Beiträge von terriers4me

    Klar, wer reichlich Fleischabfälle hatte, konnte sich als einer der wenigen Normalos einen doggenartigen Hund halten. Das kenn ich noch aus meiner Kindheit, da hatte nur der Schlachter einen Bernhardiner. Das waren aber oft auch etwas gemixte Molosser, kräftigere Typen, die auch ziehen und anpacken konnte. Sieht man manchmal auf Bildern von Karrenhunden, das müssen absolut tolle Tiere gewesen sein. So in Richtung Rottweiler, der mit vollem Namen ja auch "Rottweiler Metzgerhund" heißt.

    Aber die richtig "adligen" Doggen waren tatsächlich der Porsche ihrer Zeit - was ganz, ganz Exklusives zum Vorzeigen.

    Die Dogge hat eine lange Geschichte als Begleithund für sehr Wohlhabende. Da sich so einen Hund noch zu Zeiten unserer Urgroßväter nur ganz, ganz weniger leisten konnten, war sie ein Statussymbol ersten Ranges, und ja: ein reiner Begleithund. Legendär wurden da die Doggen von Reichskanzler Otto von Bismarck:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Reichshund

    In Universitätsstädten waren sie unter den Sprößlingen wohlhabender Eltern dermaßen beliebt, dass es gelegentlich Zoff gab, weil die die Hunde als "Bürgerschreck" benutzten. Irgendwie "ausgelastet" wurden solche Repräsentationshunde mit Sicherheit nicht, die liefen einfach überallhin mit, ohne Leine natürlich.

    Begleiten war früher einfach noch nicht so ein stressiger Hunde-Job wie heute - ruhige, hundegeeignete Umgebung, weniger Artgenossen, und viel weniger Trara.

    Die absolute Horrorkombination hatten wir im Bekanntenkreis: Nach dem Tod ihres Hundes bekam eine alte Freundin von ihren Kindern einen Münsterländer-Welpen. Zum 75. Geburtstag. Wir haben kollektiv die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

    Wie das ausging? Sie kamen gut klar, der Hund starb mit 15 an Altersschwäche, Frauchen wurde ziemlich fit 100 Jahre alt.

    Sowas würde ich ABSOLUT nicht zur Nachahmung empfehlen, aber es hat mich gelehrt, das im Grunde nichts zu hundert Prozent berechenbar ist - weder im Guten noch im Schlechten.

    Große Hunde finde ich insgesamt bedeutend bequemer im Handling, die sind in gut erreichbarer Griffhöhe und meist nicht ganz so rasend reaktionsschnell wie meine Kleinen. Es ist ja nicht nur eine Frage des generellen Bückens, sondern oft genug eines blitzschnellen Zufassenmüssens irgendwo ganz unten - am ebenso blitzschnell beweglichen Objekt natürlich.

    Ich hatte eigentlich immer vor, irgendwann bequemlichkeitshalber wieder auf was Größeres umzusteigen, aber dummerweise haben diese kleinen Spinner so einen enormen Suchtfaktor. Nur dass sie leichter zu handhaben sind, könnte ich nicht behaupten. Was aber z.B. bei einem Mops sicher ganz anders aussieht - der läßt einem vielleicht mehr Reaktionszeit?

    Und mach dir jetzt bitte keine Sorgen, dass dein Welpe irgendeine Lern-Chance verpaßt, nur weil du ihm die Ruhe gönnst, die er dringend braucht. Wenn die Basis stimmt - wenn er nämlich gelernt hat, dass Kooperieren Spaß bedeutet und nicht Streß - wird er dich lebenslang damit überraschen, was er alles dazulernt. Selbst dann, wenn er ein Handicap hat. Meine Hündin erblindete mit acht Jahren - und du würdest wahrscheinlich kaum glauben, mit welcher Cleverneß und Lernbereitschaft sie mit so einer völlig neuen Situation umzugehen lernte.

    Da ist es wirklich nie zu spät - es sei denn, du überdrehst und überforderst das Hündchen jetzt, selbst wenn es in bester Absicht passiert. Damit kann man einen Hund tatsächlich lebenslang "sauer" machen und sich genau das einbrocken, was man eigentlich vermeiden wollte.

    Was passiert, wenn eine Rasse (oder in dem Fall eher ein Hundetyp) noch dicht am Ursprung ist und dann plötzlich gleichzeitig "Rasse" und Mode wird, konnte man bei der großen Russell-Welle vor etwa 15-20 Jahren ja auf das Gruseligste studieren.

    Ich weiß überhaupt nicht, wieviel ich da second hand und im Vorbeigehen angeboten bekommen habe, "weil er ja" (man höre und staune!) "so eigensinnig ist/ so jagt, dass wir ihn nicht loslassen können/dass Oma nicht mit ihm fertig wird/dass er die Katze (alternativ: das Meerschweinchen/den Hamster)gekillt hat. So haben wir uns das nicht vorgestellt, der ist doch so klein und niedlich!"

    Und so weiter. Und das, obwohl dieser Hund als Foxterrier eigentlich ein Allrounder ist, Menschennähe enorm zu schätzen weiß, nur eben seinen Job noch nicht vergessen hat.

    Ich schätze mal, das läuft bei anderen eher zielbewußten Rassen ähnlich, oder, wenn's auch noch Spezialisten sind, eher noch schlimmer?

    Ich wollte einen Rotweiler, nach dem Buch "Ted und Penny", in dem Rottweiler Ted die Heldenrolle spielte. Oder einen roten Langhaardackel wie meinen Gassihund. Hätte aber auch wirklich jeden anderen Hund genommen. Bloß bekommen hab ich keinen.

    Was mich dann tatsächlich beeinflußt hat, war das Buch von Heiko Gebhard, "Du armer Hund". Das hat mein Augenmerk zum ersten Mal auf Airedales gelenkt, und so einer zog dann viel später auch ein.

    Das war beide Male ein deutliches "Hau ab!" , wobei ich das kurze Zurechtstutzen von aufgekratzten, aufdringlichen Welpen als völlig normal einstufen würde. Er hat die Kleine ja nicht ernsthaft angegriffen, sonst hätte die anders reagiert.


    Du wirst dich schlicht damit abfinden müssen ,dass die da ein Hund heranwächst, der von Artgenossen Distanz verlangt. Du kannst ihm natürlich beibringen, andere Hunde zu ignorieren, zu Freundlichkeit und Jeden-Mögen kannst du ihn nicht zwingen. Das ist einfach Charaktersache, und die meisten erwachsenen Rüden sind nun mal nicht everyhund's Darling.