Beiträge von terriers4me

    Intelligenz und Situationsübersicht, wie sie zum Beispiel einen Russell (der ja eher mit Köpfchen jagt als mit den Zähnen) auszeichnen können, sind wirklich nicht die starken Seiten eines Jagdterriers. Ein kleiner Hund, der eisern an seiner Absicht festhält, den großen Jungbullen (und zwar allen!) den Garaus zu machen, obwohl er da schon mehrmals nur noch mit knapper Not mit dem Leben davonkam, und der dann auch noch sein Frauchen beißt, das ihn zurückhalten will, ist schon ein ziemlich blödes Vieh.

    Oder vornehmer gesagt: nicht wirklich alltagstauglich.

    Und denen geht meine kleine Hündin dann weiträumig aus dem Weg - genau wie sie's als Jagdhund mit möglichst niedriger Tierarztrechnung tun sollte. Dann steht sie bellend in sicherer Entfernung, der Rest ist mein Problem.

    Beim Airedale allerdings hast du hundertprozentig recht. Meine Hündin war das größte Lamm der Weltgeschichte, sanft und unterwürfig, ließ sich sogar von fremden Zwerghunden scheuchen - aber wehe, wenn sie das Gefühl hatte, sie muß mich oder ihr Grundstück schützen. Dann war das plötzlich ein ganz anderer Hund.

    Und am gemeinsten schützte der Jagdterrier alles, was ihm gehörte - der war da wirklich todesverachtend grimmig und bissig. Da wurde man aber das Gefühl nie los, dass er das aus reinem Spaß an der Auseinandersetzung tat.

    Ich kann deinen Schrecken bestens nachvollziehen - es war wirklich einer der schockierendsten Momente meiner Hundehalterlaufbahn, als mein durch und durch kinderfreundlicher Russell auf das quäkende Neugeborene meiner Freundin mit eindeutigem Jagdverhalten reagierte: mit hektischem Wedeln, Winseln und Fixieren. Der Hund hat überhaupt nicht verstanden ,dass da ein kleiner Mensch war. Das war nur Beute.

    Zum großen Glück spitzte es sich nicht so dramatisch zu wie bei euch. Ein Russell soll ja nur stellen, nicht attackieren, die Hündin versuchte also nicht, ernsthaft draufloszugehen. Meine Freundin gehört, ebenfalls zum Glück, zu denen, die einen wedelnden Hund für freundlich halten. So konnte ich anleinen, ohne dass sie gemerkt hat, was sich da anbahnte - aber mir saß der Schock tief in den Knochen.

    Ich hab dann natürlich aufgepaßt wie ein Habicht, dass Terrier und Baby sich nicht frei begegneten. Auf Babys draußen reagierte sie nicht, sie war aber auch kein genereller Katzenjäger. Es war nur die Beute in eigenen Revier gewesen, die sie so aufregte, und bei uns löste sich das Problem dann von selbst: Sobald das Baby auf dem Schoß sitzen konnte, fiel bei der Hündin der Groschen: "Das ist ja ein Mensch!" , und sie schaltete von jetzt auf gleich auf totale Freundlichkeit um. Selbst das Quäken, das sie erst so getriggert hatte, spielte plötzlich keine Rolle mehr, das hysterische Jagdverhalten war total verschwunden und sie war nur noch nett bis gleichgültig zu dem Zwerg.

    Das nützt euch jetzt natürlich wenig, weil ihr ja leider kein Baby zum Üben kriegen könnt, ich wollte eigentlich nur nochmal sagen ,dass deine Bedenken sehr, sehr berechtigt sind. Mir fiele aber auch nichts weiter ein als den Hund sorgsam zu sichern - und das mußt du ja eh schon tun.

    Worauf du eventuell noch hoffen kannst wäre, dass der Hund den Unterschied von selbst kapiert. Meine jetzige Hündin, grimmige Katzenjägerin, hat erst auch mit Alarm darauf reagiert, wenn das Baby in der Nachbarschaft laut schrie. Inzwischen hat sie aber von selbst gemerkt, dass das war anderes ist, und reagiert nicht mehr. Bloß auch dafür brauchtest du natürlich Dauer-Baby-Beschallung. Ist wirklich eine richtig blöde Situation!

