Beiträge von terriers4me

    Meine LZ-Airedalehündin war ein Traum an Führigkeit und Kooperationsbereitschaft, und damit waren Temperament und Jagdtrieb, die sie auch reichlich mitbrachte, wunderbar handhabbar. Die war eher ein Gebrauchshund als ein typischer Terrier, aber da ihr Wurfbruder ein sehr erfolgreicher LZ-Vererber wurde, muß sie durchaus rassetypisch gewesen sein.

    Meine Russells waren/sind beide sehr weich, freundlich und leicht zu handhaben, was bei denen aber nicht mit "gehorsam" zu verwechseln ist. Kein Vergleich mit dem Airedale - da kommen die Solitärjäger-Gene gerne wieder durch, und die Mischung aus eigensinnig und weich macht sie manchmal ein bißchen schwierig. Diese Hunde kannst du schnell einschüchtern bis ins totale Meideverhalten - gehorchen tun sie deshalb aber trotzdem kein Stück besser. Da ist so ein geradliniger Haudegen manchmal einfacher zu führen.

    Oder sagen wir mal: Schoßhunde sind sie nur, wenn es gerade paßt. Ansonsten haben sie alle das Hinlangen tief in den Genen .

    Mit der einen Ausnahme des Russells, der im Originaltyp gerade nicht töten soll und deshalb weicher ist, waren das nun mal Fuchsjäger, die notfalls sehr entschlossen zupacken und töten sollten. Bei einem gefährlichen Gegner in etwa der gleichen Größe erforderte das schon enormen Mut, den Willen, nicht zurückzuweichen und vor allem einen ziemlichen Schuß Aggressivität.

    Wohlgemerkt Aggressivität, nicht nur reinen Jagdtrieb - ein Fuchs ist ja keine eigentliche Beute, sondern eher ein Artgenosse. Das Arbeitshunde-Erbe steckt einigen Terriertypen noch tief in den Genen, und wenn es beim Züchten nicht mit der ebenfalls verlangten Freundlichkeit ausbalanciert wird, kann es auch heute noch kritisch werden. Kommt dann noch ungeschicktes Handling dazu, ist die Katastrophe schnell perfekt.

    Den ziemlich harten Russell meiner Freundin machte die Kastration nicht milder. Der einzige Unterschied: Er biß sich danach auch mit Hündinnen, und zwar genauso heftig wie mit Rüden.

    Für mich waren die Jagdterrier-Freundschaft (das war immer noch einer der tollsten Hunde, die ich je kennenlernen durfte) und die Bekanntschaft mit diesem Welsh letztendlich der Grund, mir selbst nur die "softeren" Terrier anzuschaffen, und da auch nur Hündinnen. Erst den Airedale, der schlicht ein Engel von einem Hund war, und dann die Russells, über die die Jäger hier immer ein bißchen als "weiche Engländer" lästern.

    Ich bin da wirklich froh drum, stoße ich doch selbst bei meinem entzückenden, freundlichen und eigentlich rundum gefälligen Exemplar immer noch täglich an meine Grenzen, Stichwort: Leinenführigkeit.

    Ein Hund mit so vielen kreativen Ideen plus der Knallhärte, die auch aggressiv durchzusetzen, wär mir im Alltag einfach zuviel. Dafür bin ich zu bequem geworden - wenn ich auch zugeben muß, dass ich die kleinen Wahnsinnigen immer noch irgendwie sehr mag. Aber 24/7 mit so einem leben müßte ich nicht mehr - wer das schafft, hat wirklich meinen höchsten Respekt.

    Ja, genau das war auch meine erste, instinktive Reaktion: spring auf und pfeffer den Hund im hohen Bogen runter. Aber, wie gesagt: Frauchen drehte vor Angst fast durch und gebot allen strengstes Stillschweigen, um ihn bloß nicht zu provozieren...

    Warum der Knabe nicht 24/7 einen Maulkorb getragen hat, war mir auch ein ewiges Rätsel - aber das mochten sie ihm nicht antun. Er war doch "eigentlich ganz lieb".

    Therapeuten & Co gab's damals noch nicht, Tierärzte (und nicht zuletzt der die Menschen behandelnde Arzt) rieten regelmäßig zum Einschläfern. Der Züchter bezeichnete ihn als "Ausreißer" und riet dasselbe. Aber sie hingen halt an dem Hund und haben sich beißen lassen und seine Rechnungen bezahlt - er erwischte ja nicht nur sie, sondern generell jeden, der ihn störte. Mensch oder Hund.

    Heute wäre so ein Hund sicher lägst mit Wesenstest, Auflagen & Co dran - damals biß er halt um sich, bis er an Altersschwäche starb.

    Er konnte übrigens auch anders: Meine Terriermixhündin hat ihn gnadenlos verprügelt, als er sich an ihren Welpen vergreifen wollte - zu der war er dann für den Rest des Zusammenlebens ausgesprochen höflich und unterwürfig...

    Nein, und ich hoffe mal, das war die berühmte Ausnahme von der Regel. Die Leute hatten vorher auch einen Welsh gehabt, mit dem sie absolut glücklich gewesen waren - und der gleichrassige Nachfolger wurde dann so ein Alptraum. Stammte übrigens von einem sehr angesehenen VDH-Züchter.

    Ich bin ja in meiner wilden Hunde-Jugend lange mit einem Jagdterrier befreundet gewesen, der - milde gesagt - auch nicht ganz ohne war, aber der war berechenbar und nicht mal annähernd so aggressiv.

    In der Tat. Der Welsh-betroffene Nachbar hat sich dann irgendwann auch mal zur Dominanz aufgerafft und ist den Hund hart angegangen, weil er sich nach dem Spazierengehen nicht wieder anleinen ließ. Resultat war ein tiefer, lange behandlungsbedürftiger Biß in den Oberschenkel.

    So ziemlich der bissigste Hund, den ich je erlebt habe, war ein Welsh-Rüde aus der Nachbarschaft. Es war kaum zu glauben, wie dieser vergleichsweise kleine Hund seine Familie im Griff hatte. Der biß ohne Vorverhandlungen hart zu und setzte auch kräftig nach, sobald ihm irgendwas nicht in den Kram paßte. Ich weiß nicht, wie oft die Leute seinetwegen beim Arzt waren, auf jeden Fall reichlich.

    Ich habe selbst mal miterlebt, wie wir alle in der Küche waren, und die Nachbarin knetete Frikadellenteig. Der Terrier kam rein und sprang sofort mit einem Satz auf die Arbeitsplatte. Frauchen sprang genauso schnell weg, und zwar mit einem "Pssst! Rührt euch nicht, sonst beißt er!" Wir standen dann alle stumm an die Wand gedrückt, wie die gestellten Schurken im Western, und sahen mit angehaltenem Atem zu, wie der Hund die Schüssel leerfraß. Ich hab wirklich meinen Augen nicht getraut.

    Sobald alles nach seinem Kopf lief, war das übrigens ein reizender, fröhlicher Kobold - aber wie die Leute sowas dreizehn Jahre ausgehalten haben, ist mir echt ein Rätsel.