Hallo,
wir haben einen 1 1/2 Jahre alten Bernhardiner-Labrador Mix mit einigen Baustellen, wo wir leider kein Stück mehr voran kommen.
Zunächst einmal die Vorgeschichte:
Wir waren vor einem Jahr auf der Suche nach einem reinrassigen Bernhardiner. Leider fand sich in unserer Region über viele viele Wochen kein Züchter, der Welpen abzugeben hatte. Plötzlich ist uns über DHD ein Bernhardiner aufgefallen, der 4 Monate alt sei. 4 Monate war für uns noch vollkommen in Ordnung und wir vereinbarten direkt einen Termin mit dem Besitzer (Mann, Frau und ca. 4 Jahre altes Kind), der diesen Hund angeblich aus Zeitgründen abgeben musste.
Bei dem Besuch wurde uns dann beiläufig mitgeteilt, dass dies kein Bernhardiner, sondern oben genannten Mischling sei und er auch schon 6 Monate alt war - Hüftprobleme wurden aber auch nach mehrmaliger Nachfrage dementiert und absolut ausgeschlossen. Da wir uns direkt in den Hund verliebt hatten und gemerkt haben, dass es dem Hund da nicht unbedingt gut ging, haben wir ihn dennoch mitgenommen. Es war keinerlei emotionale Bindung zwischen Hund und Besitzer, er wurde dort definitiv nicht gut behandelt.
Nach einigen Tagen zu Hause fingen dann die Probleme an. Er wurde nicht stubenrein, wir konnten tun und lassen was wir wollten. Nichts zu machen. Daraufhin holten wir uns Hilfe von einem Hundetrainer, der voll und ganz mit positiver Bestärkung arbeitet, was genau unserer Vorstellung von Erziehung und Training entsprach.
Durch unseren Hundetrainer sind wir darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Hund sich merkwürdig hinlegen würde. Wir haben ihn daraufhin auf HD untersuchen lassen und es ist beidseitig eine sehr schwer HD festgestellt worden. Der erste Tierarzt riet uns auch ein Einschläfern in Betracht zu ziehen. Wir wollten aber natürlich noch eine 2. Meinung haben und sind in die Tierklinik Hofheim gefahren, die sich auf solche Probleme absolut spezialisiert hatten.
Die Diagnose war die gleiche, jedoch wurden uns weit aus größere Hoffnung auf Heilung gemacht, welche eine "neue" Operationsmethode mit einem künstlichen Hüftgelenk bringen würde. Wir haben Medikamente (Rimadyl) verschrieben bekommen und sparen nun auf die doch recht kostspielige Operation hin.
Wir haben das Gefühl, dass er durch die Medikamente allgemein ein wenig herunter fährt und eher entspannen kann, aber dazu später mehr.
Wir sind aufgrund von ungeplantem Nachwuchs sowie dem damit verbundenen Platzmangel gezwungen worden, im Januar diesen Jahres die Wohnung zu wechseln und sind in die Dachgeschosswohnung in das Haus meiner Eltern gezogen (welche im übrigen einen Berner-Sennen Hund haben).
Zwischenzeitlich wurde aufgrund einer Phase, wo unser Hund Sammy sehr viel getrunken hat, festgestellt, dass er sozusagen keine Schildrüsenfunktion hat, weshalb er nun L-Thyroxin bekommt.
Dies soll euch einen kurzen Einblick in das Turbulente leben dieses Hundes geben um eventuelle Ansätze und Verhaltensmuster anders/besser beurteilen zu können.
Das Problem der Stubenreinheit haben wir in der Zwischenzeit durch häufiges raus lassen / Gassi gehen in den Griff bekommen.
Aktuell Plagen uns folgende Probleme:
- er verliert ziemlich schnell Urin. Wenn er sich meldet und er dann nicht innerhalb von wenigen Sekunden raus gelassen wird, haben wir bereits eine Pfütze im Wohnzimmer. Verschlimmert wird dieses Verhalten durch Stress bzw. Aufregung - und zwar massiv.
- er schlägt bei jedem Geräusch was außerhalb des Hauses ertönt an und bellt laut und häufig. Das selbe Problem mit der Türklingel.
- er geht jedes Mal an die Decke und springt an das Hoftor um Menschen an zu bellen die dort vorbei gehen. Das selbe wenn für ihn fremde Menschen uns besuchen. Das ganz dann aber immer mit eingezogener Rute, oft merkt man ihm auch die Angst richtig an. Dann wird er meist in die Box oder ein anderes Zimmer gesperrt. Anderen Hunden gegenüber ist er jedoch sehr freundlich gesinnt und spielt gerne.
- er zieht die Lefzen hoch und zeigt die Zähne wenn er auf einem Schweineohr/Knochen/etc. kaut und jemand fasst ihn an oder kommt in seine Nähe. Bisher hat er noch nicht gebissen. Da mir das Risiko aber zu groß ist, bekommt er nur solche großen Leckerchen, wenn meine Frau und ich alleine mit ihm sind. Je nachdem wo ich ihn dann streichle, knurrt er auch. Ich zeige keine Angst, da ich vor ihm keine Angst habe. Er hatte starken Futterneid, welchen wir aber durch die Handfütterung abtrainiert bekommen haben. Ich habe auch Versucht, das Problem mit dem Knochen so abzutrainieren (also Knochen wegnehmen, anschauen und wiedergeben), aber leider ohne Erfolg.
- er ist aggressiv gegenüber fremden Kindern im Alter von ca. 3 bis 6 Jahren. Eventuell schlechte Erfahrung durch den Sohn der Vorbesitzer? Ebenso vermuten wir, dass die Angst vor fremden Menschen daher kommt, aber wir können dies natürlich nicht beweisen/belegen. Wenn wir mit ihm in der Stadt sind (natürlich nur mit Halti!), wo vielen Menschen auf einmal sind, dann ist der Hund super brav und lässt sich von jedem Streicheln. Bei einigen wedelt er sogar mit dem Schwanz und freut sich richtig. Wenn er jedoch in Mitten dieser Menschen ein Kind (mit Vorliebe Jungen) sieht, wird er dem Kind gegenüber böse. Diese Begegnungen versuchen wir natürlich größten Teils zu vermeiden, aus Angst, dass etwas passieren könnte wenn wir unachtsam sind. Inzwischen meiden wir aus Sicherheitsgründen Stadtbesuche mit Hund vollkommen.
Ich weiß, dies ist ein langer Text geworden, aber ich denke er ist nötig, damit ihr einen richtigen Einblick von dem Hund bekommt. Ich hoffe hier wirklich sehr, dass mir der ein oder andere nützliche Tipp gegeben werden kann. Mit Hilfe unseres Trainers haben wir bereits einige Macken abstellen können, jedoch längst nicht alles. Macht es eventuell Sinn, ihn für eine Zeit in ein Hundecamp zu geben? Ich war bisher immer dagegen, aber so langsam nach einem Jahr dauer-ärgern wird es anstrengend.
PS: Er hat übrigens keine Welpenschule besucht und hat die Prägephase bzw. Sozialisierungsphase wohl in der Wohnung verbracht.
Vielen Dank schonmal Vorab für eventuelle Tipps und Hilfestellung.
Grüße
Pascal