Das mit den Sozialkontakten unterliegt genauso der Mode wie alles andere in der Hundehaltung:
Als ich in den Siebzigern anfing, wäre niemand auf die Idee gekommen, seinen Hund für "Sozialkontakte" einfach in andere brettern zu lassen - man ging erstmal davon aus, dass fremde Hunde unverträglich sind, sicherte sie entsprechend und sprach mit dem Halter. Sprach nichts dagegen, durften sie sich beschnuppern, und oft ergaben sich Gassifreundschaften daraus - aber "Sozialkontakte" als Pflicht gab's nicht. Wenn man die gerne wollte, wurde man oft ein bißchen schräg angesehen, weil's nicht normal war. Lief für uns aber super, selbst mit Dreierrudel haben wir viele nette Hunde kennengelernt.
Zwanzig Jahre später, ziemlich genau mit dem Aufkommen der Hundeschulen, hatte sich das Blatt völlig gewendet - da ließ jeder jeden Hund in jeden rasseln, Motto "Die müssen das unter sich ausmachen, und sch*** auf die Folgen, Hunde brauchen das". Wer das nicht wollte, wurde sehr schräg angesehen, weil Vorsicht ja nicht normal war, Hunde brauchen...usw. Eine Vorgehensweise, mit der mein kerniger junger Airedale im Handumdrehen zum Mobbingopfer wurde.
Dann, mit dem Hundepädagogik-Boom, gab's Sozialkontakte nur noch pädagogisch überwacht. Sprich: dasselbe wie oben, aber noch mit fachkundigen Kontakten vom Rüpel-Frauchen garniert: "Der sozialisiert Ihren jetzt mal richtig - das brauchen Hunde!" Mittlerweile hatte ich einen kleinen Hund, hab mir für den einen großen Bodyguard ausgeliehen, als es zu schlimm wurde, und so sind wir unbeschädigt durch diese Zeit gekommen. Ich war inzwischen, nach dem Fiasko mit dem Airedale, ohnehin sehr vorsichtig mit "Hunde brauchen...." geworden.
Inzwischen scheint das Pendel ja wieder ein bißchen in Richtung "Hund muß nicht unbedingt mit jedem" zurückzuschwingen, was ich für sehr begrüßenswert halte. Praktisch macht sich das hier noch nicht bemerkbar - aber vielleicht kommt das ja noch? Und vielleicht sind wir eines Tages ja wieder beim andere Extrem?
Ich laß mich überraschen - und mach inzwischen, was ich für den jeweiligen Hund am sinnvollsten finde.