Beiträge von terriers4me

    Mein Freundeskreis bestand damals überwiegend aus Tiermedizinstudenten, und einer hatte als Nebenverdienst eine Vertretung für Hundefutter, und zwar für das berüchtigte Loyal (falls sich noch jemand erinnert). War für uns ganz nett, weil wir das Zeug mit Rabatt bekamen, für den Typen selber aber echt aufopferungsvoll. Die hatten nämlich die Order, falls ein Kunde die Qualität des Futters anzweifelte, eine Dose aufzumachen und dem Kunden als Qualitätsbeweis was vorzuessen.

    Dürfte heute wohl nicht mehr üblich sein, ging aber. Mein Vater hat das Zeug auch mal, nachdem ich's in ein Glas umgefüllt hatte, für eine aparte Wurst gehalten und aufs Brot gestrichen .Ohne böse Folgen.

    Ach ja, die Läufigkeit - das hab ich irgendwie schon verdrängt. Da hatten wir nie weniger als ein halbes Dutzend Bewerber für unsere Hündin vor der Tür sitzen, obwohl wir nicht etwa ländlich, sondern in einer Kleinstadt wohnten. Ein ganz hartnäckiger Typ übernachtete auch tagelang unter unserem Fenster und gab nächtliche Heulkonzerte. Den Besitzern war das wurscht, weil "Teddy kommt aus dem Tierheim, den kann man nicht mehr erziehen."

    Spazierengehen war da manchmal eine echte Herausforderung, zumal die Hündin absolut nicht auf meiner Seite stand.

    Was ich noch sehr genau im Gedächtnis habe, ist die Schadenfreude, die die ganze heimische Hundeszene schob, als ein sehr arroganter Schäferhundebesitzer seinen total aus der Spur laufenden Hasso ins Hundeinternat Antonienwald schickte. Damals was völlig Neues, Hundeschulen gab es ja noch nicht, und Herrchen erzählte ohnehin überall, dass er keine Lust hatte, mit einem Hund zu arbeiten, der müßte auch so "spuren".

    Hasso wurde dann also zu einem Preis erzogen, für den man vermutlich den menschlichen Sprößling hätte nach Eton schicken können, kam wieder und funktionierte - natürlich! - bei seinen Menschen kein bißchen besser als vorher. Dafür hatte er noch die Gewohnheit angenommen, Herrschen notfalls recht rigoros zurechtzuweisen.

    Oh diese wunderbare Schadenfreude - uns hatte der Typ nämlich mehrmals angeraunzt, wir sollten und bloß mit unsern "Bastarden" aus dem Revier verziehen. Die ließen wir dann zu dritt frei und musterhaft im Fuß vorbeigehen, während der gute Hasso an der Leine tobte. Da wird man als Teenie gleich ein paar Zentimeter größer...

    Früher (ich rede von den Siebzigerjahren) wurde massiv gepredigt, dass gerade NICHT alles in den Hund wandern darf, sondern ausschließlich Hundefutter. War gegen das, was ich zu der Zeit auf Dörfern als Hundefutter gesehen habe, sicher ein Fortschritt - aber uns hat es leider lange davon abgehalten, überhaupt mal was für die Hunde zu kochen/frisch zu füttern.

    Wir wollten ja nur das Beste für sie, und als meine Hündin auffallend früh alterte, bekam ich beim TA nicht etwa den Rat, mal was anderes zu füttern als überwiegend Getreideflocken, sondern Aufbautabletten.

    Ja, da muß ich unbedingt zustimmen. Das Fertigfutter war damals (ich rede von anno domini 1974, als der erste Hund einzog) unter aller Sau. So sehr, dass Royal Canin schon als Offenbarung galt, als es in den Achtzigern aufkam.

    Mir tut es heute noch bitter leid, dass mein ersten Hund praktisch vegan (sprich: von Latzflocken/Loyaldosen)leben mußte - aber das war genau das, was Tierärzt damals unisono empfahlen.

    Sorry, aber Runterdrücken und Schnauzengriff waren auch vor 40 Jahren ebensowenig normal wie die Prügelstrafe. Nun mag mein Freundeskreis aus da etwas informierteren Leute bestanden haben, aber ich hab auch damals schon niemanden näher kennengelernt, der seinen Hund so erzog. Das waren immer die, die man nicht abkonnte, z.B. der nächste Schäferhundeverein.

    Bei den Familienhunden in meinem Bekanntenkreis hab ich sowas nie erlebt. Eher ein sehr großes Maß an Laisser-faire, viel größer als in heutigen Hundeschulzeiten, so dass ich mein Taschengeld wunderbar damit aufstocken konnte, den Hunden anderer Leute ein paar Basics beizubringen.

    Das aber auch auf einem fundamentalen Irrtum beruht: Es geht davon aus, dass der JR zu den Begleithunden gehört und dass der Jagdtrieb eine Terriers einfach "verschwindet", wenn er nicht ständig züchterisch gefördert wird. Das ist natürlich schierer Blödsinn, aber ich kann mir auch nicht vorstellen ,dass der Mops ohne Einkreuzen überleben kann, und einer mit massivem Jagdtrieb ist letztlich sicher besser dran als einer, der keine Luft kriegt.

    Was ich nicht verstehe ist, weshalb man für solche systematischen, ernstgemeinten Versuche nicht zu einem Begleithund einen Begleithund gewählt hat, zum Beispiel einen Pudel? Wenn man in Generationen denkt, ist lockiges Fell sicher leichter wieder wegzuzüchten als der so fest verankerte Terrier-Jagdtrieb, und ein wesentlich geringeres "Manko" im Handling, wenn man einen Hund in Mopsrichtung sucht. Aber ok, da wären natürlich die ersten Generationen nicht zum Mopspreis absetzbar, weil die Optik nicht stimmt, also lieber charakterlich unpassend, aber optisch unauffällig?