Beiträge von terriers4me

    Das ist leider der Knackpunkt: Hierzulande gibt es, wenn es hochkommt, irgendwas um die fünf Prozent Natur. Der ganze Rest ist seit Jahrhunderten bis Jahrtausenden Kulturland, Wälder eingeschlossen.

    Was ja nicht heißt, dass da Tiere nicht prima leben können, im Gegenteil: oft sind "künstliche" Landschaften wie Knicks und Blühwiesen sogar besonders artenreich. Nur auf irgendwelche wie auch immer gearteten "natürlichen" Kreisläufe kann man sich da schon seit ein paar Ewigkeiten nicht mehr berufen. Dafür haben sich andere Lebensgemeinschaften entwickelt und eingespielt (wieder: Blühwiese!), von denen jetzt die wenigen ,die der industriellen Landwirtschaft entgangen sind, auch noch ins Kippen kommen, wenn kleine Tierhaltungen aufgeben und größere nur noch mähen, statt beweiden zu lassen.

    Das mit dem "bösen" finde ich auch immer zu blöd. Das ist einfach ein Tier, das ist, wie es ist, und deshalb leider unter unseren Rahmenbedingungen gemanagt werden muß. Wie ursprünglich ja auch mal versprochen.

    Auch mal was richtig Schönes zu einem traurigen Thema: Für die vertriebenen Deichschafe hat es offenbar jede Menge toller Hilfsangebote gegeben, zum Schlachter muß keins. Manchmal sind Menschen doch richtig toll:

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    Und als Kontrast und O-Ton-Probe, der von der Allgemeinheit durchgefütterte Ex-Anwalt, der sich seiner Freundschaft zum verantwortlichen Minister rühmt:

    Zitat

    Lohmeyer? Der hat eh nur 35 Schafe.... Der pustet sich einfach nur auf. Der kann sich mit Kay Krogmann zusammen tun. Beide mal 7 Wochen Entspannung in der Therapie genießen.

    (Krogmann hatte in dritter Generation die große Deichschäferei in Cuxhaven und mußte letztes Jahr aufgeben, nachdem er selbst nach dem -zigsten Wolfsangriff psychisch zusammengeklappt war.)

    Der Mops hier, den ich sehr gut kannte, ist auf dem Foto genau doppelt so alt, nämlich sechzehn:

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    Das soll jetzt bestimmt keine "Ehrenrettung" für Möpse generell werden, einfach nur die Anmerkung: Selbst gemessen an dieser Rasse stimmt ganz heftig was nicht, wenn ein Tier mit acht "steinalt" aussieht.

    Der Eindruck drängt sich auf, ja. Ich finde ja nach wie vor a.) den Wolf an sich faszinierend und erhaltenswert und freue mich b) über jeden ,der mit Herdenschutz Erfolg hat, weil: siehe a.)

    Was ich absolut nicht kapiere, ist diese Weigerung, zur Kenntnis zu nehmen, das die Bedingungen eben nicht überall "musterhaft" und gleich sind.

    Christian Lohmayer mit seiner Weide am Weserdeich ist doch ein gutes Beispiel: Festzäune sind an Bundeswasserstraßen aus gutem Grund überall verboten, waren ja auch nie nötig. Der Musterzaun am Elbdeich ist eigentlich schon nicht ganz legal, abgesehen davon, dass ihn die Wölfe ja eh sofort überwunden haben.

    Was mit Netzen (selbst wenn man die Kilometer um Kilometer um Kilometer ziehen könnte) passieren würde ,zeigt ein einziger Blick aufs Landschaftsbild: Rechts vom Deich sieht man überall Teiche, sogenannte Braken. Das sind die Andenken an frühere Deichbrüche, bei denen die Macht der Flut diese Löcher riß.

    Wie es also auf dem Areal zwischen denen und der Weser mit dem Grundwasserspiegel steht, bedarf keiner Erläuterung. Das bedeutet: schon bei wenig Wind liegen die Netze einfach platt, weil die Stangen im nassen Boden nicht halten. Erst recht nicht ,wenn die Netze jetzt auch noch immer höher werden sollen.

