Beiträge von terriers4me

    Was man im Zusammenlaben mit diesen Kerlchen wirklich aller-allermeisten braucht, ist Humor.

    Die neigen nun mal dazu, mit ihrer Cleverness und Reaktionsgeschwindigkeit auch die sauberste Schwarz-Weiß-Erziehung und überhaupt alle eigentlich bewährte Pädagogik ziemlich blöd aussehen zu lassen. Und zwar regelmäßig.

    Wer das nicht aushalten und darüber (also meist über sich selbst) lachen kann, hat den falschen Hund.

    Ja, irgendwas, um ihre Kraft wirklich mal rauszulassen, braucht sie schon, das gehört auch unbedingt in den Mix zum Ruhigkriegen.

    Nicht im Sinne von strammer "Auslastung" und "Fordern" - einfach mal Terrier sein, fetzen, schnüffeln, buddeln, erkunden, sozusagen die Pfoten flitzen und die Seele baumeln lassen. Gibt es nicht bei euch in der Nähe sichere, vielleicht sogar eingezäunte Plätze, wo du ihr das ermöglichen kannst? Oder ein paar nette Spielchen mit einem souveränen, älteren, größeren Hund (kleine sehen sie leider gern als Jagdbeute ,da muß man echt aufpassen)?

    Nur mit Ruhe und Leine wirst du diesem Hundetyp tatsächlich auf die Dauer nicht gerecht. Das Temperament muß schon irgendwo mal raus, das läßt sich ja nicht wegerziehen.

    Dass sie noch generell sehr zapplig und schnell aufgeregt ist, ist in dem Alter eigentlich normal - der richtige Erwachsenenverstand kommt da eh erst zwischen drei und fünf Jahren. Du mußt einfach sehen, dass du viel Struktur in den Alltag bekommst, dass sie genau weiß, wann sie was von dir zu erwarten hat, und wann eben sicher nicht. Dann wird sie mit der Zeit auch kapieren, dass sich Hibbeln nicht lohnt, wenn eh nichts kommt, und sie in der Zeit auch gleich pennen kann. Wenn sie gar nicht runterkommt, versuch es mal mit was Hartem zum Kauen - meine erste PR-Hündin hat sich als Jugendliche gern mit dem Kaminholz beschäftigt, sobald sie überdreht war, und kam dabei runter, meine jetzige schlief als Baby gern inmitten zerlegter Kartons und zerkauter Zeitungen ein. Schöner wohnen muß dann eben mal zurückstehen.

    Runterkommen kann aber dauern, wenn der Hund schon sehr drüber ist. Generell muß alle Ruhe von dir kommen, und das ist wirklich nicht einfach bei einem Hund, der so sensibel ist, dass er einen sozusagen spiegelt. Ist aber eine gute Übung, um selber weniger zappelig zu werden.

    Dass LZ-Parsons generell nicht alltagstauglich sein können, ist ein absolutes Gerücht, und sie brauchen nicht mal Jagen zum Glück. Eine Aufgabe ja, unbedingt, aber die kann auch was anderes sein. Foxterrier sind, wie gesagt, immer zweigleisig gefahren, als Jagd- und Sofahunde gleichzeitig, daher sind sie im Gegensatz zu einem Mali oder einem Border Collie ausgesprochene Allrounder und sehr anpassungsfähig. Natürlich bleibt Jagen das Größte, Tollste, Wunderbarste, aber sie werden nicht verrückt, nur weil sie das nicht kriegen.

    Du hast da nur das ganz dicke Pech, an einen "Züchter" gekommen zu sein, der sowohl zur Jagd als auch zu seine Hunden eine, höflich gesagt, sehr merkwürdige Einstellung hat. Ich hab tatsächlich in mehr als zwanzig Jahren mit dieser Rasse niemanden erlebt, der seine Hunde zum "Verheizen" und auf diese Tour züchtet.

    Das ist wirklich weder typisch noch seriös, und da kann es leider gut sein, dass er beim Vermehren überhaupt nicht auf Ausgeglichenheit, also echte Arbeitstauglichkeit der Hunde geachtet hat, sondern immer nur die nervösesten Hinkel gepaart, Hauptsache, sie waren so richtig "scharf". Das ist natürlich nicht der Sinn von LZ, sondern erzeugt Hunde mit einem sehr dünnen Nervenkostüm, und da könntest du es wirklich schwer haben.

