Hallo,
ich möchte Euch Mut machen, wenn Ihr die Diagnose Krebs bei Eurem Hund bekommt.
Mein Benjamin, Irishsetter, 8 1/2 Jahre alt, hatte von einem Tag zum anderen merkwürdige Ausfälle. Der Grund war ein Tumor im Bereich des 2. Halswirbels, der die Nervenstränge zusammengedrückt hatte und den 2. Halswirbel halbseitig zerstört hatte.
2 Tierkliniken in Berlin waren nicht in der Lage, eine Diagnose zu stellen. Unsere Haustierärzte behandelten mit Rimadyl gegen Schmerzen und schickten mich in eine andere Tierklinik. Dort wurde dann endlich ein ct gemacht, Diagnose unheilbarer Tumor. Ich sollte mich in der nächsten Viertelstunde entscheiden, ob mein Benny wieder aufwachen darf.
Damit war ich total überfordert und habe ihn wieder mitgenommen. Die Tierklinik schlug eine Behandlung mit Schmerzmitteln, so lange diese helfen, vor und schickte mich wieder zu den Haustierärzten. Diese fingen dann an, dem Hund wieder Rimadyl zu verordnen.
Benjamin hatte eine Lebenserwartung von 2 Monaten und hätte jederzeit gelähmt umkippen können. Nachdem ich diese bittere Pille geschluckt habe, erinnerte ich mich an die Empfehlung mehrerer Leute, die gute Erfahrungen mit Herrn Prof. Brunnberg in der Tierklinik Düppel gemacht hatten. Also auf zu den Haustierärzten, das ct abgeholt. Die waren wenig begeistert: "Zweifeln Sie an unserem Urteilsvermögen?" Ich: "Ja!"
Ich schrieb Brunnberg eine Mail und bat um einen Termin. Am nächsten Tag rief er an und wir bekamen sehr schnell einen Termin. Als wir dort eintrafen, hatte Prof. Brunnberg schon seinen Stab um sich versammelt, auch eine Onkologin war dabei. Nachdem er das ct studiert hatte, erklärte er uns, er würde die OP machen, klärte und aber darüber auf, daß evtl. nur 2 - 3 Jahre gewonnen werden, der Hund auch nach der OP im schlimmsten Fall gelähmt sein könnte. Auch über die Kosten klärte er uns auf.
Wir hatten nun eine schwierige Entscheidung zu fällen, volles Risiko oder baldiger Abschied, mal abgesehen vom Geld. Die Entscheidung fiel uns leicht, da wir erst im Oktober Abschied von unserer Hündin nehmen mußten, die mit 14 Jahren gestorben ist. Benny sollte noch nicht gehen. Alles weitere besprachen wir mit der Onkologin, die für uns jederzeit erreichbar war. Es wurde ein Dringlichkeitstermin festgesetzt und wir haben gebangt, daß nichts passiert (Lähmung).
Das hat natürlich aus dem Umfeld keiner verstanden. Es kamen Sprüche wie "Einschläfern ist wohl besser", "davon kann man ja in Urlaub fahren" und dergleichen mehr.
Am Tag der OP trafen wir morgens früh um 8:00 h ein und mußten Benny da lassen. Er sollte einer der ersten OP-Patienten sein. Dann kam die Hölle, es meldete sich niemand, auf Anfragen bekamen wir immer wieder bis zum Abend die Antwort "die OP läuft noch", später dann "wir müssen das Aufwachen abwarten". Dann der erleichterte Anruf eines sehr müde wirkenden Chirurgen, OP gelungen, Patient wacht langsam auf, wir wissen noch nicht, in wie weit die Nerven beeinträchtigt sind und ob er gelähmt ist, oder nicht. Ich habe eine Horrornacht verbracht, gegen 4:00 h morgens war ich plötzlich ruhig und konnte schlafen gehen. Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht, ich wurde vom Anruf nder Klinik geweckt, Benjamin geht es gut, er ist schon aufgestanden, keine Lähmungserscheinungen. Er mußte da bleiben, da er Fremden gegenüber sehr abweisend und ängstlich ist, hielten sie es für besser, wenn er schnell wieder nach hause kommt. Wir durften ihn 2 Tage nach der OP abholen.
Wir erfuhren dann , daß die OP 7 Std. gedauert hat, da im Knochemark operiert wurde und man die Nerven schonen mußte, um eine Lähmung zu verhindern. Wir bekamen die vorsichtige Prognose einer normalen Lebenserwartung, näheres könne man uns erst sagen, wenn der pathologische Befund eingetroffen wäre.
Puh, dann kam unser Sonnenschein nach vorn, ganz nackig rasiert, aber heilfroh, uns zu sehen. Wie man sich da fühlt, könnt Ihr Euch sicher vorstellen. Die OP war am 6. Januar. HEute geht es BEnny schon wieder ziemlich gut. Mittlerweile ist der Befund der Pathologie da, der positiv ist. Es handelt sich um die vermutete Tumorart, die gut auf die Bestrahlung reagiert. Denn das hat er noch sich, ca. 15 - 18 Sitzungen. Er wird sehr wahrscheinlich geheilt werden. Wir werden auf Urlaub in diesem Jahr verzichten!
Momentan ist das Gassigehen wie ein Spießrutenlauf, weil man Benny die schwere OP ansieht. Es laufen ja nicht so viele teilweise nackte Setter durch die Gegend. Selbst von Hundebesitzern hört man dann kritische Äußerungen, die sich immer um das Geld drehen.
Ich bin froh, daß ich nicht entschieden habe, daß Benny nach dem ct nicht mehr aufweachen darf. Er dankt es mir gerade mit seiner üblichen Anhänglichkeit. Meine Skepsis wegen der Bestrahlung ist fast ausgeräumt, nachdem man mir erklärt hat wie das funktioniert und daß die Strahlendosis keinesfalls so belastend wie bei Menschen ist. Trotzdem steht uns noch ein harter Weg von mind. 4 Wochen bevor.
Die roten Setter können ja sehr alt werden, mein letzter wurde bei mir 16. Hoffe, daß Benjamin noch lange lebt.
Lieben Gruß