Ich frage mich auch oft, wie das wohl gelaufen wäre, wenn von Anfang an Ehrlichkeit geherrscht hatte, etwa darüber...
-dass der Wolf kein scheues Ganz-weit-weg-im Wald-Tier ist, sondern ein jede Chance nutzender Kulturfolger, und dass sich diese Tendenz noch massiv verstärken wird, weil jede Generation mehr lernt, dass sie von Menschen nichts zu fürchten hat.
-dass infolgedessen entspannte Waldspaziergänge mit Hund in vielen Gegenden unmöglich werden und es stattdessen tatsächlich den irren Rat gibt "dann bleib doch einfach weg."
-dass kein Weidetier, egal welcher Art, welchen Alters und welcher Größe vor Wölfen sicher ist, und dass die empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen immer weiter zu einem Wettrüsten werden, das die Weidetiere, wenn es so weitergeht, nur verlieren können.
-dass uns ein Minister schon erklärt, wir müßten uns halt "ein Stück weit daran gewöhnen" dass Wölfe Schafe gleich mal in guter zweistelliger Zahl wegknallen, sobald sie drankommen, und dass die Qual der Tiere offenbar überhaupt nichts zählt.
Und so weiter. Ob die Begeisterung dann auch so hohe Wellen geschlagen hätte?
Bei mir jedenfalls nicht - ich hätte mir vor zehn, ja vor fünf Jahren einfach nicht vorstellen können, dass die Weidehaltung, die meine Isis seit gut 40 Jahren genießen dürfen, durch eine neu einwandernde Spezies komplett in Frage gestellt wird - und wir das offenbar einfach so als selbstverständlich hinnehmen sollen.
Und last not least ärgert es mich auch fürchterlich für den Wolf - noch gibt es doch Rudel genug, die völlig unauffällig sind, mit denen man also bestens zusammenleben und sich über ihre Einwanderung ungetrübt freuen könnte. Warum wird stattdessen den anderen, problematischen so lange der rote Teppich ausgerollt, bis die Stimmung irgendwann komplett kippt?