasse Gefahr droht...und oft sind das auch noch dieselben, die mit Begeisterung schwimmen. Aber Wasser von oben hat nun mal eine ganz andere Bedrohungsqualität!

    Toll, das mal bei anderen zu sehen, das ist mir nämlich auch schon aufgefallen: Große Steine scheinen automatisch ein verstecktes, aber sehr mächtiges Bergziegen-Gen im Terrier zu aktivieren.

    Wenn wir an diesem Strand sind, muß mein Hund auf JEDEN Findling, egal, wie weit, egal wie hoch. Ich hab manchmal echt Angst um die Gelenke bei dieser endlosen Kletterei und Hopserei auf Stein und Kies, aber sie ist wirklich unglaublich geschickt - und so gut wie nach so einem Spaziergang schläft sie selten.

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    ...während ich mich daran erinnere, in welchem dramatischen Ton mir eine Lüneburger Ärztin erklärt hat, ich hätte mit der regelmäßigem Lammrippchen-Fütterung meinen jungen Hund jetzt sicher in Lebensgefahr gebracht. Eigentlich wüßte doch jeder verantwortungsvolle Hundehalter, dass man NIE Knochen geben darf, das ginge immer irgendwann schief, und dann müßte es der Hund ausbaden- so wie jetzt meiner. Und so weiter...

    Der Hund hatte dann, wie sich nach umfangreicher Diagnostik rausstellte, einen Darminfekt aufgeschnappt - und mir ging es irgendwie nicht mehr besonders gut.

    Hier in der Gegend läuft es übrigens meistens so, dass die niedergelassenen TÄ nach Lüneburg überweisen, wenn mehr Diagnostik gefragt ist, z.B. bei Augengeschichten. So sind wir vor Jahren bei Dr. Zimmermann gelandet, und waren da sehr zufrieden.

    Im Dramatisieren ist diese Klinik aber auch supergut - das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen.

    Sie haben ein paar wirklich gute Ärzte da, aber auch den ausgeprägten Hang, aus jedem Fall die maximale (und sehr teure) Diagnostik rauszuholen. Da muß man manchmal echt aufpassen - und das fällt natürlich in so einer Not- und Streßsituation schwer.

    Meine Freundin hatte auf ihrem großen Hof einen HSH, einen Cao da Serra Estrela-Typ mit wohl noch etwas Mastin Espanol-Blut.

    Auf einer Hitliste der Traumhunde, die mir im Leben begegnet sind, würde der sehr weit oben stehen. Ein absolut großartiges Tier, ABER: Er war komplett abhängig von seiner Herrin, ihr Schatten, ihr Diener, ihr Assistent. Mit ihr teilte er sich sehr ernsthaft die Hofpflichten, war sie tagsüber draußen, nahm er das gesamte Reiterhof-Gewimmel freundlich-gleichgültig hin.

    Aber sobald es abends ruhig und dämmerig wurde, war er wie umgewandelt. Er konnte nicht mal allein eine Kontroll- und Pinkelrunde gehen, weil er dann wirklich jeden, der seinem Territorium zu nahe kam, Mensch oder Tier, rigoros stellte und nicht wieder gehen ließ, bevor Frauchen kam. Wirklich jeden - vom Igel bis zum Hofmitarbeiter, der noch in den Stall wollte.

    Das hat bei einem so großen Hund schon ein Gefahrenpotential, und ich mochte mir gar nicht vorstellen, was gewesen wäre, wenn so ein supersensibler und gleichzeitig so starker und territorialer Hund in den falschen Händen gelandet wäre. Und das war noch eine sehr sanfte Variante HSH, nicht vergleichbar mit den selbständigen, harten Vertretern.

    Seit ich den erlebt (und bewundert) habe, bin ich einfach zurückhaltend, was die Eignung von HSH für den Durchschnittshalter angeht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das so flächendeckend klappt wie es müßte, wenn es Wölfe wirklich nachhaltig beeindrucken soll.

    Dieses "mehr wollen als geht" ist wirklich grausig mit anzusehen - am traurigsten war das hier bei einem Rassmo, für den die Besitzer richtig Geld hingelegt hatten, so einer Kreuzung aus Mops und JRT.

    Der kleine Hund hatte die katastrophalsten körperlichen Voraussetzungen geerbt, die ein Mops nur mitgeben kann, dazu aber die Lauflust und Quirligkeit eines Terriers. Er versuchte immer wieder, mit den anderen mitzuhalten, konnte aber einfach nicht und jammerte dann buchstäblich vor Frust, während er wie ein Frosch dahockte und nach Luft schnappte.

    Das war so grauenhaft anzusehen, dass dieser Hund für mich immer ein Inbegriff von "Qualzucht" geblieben ist - der wollte wirklich unbedingt, hatte aber wegen seiner Mißbildungen einfach keine Chance.

    Manche Besitzer scheinen ihre Tiere aber wirklich so zu sehen.

    Meine erste Begegnung mit englischen Bulldoggen war vor Jahren auf dem Wochenmarkt. Am Schlachterstand gerieten die beiden Hunde bei der Aussicht auf ein Häppchen Fleisch in wirklich gruseliges Hecheln und Röcheln. Woraufhin sich mehrere Umstehende - in sehr freundlichem, anteilnehmendem Ton übrigens -bei den Besitzern erkundigten, ob diese Hunde denn genug Luft bekämen. Die Antwort: "Brauchen die gar nicht, die sind so mehr für die Couch. Zum Laufen ist das eigentlich nix."

    Da finde ich den Unterscheid zu einem Haustier-Roboter nicht mehr sooo riesig...

    Der Schäferhund meiner Nachbarn ist mit drei Jahren ziemlich schwer an CE erkrankt und sie haben sich damals nach langem Abwägen und Erkundigen gegen eine OP und für intensive Physiotherapie entschieden.
    Der Hund ist inzwischen zwölf und immer noch vergleichsweise gut auf den Beinen - das hat aber auch eine Menge Anstrengung der Besitzer erfordert. Soweit ich weiß, wird er von Frauchen immer noch regelmäßig massiert.