Beiträge von terriers4me

    Ich finde diesen Thread besonders interessant, weil ich hier auch gerade schwer hin- und hergerissen bin. Ich habe versucht, ausgerechnet die Freundin von Mopswünschen abzubringen, die die Ausnahme von der Regel besaß: den einzigen gesunden, fitten Mops, den ich in all den Jahren je erlebt habe. War allerdings keine deutsche Zucht, sondern kam aus den USA.

    Der Rüde ist letztes Jahr gestorben, an Altersschwäche im stolzen Alter von siebzehn (!), und sie möchte natürlich wieder so einen. Um die Probleme weiß sie nur zu gut - bei jedem Alterscheck ihres Hundes wurde immer die gesamte Praxis/Klinik zusammengerufen, um die unglaubliche Ausnahme eines gesunden, alten Mopses zu bewundern...

    Tja - und nun möchte sie natürlich wieder einen Mops. Nichts sonst. Nach all dem ,was auch sie gesehen hat, will sie keine deutsche Zucht mehr und ist sogar bereit, erneut in einen Welpen aus den USA zu investieren (ihre Familie lebt da, technisch also kein so großes Problem). Dennoch fürchte ich, dass sie kein zweites Mal so viel Glück haben wird und habe alles getan, sie von anderen Rassen zu überzeugen - aber letztlich muß ich akzeptieren, dass es allein ihre Entscheidung ist.

    Ich denke, das wirst du bei deiner Freundin auch müssen - mehr als freundlich aufklären kannst du nicht. Mit den Folgen ihrer Entscheidung muß sie leben, und leider auch ihr Hund.

    Ich habe doch gerade geschrieben ,dass ich dem Überlasten von WELPEN nicht das Wort rede - aber in dem Zitat ist von "bis zu 12 Monaten" die Rede - also von Junghunden.

    Und zwar von Junghunden eines Lauftieres, das auf noch weit größere Strecken ausgelegt ist als ein Pferd. Die knapp einjährigen Wölfe, die sich im Moment gerade Reviere suchen, laufen dabei bis zu 70 Kilometer am Tag, sicher nicht, ohne vorher mit dem Elternrudel täglich weit rumgezogen zu sein. Und einen Hund im gleichen Alter kann man nicht still genug halten? Wenn das wirklich so ist, stimmt da für mich etwas Grundlegendes nicht mehr.

    Was für mich auch ein überzeugender Grund wäre, diese Rassen zu meiden. Ein Tier, das man im allerbesten Entwicklungs- und Neugieralter dauernd drosseln muß, weil seine Genetik so beschaffen ist, dass es sonst körperliche Schäden davonträgt, schrappt für mich schon recht dicht an der Qualzucht-Grenze entlang.

    Was aber auch daran liegt, dass ich auch sehr vertraut mit der Aufzucht von Pferden bin - und für die gilt: Was in einem vergleichbaren Entwicklungsstadium an freier Bewegung versäumt wurde, ist nie mehr nachholbar. Da sind körperliche Spätfolgen vorprogrammiert.

    Und ausgerechnet beim Hund, dem Abkömmling des Lauftiers par excellence, soll es so anders sein? Ich rede hier absolut nicht dem Überlasten von Welpen das Wort, aber mit einem Hund, den man bis zu zwölf Monaten(!), also bis weit ins Jugendalter hinein "nicht zuwenig bewegen kann", stimmt meines Erachtens etwas Grundlegendes nicht.

    Ich war mit meinem letzten Welpen etwa von der neunten Woche an täglich auf einer größeren, etwa einstündigen Wald- und Feldrunde.

    Das war allerdings absolut kein strammes Gehen, sondern eher ein sehr geruhsames Trödeln, mit Schnüffelpause an jedem Grashalm und Hinsetzen am Waldrand oder auf der Wiese, während der Zwerg um mich rum im eigenen Tempo die Welt erkundete. Wir haben zwar auch mal "Komm!" geübt, als tolles Spiel zwischendurch, aber oft haben wir einfach nur lange gesessen und alles rundum beobachtet:

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    Ich hab das enorm genossen (wie oft darf man schon einem Welpen beim Weltentdecken zusehen?), und das Hundchen war in keiner Weise gestreßt oder überdreht, sondern entspannt und aufgeschlossen. Ich denke, das kann man auf dem Bild auch ganz gut erkennen. Da ist der Hund zehn Wochen alt.

    Sowas würde ich total vom Welpen und seiner Reaktion abhängig machen, nicht von irgendwelchen Regeln. Einem quicken kleinen Terrier, den man sich überdies auch gut mal unter die Jacke stecken und ein Stück tragen kann, würde ich da einfach körperlich und geistig schon mehr zumuten als einem noch sehr paddeligen Riesenbaby.

    Mir geht's da auch wie Stachelschnecke: Ich werde, wenn das Leben mir keinen Streich spielt, nie wieder über 25 Kilo Hund gehen, nachdem ich zweimal erlebt habe, wie schnell man da in Situationen kommt, die man bei einem zu schweren Tier körperlich nicht packt.

    Den vergifteten Airedale wochenlang über eine steile Treppe zu tragen, hab ich gerade noch geschafft. Aber die jähe Erblindung meiner Russellhündin ein paar Jahre später war nur zu bewältigen, weil ich den kleinen Hund am Anfang so viel tragen und beim Arbeiten fast ständig auf dem Schoß halten konnte. Wie das mit einem Riesen hätte gehen sollen, weiß ich nicht, wahrscheinlich hätte ich dne einschläfern lassen müssen. Und beides kam unerwartet - die Hunde waren erst 4 bzw 8 Jahre alt, also noch weit vor den "normalen" Altersgebrachen, die man ja auch meistern muß.

    Insofern bleib ich jetzt, obwohl ursprünglich eingeschworener Großhundefan, beim praktischen Format. Wenn ab & zu mal ich zu sehr Sehnsucht nach etwas richtig Großem, Würdigem, Majestätischen habe, leihe ich mir den Schäfer vom Nachbarn...

    Bei so speziellen Anforderungen - Verträglichkeit mit Rüde, Katze und Beutetier, Akzeptieren deiner Einschränkungen - würde ich immer einen Welpen mit einem guten Background vorziehen, der in die Situation am problemlosesten reinwächst.

    Aber brauchst du denn wirklich noch einen Hund mehr? Du klingst schon ziemlich ausgelastet, mußt jederzeit mit Einschränkungen rechnen, und bis jetzt läuft es trotzdem rund.

    Tust du euch allen da wirklich einen Gefallen, wenn du noch einen völlig ungewissen Faktor zusätzlich reinnimmst - oder ist das nicht eher ein Fall von "never change a running system"?