    Ich hatte es leicht. Ich wohne so, dass ich, obwohl Stadtmitte, gut mit dem Hund rauskann, und meine LZ-Welpen (das ist jetzt mein zweiter LZ-Russell) brachten prima Anlagen mit, auf denen ich nur noch aufbauen mußte.

    Du bist wirklich mit der Kombination aus einem Hund mit nicht so tollen Anlagen und der Großstadt extrem benachteiligt: Der nervöse Hund und die vielen Reize schaukeln sich hoch, hoch und nochmal hoch. Dann wirst du immer frustiger, und das kommt auch noch dazu, um einen so sensiblen Hund nervös zu machen. ein Teufelskreis.

    Ich würde versuchen ,den damit zu durchbrechen, dass ich mit der Kleinen möglichst oft und regelmäßig dahin fahre, wohin sie gehört: raus. Nimm sie an eine lange Leine, damit sie nicht abhauen kann und geh mit ihr in Wald und Feld. Lass sie schnüffeln, viel schnüffeln, buddeln, und trödeln, bis ihr beide von eurem Streß runterkommt. Sozusagen die Entdeckung der Langsamkeit. Erst wird sie vor Aufregung sicher noch mehr zappeln, aber wenn du ruhig bleibst und ihr einfach gleichmäßig weiter erkundet,kommt das mit der Zeit. Und sieh dich nach einem eingezäunten Gelände oder einem ganz sicheren Ort um, wo sie zwischendurch auch mal richtig flitzen kann - nur mit Langsamkeit geht das bei so einem Hund natürlich auch nicht.

    Im Moment habt ihr euch wirklich so hochgedreht, dass der Hund gar nicht mehr runterkommen kann. Die Arme erwartet schon nichts mehr als Streß, wenn sie nur vor die Tür kommt, zappelt entsprechend und kommt von dem Adrenalin hinterher in der Wohnung nicht mehr runter. Was für dich sicher auch schrecklich ist.

    Ich würd's wirklich erstmal mit längeren, ruhigen Entspannungs-Gängen draußen versuchen, möglichst zu festen Zeiten, dass sie weiß, woran sie ist und nicht ständig auf die nächste Runde lauert.

    Meine inzwischen neunjährige Parson-Hündin kommt ebenfalls aus einer JLZ, und die habe ich unter anderem deshalb ausgesucht, weil ein guter LZ-Russell noch sehr ausbalanciert ist: draußen Rakete, drinnen trotz Hochtemperament ruhig und entspannt. Natürlich ist sie jederzeit bereit und insgesamt eine Rakete - aber das hast du mit der Wahl so eines Hundes ja gewollt.

    Was willst du auch mit einem Jagdhund, der sich permanent mit Durchdrehen verausgabt und sich, wenn's drauf ankommt, vor lauter Gehibbel nicht konzentrieren kann? Außerdem ist der Russell eine der wenigen Hochleistungsrassen ,die immer zweigleisig gefahren sind und neben dem Job absolute Haushunde waren - auch da muß man abschalten können.

    Einer der anderen Gründe, dass ich bei dieser Züchterin/Jägerin gekauft habe war übrigens, dass die Hunde aus ihren Linien bekannt dafür sind, auch mit schwerer Arbeit sehr alt zu werden - soviel zu zum "schnellen Verheizen gezüchtet".

    Dass ein typischer LZ-Russell prinzipiell von selbst nicht ruhig wird und dass sie zum Verheizen gezüchtet werden ,ist also schlichtweg Blödsinn. Da bist du leider an einen Vermehrer/Jäger allerübelster Sorte geraten. Und die bringen tatsächlich solche hyperaktiven Nervenbündel hervor, weil sie bei der Zucht nicht auf die Balance zwischen Trieb und Ruhe achten. Dass dabei hypernervöse Hunde rauskommen können, ist ein durchaus bekanntes Problem.

