Beiträge von terriers4me

    Was das Gefahrenpotential angeht: In dem verlinkten Zeitungsartikel räumt die Halterin doch ganz klar ein, dass ihr Mix schon mal einen anderen Hund gebissen und sogar schon Maulkorb- und Leinenzwang hatte.

    Und das, lange bevor er ausgewachsen war - ein Tutnix war das also keinesfalls.

    Die älteste Sheltiehündin hier im Revier hat schon recht rabiat zugepackt und das auch durchaus provoziert: Stöckchen aufgehoben, hin zum unbedarften Jungterrier, und sobald der Interesse zeigte, Stöckchen fallen lassen und mit so einem giftigen "Angriffsgekläff" Terrier oder anderen interessierten Artgenossen geschnappt. Das waren echte Machtdemonstrationen.

    Die Klopperei danach war allerdings immer kurz, sie wich sehr schnell zurück, sobald sie Kontra bekam - richtig ernste Kämpfe waren dann zum Glück doch nicht ihre Sache.

    Das war übrigens das Foto, mit dem ich den Welpen angeboten bekam - und das natürlich alle "jetzt noch keinen neuen Hund"-Pläne über den Haufen schmiß.

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    Es gibt wohl einfach Dinge, die sollen sein - auch ohne Hunderte von Kilometern einfacher Fahrt.

    Bei uns war das eher einfach: Ich habe mich an eine Züchterin gewandt, aus deren Kennel und Linien ich schon mehrere Hunde gesehen hatte, und jeder einzelne war entzückend.

    Eine Mail, dann ein längeres Telefonat, und ich hab mich (es war September) auf die Interessentenliste für einen Frühjahrswurf setzen lassen. Meine einzige Bedingung: Es muß eine Hündin sein.

    Kurz darauf klingelte dann das Telefon, und die Züchterin bot mir eine sieben Wochen alte Hündin an. Deren Vorbestellerin, eine andere Züchterin, hatte sich gegen sie entschieden, weil ihr ein Schneidezahn fehlte.

    Das Bewerbungsfoto war hinreißend, und ich habe sofort zugesagt und angezahlt. Besuche vorher gab es überhaupt nicht, weil bei uns im Revier eine sehr heftige Zwingerhusten-Epidemie grassierte und ich da nichts einschleppen wollte.

    So war der kleine Hund eine Woche später beim Abholen ein "Blind Date" - aber sicher das geglückteste meines Lebens. Ich hätte mit dem Welpen/Hund nicht glücklicher werden können.

    Ich denke, wenn man ungefähr weiß, in welche Richtung man mit dem Welpen möchte und wer diesen Hundetyp züchtet, braucht man nicht vorher so einen Riesen-Aufriß zu veranstalten - da ist die Chance groß, dass es auf alle Fälle klappt.

    Das entspricht auch meiner Erfahrung: Sepp, so hieß dieser Rüde, umschlich uns ständig mit mißtrauischen Blicken, um zu kontrollieren, ob wir Gören in seinem Revier auch nichts anstellten, was ihm nicht paßte. Falls doch, versuchte er sofort, uns zurechtzuweisen, siehe oben: mit den Zähnen. Heutige Mütter würde sowas vermutlich zur nackten Hysterie treiben, damals sah man das eher gelassen: Er kniff ja nur.

    Er hatte dabei echt Ausdauer und ging ewig nicht aus unserer Nähe - vielleicht ist das ja mit "anhänglich" gemeint....?

    Die Familie meiner Schulfreundin hatte einen Pinscherrüden, oder vielmehr: Er hatte die Familie, denn er war der Herr im Haus. Leiden mochte er da nur den Vater, alle anderen wurden widerwillig toleriert, weil ihm nun mal nichts anderes übrigblieb. Wär's nach ihm gegangen, hätten die alle gerne ausziehen können.

    Besuch oder generell Fremde mochte er erst recht nicht, da mußte man wirklich ewig aufpassen, ihn nicht unversehens an der Wade zu haben. Von diesem Hund hab ich gelernt warum Pinscher vom englischen "to pinch", kneifen, kommt - das tat er wirklich mit Vorliebe.

    Störte ihn irgendwas, verlieh er seinem Mißfallen generell mit den Zähnen deutlicheren Ausdruck, und leider störte ihn ziemlich viel. Es war ein ernster, eher nervöser und übellauniger Hund, und das mit dem "selbständig" stimmte absolut. Außer Herrchen vor der Familie zu bewachen hatte er nämlich noch ein Hobby: lange Solospaziergänge, vorzugsweise zu läufigen Hündinnen. Von selbst zurück kam er dann eher selten. Spaziergänge mit Menschen fand er dafür ausgesprochen doof.

    War schon irgendwie ein Charakter - aber etwas weniger als Therapiehund Geeignetes könnte ich mir kaum vorstellen.

    Meiner (begrenzten) Erfahrung nach sprechen die ganz verschiedenen Sprachen. Hier gibt es sehr viele Shelties im Hundewald, und mein Terrier kann mit keinem was anfangen. Man ist durchaus höflich miteinander, grüßt sich und absolviert das Zeremoniell, aber es harmoniert irgendwie nicht.

    Als der Terrier noch jung war, sind die Shelties (wie alle Hütehunde) bei dem wilden Gerenne der kleinen weißen Rakete mit anderen Hunden regelrecht ausgeflippt und haben sich schnappend und "hütend" dazwischengeschmissen, um nur irgendwie wieder Ordnung in die Gruppe zu kriegen.

    Rannten nur Sheltie und Terrier, fing irgendwann entweder der Sheltie an, sehr giftig zu hüten oder der Terrier, sehr rüpelig zu jagen - und es endete vor lauter Streß gern in einer kleinen Klopperei.

    Zusätzlich mögen die etwas kultivierteren, sensiblen Shelties das körperbetonte Gerüpel des Terriers und dessen doch sehr deutliche Ansagen nicht leiden und schnappen dann schnell. Während dem Terrier wiederum das leicht auszulösende Sheltie-Gekläff enorm und sichtbar auf die Nerven geht - davor flüchtet meine Hündin regelrecht.

    Ich hab wirklich immer das Gefühl, da treffen sich zwei grundverschiedene Hundetypen.

    Russells sind schlicht und ergreifend für eine ganz und gar andere Jagdweise gezüchtet als Jagdterrier. Der DJT soll auf seine Beute gehen, sich festbeißen und mit Tunnelblick nicht wieder loslassen, und wenn's das eigene Leben kostet. Also ein Zulangen ohne Rücksicht auf Verluste.

    Russells dagegen sind dafür da, auf der Jagd ihren Verstand und ihre Stimme zu nutzen, nicht allein ihre Zähne. Es sind die einzigen Terrier, die nicht töten sollen, weil es den britischen Fuchsjägern wichtig war, dass ihre Beute heil und lebend aus dem Bau kam und der Jagdspaß weiterging. Ein vom Terrier zerfledderter Fuchs galt als unsportlich, ein Terrier, der zu sehr zulangte, als untauglich.

    Daher sind Russells auch am Wildschwein eher vorsichtig und clever, mit Stellen, Verbellen und Scheinattacken. Was der Sau Schmerzen und dem Hundeführer Tierarztkosten spart.

    Das hat also nichts mit "tauglich" oder "untauglich" zu tun - es sind einfach zwei grundverschiedene Herangehensweisen zweier verschiedener Hundetypen, und es hängt eher von der Mentalität des Jägers ab, wen er da bevorzugt.