    Hunde scheiden aus, weil sie einmal die maßgebliche Behörde da nicht haben will (womit die Sache entschieden ist), zum anderen, weil die Angelrechte überall verpachtet sind, kein Angler für Wölfe verzichtet (die sind bekanntlich allein Problem der Tierhalter) und der Hundebesitzer ganz schnell in Teufels Küche käme.

    Das alles zusammen hieße doch eigentlich: Ist kein geeignetes Wolfsrevier. Was ja im großen Ganzen nichts ausmachen würde, weil es anderswo längst Wölfe und Wolfsreviere genug gibt. Stattdessen müssen ,nach mehreren hundert Jahren ,die Schafe gehen, die selbst die Behörde als ihre wertvollsten Mitarbeiter bezeichnet. Damit da bald das (mindestens) 46. Wolfsrudel Niedersachsens einzieht. Wenn das noch jemand versteht, schön für sie/ihn - ich kriege das nicht mehr hin.

    "Verwildern" gilt da ja sogar noch als Gütesiegel, weil "die Natur zurückkommt". Dass die besonders artenreichen Lebensgemeinschaften auf beweideten Blühwiesen, die sich in Jahrhunderten Kulturlandschaft MIT den Weidetieren entwickelt haben, gefährdeter sind als die des tropischen Regenwaldes, interessiert doch niemanden. "Natur" ist immer besser!

    Hier ist ein aktuelles Beispiel, wenn ihr vier Beiträge runterscrollt, zu "Hier ist die Landschaftspflege durch Tiere Geschichte":

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    Ein Jammer, aber nachdem die letztes Jahr drei Wölfe innerhalb des gerade neu aufgestellten "wolfsabweisenden" Zauns an den Zebus hatten , die sich nur noch mit Beinahe-Überfahren per Geländewagen vertreiben ließen (Schreien, Klatschen & Co war ihnen total gleichgültig) , kann ich schon verstehen ,dass man das Risiko nicht mehr eingeht. Aber wenn man sowas dann auf viele, viele kleine Stücke bundesweit hochrechnet, tut das schon richtig weh.

    Und hier wär dann der Background dazu

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    ...einfach ein kleines Stück runterscrollen. Für dieses schnaufende Stück Elend von Hündin wird ein Rüde gesucht, muß aber Merle sein. Seht euch bloß mal die Vorschläge an....da kann man wirklich Alpträume kriegen. Die armen, armen Tiere.

    Das wirklich Irre ist: genau so war es ja ursprünglich gedacht, sieh dir den entsprechenden Passus im EU-Recht an: Da haben Weidetiere und Landschaft im Zweifelsfall Priorität. Deutschland hat das allerdings gestrichen, soweit ich weiß als einziges Land.

    Stattdessen jetzt ausgerechnet hier in Niedersachsen ,dem klassischen Agrarland, die Weidehaltung abzuwürgen und dafür dann eben mehr Fleisch aus eigens gerodeten Regenwäldern um die halbe Welt zu transportieren, ist schon irgendwie...skurril.

    Hier ist ein Interview mit Lohmeyer, der heute aufgegeben hat. Ich hab's selbst noch nicht gesehen, aber es könnte interessant sein:

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    Was ich erstmal nicht verstanden hatte: Er hätte entlang der Weser überhaupt nicht zäunen DÜRFEN.

    Richtig. Es ist stinknormales Verhalten, nur leider mit der Kulturlandschaft, die sich in 200 wolflosen Jahren entwickelt hat, nur noch bedingt kompatibel. Wenige, scheue Wölfe in Nischen wären sicher trotzdem überhaupt kein Problem, sondern eine Bereicherung. Aber alles, was sonst noch so lebt, entweder 24/7/365 einzusperren, aussterben zu lassen, in seinem Lebensraum zu beschränken oder in Zäunen zu grillen, nur damit diese eine, total ungefährdete Art einen weltweit einmaligen Heiligenstatus genießen kann, ist einfach nur noch verrückt.

    Ich finde ja den Spruch, den mir mal jemand (kein Experte, nur ein ganz guter Kenner) erzählt hat, immer noch genau passend: Er meinte, mit Wölfen sei es wie mit scharfen Gewürzen: eine kleine, gut abgestimmte Dosis macht alles perfekt, zuviel verdirbt das ganze Gericht.