Beiträge von terriers4me

    Das ist auch eine Superidee, werd ich mir auf jeden Fall für den nächsten Welpen merken. Ich finde, dass "Komm!" und "Aus!" so ziemlich das einzige sind, was ein Welpe wirklich so schnell wie möglich lernen sollte. Alles andere hat Zeit.

    Wir haben immer sehr früh Auslassen geübt, und zwar beim Zerrspiel: Wenn der Welpe am Tau hängt, höre ich auf zu zerren, gehe mit einer senkrechten Hand vor der Schnauze aufs Tau und sage "Aus!" Oft lassen sie dann schon los, und wenn das Baby ein bißchen begriffsstutzig ist, nehme ich ihm am Anfang das Tau vorsichtig aus der Schnauze. Sehr großes Lob, dann promptes Weiterspielen - der Kleine soll ja nicht lernen ,dass der Spaß zu Ende ist, wenn du "Aus" möchtest, sondern, dass das sowas auch mal ganz normal zum Spiel gehört.

    Hier haben bisher alle Zwerge schnell gelernt, schon auszulassen ,sobald sich meine Hand der Beute nähert - auch deshalb sehr praktisch, weil sie dann gleich mitlernen, auch im Eifer des Gefechts die Haizähnchen bei sich zu behalten.

    Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass es anders ist - es gibt doch all diese schönen Stories aus Nachkriegszeiten, in denen Einbrecher mit dem Geruch einer läufigen Hündin auch die schärfsten Hofhunde ruhigstellten, wenn sie die dörfliche Speisekammern plündern wollten.

    Inwiefern sollten HSH da anders, nämlich gar nicht, auf eine läufige Wölfin reagieren? Sind doch auch bloß Hunde, und irgendwie müssen die Hunde-Gene ja mal in die Wolfspopulation gekommen sein. Dass auch freie Wölfinnen einem Haushund prinzipiell nicht abgeneigt sind, wissen wir spätestens seit der Geschichte mit den Labbi-Hybriden in Thüringen.

    Spannend fände ich die Frage ja andersrum: Was macht der Wolfsrüde, wenn die Schutzhündin hochläufig ist - fraternisieren, fressen oder eins nach dem anderen?

    Ich kann auch nur bestätigen ,dass Wildschweine uns draußen im Wald und Feld immer in Ruhe gelassen haben, obwohl wir sie (mit dann angeleintem Hund)oft sehr dicht passiert haben. Man riecht dann ja diesen Maggi-Geruch, wenn man Sauen in unmittelbarer Nähe hat. Wildtiere sind meiner Hundespaziergeh- und Reiterfahrung nach generell einfach nicht auf Konflikt aus. Man ignoriert einander gegenseitig, und fertig.

    Dass das bei einem Wolf zum ersten Mal anders sein könnte, falls er Hunde per se als Rivalen im Revier, also als nicht passierberechtigt, ansieht, finde ich recht beängstigend. Das hat schon eine deutlich andere Qualität als die Begegnung mit allem anderen, vom Fuchs bis zur Sau. Bisher verlasse ich mich da auch noch auf die Wildtier-Scheu, die vor mir als Mensch zurückschreckt, und habe wirklich Sorge vor dem Moment, wenn die verloren geht.

    Mein Terrier, heiße Kandidatin fürs "Deutschland sucht den Superjäger"-Finale, hat dreijährig gelernt, friedlich mit freilaufenden Hühnern zu leben. In den sechs Jahren seitdem hat es auf keiner Seite auch nur einen Kratzer gegeben, ABER nur, weil ich den Daumen rigoros draufhabe. Immer, in jeder Lebenslage. Ich will Frieden, ich setz ihn durch, und Feierabend.

    Sowas geht nur völlig ohne Illusionen von "Kuscheln" oder ähnliche Vermenschlichungen. Damit wirst du bös auf die Nase fallen. Du verlangst da von einem Jäger, verlockende Beute in Ruhe zu lassen, weil du als Weisungsbefugte das willst. Es ist deine Verantwortung, und du mußt sie durchsetzen. Von den Tieren kannst du da keine Einsicht erwarten, nur Gehorsam vom Hund. Und wenn du den nicht hast, ist das Karnickel verloren.

    Das heißt, das du jetzt zunächst mal jede - jede! - jagdliche Annäherung unterbinden mußt, bis der Hund das Grundprinzip kapiert hat. Das kann dauern, und vielleicht klappt es nie. Also kein Fixieren, kein Stalken, kein Starren. Nie ein unbeaufsichtiger Moment. Und vor allem kein Hinhalten der Beute und Vollabern des Hundes unter dem Motto: "Guck mal, wie süüüß - dein neuer Freund, den mußt du doch lieb haben!" Das sieht der Hund nämlich nur als Auftakt zu einer netten Gemeinschaftsjagd, wie du ja gerade beobachtest. Wenn er schon fixiert, zittert und sich anspannt, sich also sprungbereit macht, hast du es schon viel zu weit kommen lassen.

    Gutgehen kann - kann! - das nur, wenn du ein ganz klares Tabu auf das Kaninchen setzt und das durchziehst, solange beide Tiere leben. Aber selbst das das ist keine Garantie. Kaninchen sind für einen Jagdhund (und du hast einen)schon eine recht hohe Hausnummer, sozusagen Versuchung pur. An deiner Stelle würde ich mich von meinen menschlichen Harmonievorstellungen trennen, dem armen Hoppler schleunigst einen Gefährten besorgen, beide Tiere räumlich vom Hund trennen und dabei bleiben. Schont alle Beteiligten ungemein.

    Ich hab mich schon gewundert, dass die Bedlingtons noch keine Renaissance erlebt haben, immerhin sind sie doch was ganz Ausgefallenes, handlich Großes in Modefarbe - die Frisur könnte man ja jederzeit ändern.

    Ich dachte da immer, die Krankheitsprobleme haben der Rasse doch allzusehr zugesetzt, aber wenn das im Griff ist, steht einer neuen Karriere ja eigentlich nichts im Wege. Bloß bitte nicht zum Modehund!

    Winnie, kann das sein, dass du Horst Sterns "Bemerkungen über Hunde" meinst?

    Da bezeichnet er den Bedlington als "Hochleistungswolf im eleganten Schafspelz. Seine Ahnen betriebén das brutale Geschäft aller Terrier: dem Fuchs, Dachs oder Otter in den Bau zu folgen...Englische Bergleute hielten den Bedlington-Terrier, hetzten ihn auf Ratten oder ließen ihn gegen seinesgleichen rennen...Heute ist dieser Hund...gerade eben noch Hund genug, um zur Hundesteuer veranlagt zu werden, im übrigen aber ein Luxusgeschöpf mit extravagantem Gesicht, einer Art von intelligentem Schafskopf über einer graublauen, wie getönt aussehenden Lockenpracht, die einen Hundefriseur gut vor Not bewahrt, zumal Bedlington Terrier fast immer paarweise oder gar im Trio auftreten.
    Dann sollte sich aber niemand, der ein Hund ist, vom niedlichen Aussehen dieser Gesellen täuschen lassen; es öffnet sich von der Nase bis zu den Hängeohren ein Wolfsgebiß, das greulich zupacken kann."

    Ein Terrierbuch aus derselben Zeit bescheinigt ihnen "wenn gefordert, erstaunlich viel Mut und Schärfe".

    Ich hab sie, tatsächlich meist im Plural auftretend, nur als sehr elegante und irgendwie distanzierte, sehr coole Stadthunde in Erinnerung, auftretend ein bißchen wie lockige Rennpferdchen. Freilaufend draußen hab ich nie einen getroffen.