Beiträge von terriers4me

    Da wirft euch nix zurück. Wir haben bisher zwar immer viel Glück gehabt und die Welpen hatten das Prinzip wirklich ganz schnell kapiert und taten ihr Bestes - aber Unfälle gehören einfach dazu. Selbst wenn das kleine Hirn schon so weit ist, die sprichwörtliche Babyblase ist manchmal einfach schneller.

    Also: wisch weg, mach einfach weiter und mach dir keine unnützen Sorgen!

    Der Hund wird absolut nicht kirre, jedenfalls nicht, wenn du das gelegentlich und selbstverständlich machst. Sagt ja keiner, dass du ihm regelmäßig das Fressen wegnehmen sollst (ich muß es allerdings öfter mal, wenn ich in meiner Schusseligkeit einen Futterzusatz vergessen habe) Du sollst ihm nur das Gefühl vermitteln, dass Abgeben so normal ist wie Pfotenputzen oder Bürsten, dann nimmt er es genauso selbstverständlich. Wie Lorbas schon schreibt: bei dem meisten Hunden muß man das nicht mal üben - einfach selbstverständlich tun reicht.

    Ist ja nicht so, dass Hunde das untereinander nicht täten: der Rüde in unserem Rudel hat seinen Welpen ganz regelmäßig z.B. den Stock oder Knochen, auf dem sie kauten, mal kurz weggenommen, indem er einfach dazugetreten ist. Dann wichen die Lütten zurück, er "inspizierte" das Beutestück, ging wieder und sie machten weiter - völlig ohne Drama. So ähnlich mach ich das mit den Zwergen auch - auf die Idee, einem Hund dauernd aus Demonstrationsgründen alles wegzunehmen, würde ich auch nie kommen.

    Das Spielchen kann allerdings auch Nebenwirkungen haben: meine jetzige Hündin fand die Möglichkeit, auf diese Tour eine Belohnung abzugreifen, als Welpe und Junghund so genial, dass sie sich grundsätzlich mit allem Kaubaren auf meinen Füßen niederließ, und mir, wenn nichts passierte, des Sabbelkram öfter mal auffordernd ans Bein stieß: "Machst du da jetzt mal Leberwurst drauf?!" Nervte etwas, der Matsch auf den Socken - aber ich hatte es ihr ja irgendwie beigebracht.

    Jede Menge Pappabfall aus Haus & Küche, Kartons verschiedener Größen, Innenrollen von Küchenpapier, zusammengeknüllte alte Zeitungen - und so weiter. Alles, was gefahrlos und mit Spaß zerstörbar ist.

    Gekauftes Spielzeug hatten wir bei allen Welpen kaum, Box auch nicht, dafür aber einen uralten Teppich (auch extra für Hundezwecke aufgehoben), auf dem das Hündchen Totschüttel- und Schredder-Orgien feiern durfte, um anschließend selig einzuschlafen (und den Rest des Haushalts schön in Ruhe zu lassen).

    Und das kann man sich auch ganz allgemein verbitten, wenn die Situation gerade so ist - ich seh in solchen Vorschlägen des Hundes also überhaupt kein Problem? Er ist doch keine Maschine, die allzeit laut- und reibunglos zu funktionieren hat?

    Wer sagt denn, dass der Hund Futter bekommen hat, wenn er nur genug nervt? Es gibt immer noch das Wort "Aus!", mit dem man sich sowas verbitten kann, wenn's gerade mal nicht paßt?

    Worum es mir ging, ist die Tatsache, dass viele Hunde sehr wohl die Uhr kennen und dieses Wissen auch folgerichtig anwenden können.

    Das würde ich auf keinen Fall tun, einfach, weil das zu viel Unruhe bringt. Es hat schon seinen Grund, dass viele Tiere nach dem Fressen erstmal ruhen, und ich finde, ein Welpe sollte sein Futter in Ruhe fressen können, ohne ständig halbhungrig nach dem nächsten Brocken geiern zu müssen. Wie soll er sich da jemals entspannen?

    Natürlich kannst du einen kleineren Teil der Ration als Belohnung verfüttern, wenn der Welpe entsprechend ruhig ist. Bei meinem kleinen Raketenterrier ging das gründlich schief: die hat dabei unterwegs so sehr aufgedreht, dass sie sich irgendwann auf dem Spaziergang heftig erbrach. Da gingen wirklich nur wenige, weiche Belohnungs-Brocken mit ganz viel Ruhe - einen Teil der Mahlzeit draußen zu füttern, wäre unmöglich gewesen.

    Das ist also mal wieder, wie das meiste, eine Sache des individuellen Hundes - aber den Streß, nie in Ruhe ausgiebig fressen zu können, würde ich keinem Welpen antun. Wozu auch?

    Am ausgeprägtesten war das pünktlich-Futter-Fordern übrigens bei meiner Blinden, die den Tagesverlauf nicht am Licht erkennen konnte, sondern sich nach einer sehr präzisen inneren Uhr gerichtet haben muß.

    Nach deren knappem, forderndem "WAFF!" konntest du echt die Uhr stellen: Klock 18 Uhr saß sie vor dem Herd und wartete auf Service. Ich bin drauf eingegangen, weil ich diesen lebenden Wecker immer sehr witzig fand. Doof waren nur die Zeitumstellungen.

    "Dass ein Hund sich um Punkt 18 Uhr hinsetzt und Rabatz macht, weil das Futter noch nicht dasteht, habe ICH noch nie erlebt."

    Ich schon, und nicht nur bei einem Hund. Der Magenwecker tickt bei vielen Exemplaren schon sehr präzise - ob man darauf eingeht, ist eine andere Frage.

    Für mich ist das Hergebenkönnen von allem zu jeder Zeit eines der wichtigsten, grundlegenden Dinge, die ein Hund können muß, und entsprechend habe ich's mit allen Welpen von Anfang an trainiert - und zwar so, dass das kein Drama, sondern unaufgeregte Routine wurde. Der Hund weiß, dass Widerstand keinen Zweck hat, sich Kooperation aber lohnt: entweder gibt's den Kram aufgewertet zurück, oder eine tolle Belohnung stattdessen.

    Darum war ich dann sehr froh, als meine eine Hündin anfing, den kleinen Rest von Kausachen en bloc zu verschlingen und eine gräßliche Kolik davon bekam. Seitdem habe ich ihr immer den letzten Rest abgenommen und sie reich dafür belohnt. Das Hergeben war für sie so absolut normal, dass sie zum Glück nie auf die Idee kam, mir mit Abschlucken zuvorzukommen.