    Kann also gut ein ,dass du da einen Hund erwischt hast, der schon ein genetisches Grundproblem hat. Also mußt du gegensteuern, so gut du kannst. Tipps bekommst du ja schon genug. Nur noch kurz aus meiner Erfahrung: Spaziergänge würde ich länger und sehr entspannt halten, also lieber eine lange Schnüffel-Trödel und Erkundungsrunde, auf der der Hund sich auch mit Rennen oder Buddeln ausleben kann und hinterher zufrieden ist, als dreimal zwanzig Minuten. Das wäre für meinen Terrier wohl auch Gift gewesen, dreimal sozusagen Anknipsen, aber nie ausleben dürfen. Da hätte die sich irgendwann auch nicht mehr entspannt, sondern nur ständig auf die nächste Runde gelauert.

    Und: Vergiß das Einsperren. Ein Terrier ist ein sehr reaktiver, aufmerksamer und seinem Menschen und der Umwelt zugewandter Hund. Wenn er von allen Eindrücken abgeschnitten wird, wird er auf die Dauer nicht ruhig, sondern wahnsinnig. Zur Ruhe zwingen kannst du so einen nicht, du staust da einen gewaltigen Frust auf, der sich irgendwo entladen muß,

    Die Ruhe kann nur von dir kommen, aus einem geregelten Tagesablauf und geeigneter Beschäftigung für den Hund.

    Hier haben wir ein Urlaubsfoto von letzter Woche:

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    Da hatte ich einmal gelacht und gelobt - und prompt schoß meine Hündin jeden Spaziergang mehrmals von sich aus auf den "König der Welt"-Platz, um da auf die verdiente Anerkennung zu warten.

    Für mich auch ein deutlicher "will to please" - nur eben auf Terrierart. Die tun wirklich gerne alles und noch ein bißchen mehr für einen, achten aber sehr darauf, dass sie dabei nicht zu kurz kommen.

    Ich würde "will to please" eher wörtlich übersetzen, also nicht als Kadavergehorsam, sondern einfach als den Willen, ihrem Menschen zu gefallen. Das tun Terrier ja durchaus sehr gern - nur eben auf ihre ganz eigene, oft ziemlich kreative Art.

    Stur wäre für mich ein Hund der meine Wünsche schlicht, gelassen und bräsig an sich ablaufen läßt und mir auch im Wiederholungsfall höchstens einen "Spinnst du?"-Blick zuwirft. So, wie manche Molosser das wunderbar können.

    Terrier sind da als hochreaktive Hunde ganz anders, von denen kommt normalerweise eine blitzschnelle Reaktion - wenn auch nicht immer die gewünschte.

    Von meinen beiden bisherigen Russellhündinnen lebte die erste schlicht und ergreifend nur, um ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen und war dabei so unglaublich clever und charmant, dass sich, nach dem ersten Kulturschock, der will to please bald bei mir einstellte. Die konnte mich buchstäblich um die Pfote wickeln, es war aber insgesamt eher wie das Zusammenleben mit einer Katze. Sowas wie Apportieren, Sitz-Machen, Rückruf oder ähnliche menschliche Einfälle hielt sie für den schieren Schwachsinn und zeigte das auch unmißverständlich.

    Nr. 2 ist durch und durch Hund, hat mir ihr kleines Terrierherz schnell zu Füßen gelegt, liebt es, gefordert zu werden, bietet sich ständig von selbst zur Arbeit an und würde mir gern jederzeit jeden Gefallen tun - WENN nichts Wichtiges dazwischenkommt. Jagen zum Beispiel.

    In diesem Punkt waren die beiden Hündinnen absolut identisch, Jagen war die Nr 1.-Priorität, da übernahmen die Gene und alles andere war vergessen. Hochsensibel und geräuschempfindlich waren sie ebenfalls beide, von "stur" wirklich keine Spur. Beide waren, bei grundsätzlicher freundlicher Verträglichkeit mit anderen Hunden, blitzschnell bereit, richtig hinzulangen, sobald sie provoziert wurden. Und nicht zu vergessen: beide hatten diesen unwiderstehlich schrägen Humor - ich weiß wirklich nicht, wie man das anders bezeichnen soll.

    Ansonsten waren sie schon grundverschieden, obwohl sie nicht nur gleichrassig, sondern auch noch eng verwandt waren.