Beiträge von terriers4me

    Du hast es hier mit einem rassebedingt körperlich wie geistig superschnell reagierenden Welpen zu tun, und ich gebe dir nach einiger eigener Erfahrung Brief und Siegel darauf: Wenn du getan hättest, was dir diese "Trainerin" geraten hat, hättest du nach spätestens zwei Tagen einen Welpen gehabt, der eines wirklich gelernt hätte: deiner Hand mit Lichtgeschwindigkeit auszuweichen. Und zwar in jeder Lebenslage. Blitzschnelles Ausweichen kann für einen Russel im Fuchsbau lebensrettend sein, und entsprechend reaktiv sind diese Hunde.

    Du hast ja zum Glück gemerkt, dass das Mist ist, und ich kann mich den anderen nur anschließen: Laß dem Baby Zeit - mit acht Wochen braucht es nicht ständig gemaßregelt und gekniebelt zu werden. Entspann dich und freu dich an dem entzückenden Welpen - dass er mal Mist baut, gehört schlicht dazu.

    Die Male, die du den Zwerg mit der Hand aus einer brenzligen Situation nehmen mußt, machst du das ruhig, ohne viel Aufhebens aus deinem Griff zu machen, und vor allem ohne einen aggressiven Akt wie das Pieksen. Dabei benutzt du ein Wort für den Abbruch und lenkst die Kleine dann schnell mit etwas Erlaubtem ab. Das reicht fast immer - in dem Alter haben sie noch eine ziemlich geringe Konzentrationsspanne und sind meist gern bereit, auf ein neues Angebot einzugehen.

    Das ist auch sehr typisch, dass ein erblindender Hund anfängt zu "klammern", weil er in der Unsicherheit rundum seinen Bezugsmenschen nicht verlieren will. Dass der Monk dann gleich so panikt, ist allerdings wirklich doof.

    Bei meiner Hündin hat sich das übrigens gegeben, sobald sie mit der Umstellung klargekommen war und wieder selbständig wurde. In fremder Umgebung half es immer, sie erstmal auf den Schoß zu nehmen, bis sie sich akklimatisiert hatte. Später reichte es ihr, wenn sie sich beim Sitzen mal an meinem Bein anlehnen konnte - Hauptsache Rückendeckung.

    Dass der Zwerg auch nicht auf dem Schoß bleiben will, macht die Sache echt kompliziert - dieser Hund tut wirklich sein Bestes, um eure Kreativität zu schulen!

    Und a propos "draußen": bei uns hat sich da ein Norwegergeschirr sehr bewährt, ich weiß bloß nicht, ob es das in Minigrößen gibt? Blinde Hunde nutzen Hals und Kopf anders, auch zum Ausbalancieren, und da hätte ein Halsband nur irritiert.

    Zusätzlicher Vorteil am Norweger war, dass der breite Brustriemen dem Hund sozusagen eine sichere Anlehnung nach vorne gab, deutlich besser als bei anderen Geschirre. Man hat manchmal richtig gemerkt, wie sie sich da "gestützt" hat, wie ein Mensch an einem Stock.

    Er ist ja schon halb durch, er hat die Probleme ja nicht erst seit gestern. Und wenn ihr erst jetzt, also verhältnismäßig spät, gemerkt habt, dass er blind wird, hat er den Übergang vergleichsweise gut gemeistert. Meine Hündin, die ja innerhalb weniger Tage erblindet ist, lag danach erstmal wochenlang im Totalschock zusammengerollt im Korb.

    Insofern meine ich es absolut nicht zynisch, wenn ich sage: Dass er sich irgendwo stößt , ist eher ein gutes Zeichen - er traut sich also zu, unterwegs zu sein, und das ist schon mal ein prima Ansatz. Du kannst ihm bei der Orientierung übrigens sehr damit helfen, dass du den Untergrund in der Wohnung deutlich unterschiedlich gestaltest. Blinde Hunde orientieren sich zu einem sehr großen Teil über den Tastsinn, und wenn das Revier da deutlich strukturiert ist, hilft das sehr.

    Ein Beispiel: für meine Hündin war naturgemäß die Treppe am gefährlichsten. Also habe ich oben und unten Schmutzfangmatten hingelegt, so dass sie beim Drauflaufen erkennen konnte, wann der Gefahrenbereich anfängt. Das hat sehr gut funktioniert.

    Vinimaus kann euch sicher noch eine Menge mehr Tips geben, die ist ja gerade sehr gut im Thema, aber auf jeden Fall: So schwer es für den Hund auch ist, man kann gemeinsam gut klarkommen - und bei dem, was ihr bisher für den alten Herrn geleistet habt, werdet ihr auch das packen. Wir drücken jedenfalls weiter Daumen & Pfoten!

    Bei deinem Hund ist es sicher noch totale Unsicherheit durch die veränderten Lebensumstände, aber es gibt tatsächlich Hunde, die absolut nicht spielen. Spiel an sich ist ja zweckfrei, und dafür werden manche Hunde einfach zu erwachsen.

    Ich hatte bis jetzt zwei davon, intakte Hündinnen. Die erste kannte ich, seit sie sechs Wochen alt war, und die war schon im Rudel der Welpe, der nie kasperte. Stattdessen saß dieses winzige Ding sehr ernsthaft mit dem Vaterrüden Wache.

    Ich hab es nie geschafft, sie zu irgendwelchen "zwecklosen" Spielchen zu kriegen - was sie dafür aber sehr liebte, war Arbeiten. Sie hat z.B. nie mit einem Ball spielen wollen, ihn aber liebend gern auf Kommando gezielt und sehr "ernsthaft" in die Hand apportiert. Das sah sie irgendwie ein - einfach nur Werfen und Hinterherrennen war ihr offenbar schlicht zu blöd.

    Das war einfach ein sehr ernster, wenn auch enorm kooperativer Hund. Die zweite Spielverweigerin war dagegen fröhlich und quirlig, aber eher Katze als Hund. Auf einen Hof in einer Familie von Profi-Nagerjägern großgeworden, mochte sie generell weder Spielen noch "zweckloses" Arbeiten. Ihrer Meinung nach war ein Hund zum Mäuse- und Rattenjagen auf der Welt, und das tat sie denn auch mit Hingabe. Alles andere als "the real thing" interessierte sie schlicht nicht.

    Sei einfach nicht zu enttäuscht, falls deine Hündin auch später irgendwelchen Spielereien nicht allzuviel abgewinnen kann - das heißt noch lange nicht, dass sie keine Lebensfreude hat. Sie hat nur einfach andere Prioritäten, und wenn du die erstmal kennst, findest du immer irgendwas, was gemeinsam Spaß macht.