    Ich hatte darüber neulich ein sehr interessantes Gespräch mit "unserer" Züchterin, die seit den Anfängen der Rasse in D dabei ist. Wir sprachen darüber, dass meine Hündin eindeutig zu weich geraten ist, und sie sagte, man balanciere in Zucht immer auf einer Messerklinge zwischen "zu hart" und "zu weich".

    Solange sie überwiegend für Jäger gezüchtet habe, hat sie immer die Härteren bevorzugt, aber die Erfahrung gemacht, dass diese Terrier im Zivilleben oft schlecht zurechtkommen. Seit es generell eher in Richtung Familienhund geht, tendiert sie im Zweifelsfall eher zu den Weicheren,die sich leichter anpassen, dafür aber auch mal etwas nervenschwach sein können, so wie mein Exemplar.

    Bleibt aber wohl immer eine schwierige Abwägung. Im Idealfall möchte man natürlich immer beides in einem Hund vereinigen, der ja eigentlich als Allrounder gedacht ist und Jagen und Begleiten gleich gut können soll.

    Ich hab das Einsammeln auch immer strikt untersagt, bis - ja, bis meine frühere Russellhündin plötzlich blind wurde. Danach gehörte es zu ihren größten Vergnügen, sozusagen mit der Nase zu jagen, sprich: rund um den Fuchsbau alle möglichen Widerwärtigkeiten aus dem Gebüsch zu ziehen, stolz zu präsentieren und mir ebenso stolz ein Stückchen nachzutragen. Fliegenumsummte Kitzbeine, Hühnerflügel - so die ganze Richtung. Sie war so glücklich dabei, so sehr der Hund ,der sie vor der Erblindung gewesen war, dass ich's einfach nicht fertiggebracht habe, ihr auch noch diese Freude zu verderben.

    Das absolute Highlight war da mal ein ganzes totes Kaninchen, das ein Greifvogel direkt vor uns auf den Weg fallen ließ. Das hat sie dann im Triumph bis zum Auto geschleppt, und ich hab Blut und Wasser geschwitzt bei dem Gedanken, mit Terrier und kopflosem Karnickel einen Jäger zu treffen und dem zu erklären: "Das haben wir nur gefunden".

    Ja, auf der Jagd ist diese DJT-Hündin wohl wirklich ein absoluter Crack, angeschafft und geführt als harte Ergänzung zu den eher soften PRTS. Solange ihr regelmäßig Sauen serviert werden, ist soweit alles schick. Aber sobald die Jagden seltener werden, sucht sie permanent Streß mit den anderen Hunden, Größe, Alter und Geschlecht vollständig egal - ihre Chefin meint, sie sei ein Hund, der zum Wohlbefinden regelmäßige Kämpfe braucht, und das sei verdammt anstrengend. Sie will denn auch trotz der spitzenmäßigen jagdlichen Fähigkeiten dieser Hündin nach ihr keinen DJT mehr haben.

    Sicher, das ist nur eine Hündin und darüber hinaus eine auf Hochleistung gezogene, aber ich kannte als Jugendliche jahrelang einen Jagdterrier sehr gut. Ein toller Hund, aber auch der lebte dafür, regelmäßig seine Zähne in irgendwas/irgendwem zu versenken. Alltagstauglich ist wirklich was anderes.

    Selbst "unsere" Züchterin, die regelmäßig mit den Terriern Sauen jagt, findet ihre DJT im Alltag schwer erträglich und eher nervig. Die Heideterrier allerdings nicht, ihre schlagen da wohl eher auf die Airedale-Seite und sind auch angenehme Gesellschaftshunde. Jagen tun sie allerdings, wie gesagt, professionell, hart und regelmäßig - wie sie ohne Job wären, weiß ich nicht.