Beiträge von terriers4me

    Auch das nur ein Denkanstoß, anschließend an das vorher Gesagte: Hast du Newton in seinem bisherigen Leben vielleicht so "überreguliert", dass er zuhause einfach gehemmt ist, weil er nicht weiß, was er nun überhaupt noch selbst entscheiden darf, und wo er sich zurückzunehmen hat, weil's dir obliegt?

    Hier hatte der Schäferhund nie Probleme, den frechen jungen Terrier in die Schranken zu weisen, notfalls auch sehr deutlich. Ich konnte es ihm, obwohl da vierzig Kilo gegen vier standen, immer in vollstem Vertrauen überlassen, weil er völlig souverän war, nie übertrieb und die zwischenhundliche Situation mit Sicherheit besser einschätzen konnte als jeder Mensch. Der Ärger ab und zu hat der großen Liebe zwischen den beiden nie Abbruch getan - aber natürlich hatten wir den Vorteil ,dass es eine Rüde-Hündin Kombi war, nicht zwei Rüden.

    Für den Terrier ist Hund gleich Hund, sie hat weder mit Mops noch mit Ridgeback ein prinzipielles Problem. Was Begegnungen erstmal ziemlich problemlos macht, aber bedeutet, dass sie auch Große ernsthaft jagt, sobald das Adrenalin überschwappt. Sie reagiert also weniger auf Größe, Atmung oder sonstwas, sondern auf den schieren Bewegungsreiz.

    Ich hab übrigens seit 1977 Weidetiere, auch mal ganz weit draußen, und einiges an Freunden aus der Szene - und bis vor ein paar Jahren war von diesen sagenhaften Hunderudeln nie und nirgendwo die Rede. Mal ein Hund, der wilderte, ja, aber wenn ein Husky auf der Weide ein Schaf wirklich tötete, war das schon eine ziemliche Sensation.

    Dass "wildernde Hunde" so massiv an Weidetiere gehen, passiert wirklich erst, seit die Wölfe einwandern - und zwar ganz genau seitdem.

    Wenn ich mir überlege, wie gut Jäger und Bauern hier das Revier kennen, kann ich mir nicht vorstellen ,dass das anderswo im Land anders ist. Dass sich irgendwo ganze Hunderudel unbemerkt aufbauen und halten können, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Wo sollen die Ursprungstiere herkommen, wie sich finden? Bevor die Wölfe einwanderten, habe ich auch nie derartige Vermutungen gehört.

    Vielleicht - und das ist jetzt nur ein Viellicht - reglementierst du generell zu viel, aber das an der falschen Stelle? So, dass sich dein Einfluß sozusagen abnutzt, weil du dich dauernd einmischt? Viele Hunde resignieren und funktionieren dann, aber cleverere Typen lernen, sowas gepflegt zu ignorieren (ähnlich wie Pferde, die ständig zugelabert werden), und irgendwann untergräbst du damit deine Autorität. Kann Hunter, dem du ja viel Selbstbewußtsein zuschreibst, auf so einem Weg sein?

    Ich hab in vielen Jahren mit Mehrhundegruppen gelernt, da Prioritäten zu setzen, die dann aber auch konsequent durchzuziehen. Sprich: In die Alltags-Interaktion mische ich mich kaum ein. Ich traue erwachsenen Hunden nämlich tatsächlich zu, ihr Zusammenleben selbst zu regeln. Wer also wo liegt, vor wem aus der Tür geht und wann atmet, ist mir echt latte. Und wenn mal geknurrt wird, ist das in Maßen(!) auch ok.

    Dafür bestehe ich aber gnadenlos konsequent darauf, dass jede Ressource jederzeit mir gehört, sprich: dass ich jedem das Kauteil wegnehmen kann, wenn's genug ist. Dass ich Aufmerksamkeit kriege, wenn ich sie will, und dass mir ausgewichen wird, wenn ich einen Platz haben möchte. Ferner gilt die Regel, dass Mitbewohner nicht ernsthaft belästigt oder, im Fall der Hühner, angegangen werden. Man kriegt ja, wenn man oft mehrere Hunde um sich hat, einen sehr guten Blick dafür, wann sich dieses "ernsthaft" anbahnt, und dann reicht meist noch ein deutliches "Hey!"

    Was ich eigentlich sagen will: Ich geb mir immer Mühe, meine Energie und die Aufmerksamkeit der Hunde nicht auf Nebenschauplätzen zu verschwenden - WENN ich dann aber was verlange, wissen sie auch, dass das Ernst ist.

    Hier in den Gärten und auf den alten Friedhof hat ein geschecktes Hauskaninchen mindestens drei Jahre überlebt, jedenfalls hab ich's drei Sommer lang gesehen. Und ein Jäger hat mir auch mal erzählt, dass er lange einen Schwarzschecken im Revier hatte, der ganz alleine unterwegs war. Es scheint also im Prinzip zu gehen.

    Ich wohne ja in derselben Ecke wie bleßvoss und kann alles, was sie sagt, nur unterschreiben. Die Zeit der unbesorgten Hunde-Waldspaziergänge ist längst vorbei, da, wo mein Pony früher auf einer sehr idyllischen Weide stand, lebt jetzt ein Zehnerrudel Wölfe, und ob ich noch ,wie früher überall draußen allein und unbesorgt mit freilaufendem Hund reiten würde, weiß ich auch nicht.

    Das ist schon ein ganz anderes Lebensgefühl geworden, und für Wolfsbegegnungen mußt du nicht unbedingt in den tiefen Tann. Den legendären Kurti hatten wir 500 Meter von der Haustür, innenstädtisch wohlgemerkt. Damals fand ich das noch superkomisch, die Frage ist nur, ob das so witzig bleibt.

    Ich habe mein Büro zuhause, und es war imme rso unkompliziert wie nur möglich. Der Welpe hat von Tag 1 gelernt, dass nichts zu holen ist, sobald ich mich an den Schreibtisch setze, und hat grundsätzlich gepennt, drunter oder anderswo. Läuft bei erwachsenen Hund heute noch so und war bei allen Vorgängern genauso.

    Eine Hündin hab ich regelmäßig mit in die Uni und in recht trubelige Büros genommen, auch das problemlos. Hunde merken sehr schnell, wann sie wirklich "abgemeldet" sind und nutzen die Zeit dann, um ihrerseits Pause zu machen - vorausgesetzt natürlich, ihnen wird zu anderen Zeiten auch mal was geboten.

    Holy Shit - das ist ja wirklich Jurassic Park! Aber in einem Fall irren sich die interviewten Italiener: Der Bär wäre sicher nicht in jedem anderen europäischen Staat erlegt worden. Mir fällt da gerade einer ein, in dem er bis ans natürliche Ende seiner Tage Weidetiere reißen dürfte - und schuld wären allemal die zu nachlässig schützenden Halter...