Wir hatten einen Riesen, der "bereits" mit 13 oder 14 Jahren deutliche "Demenzerscheinungen" hatte.
Wann es genau anfing, kann keiner von uns richtig sagen, es war so schleichend, vieles sah man und schob es dann beisete, weil es erstmal nicht wieder auftrat. Grade die Verhaltensprobleme wurden von uns lange ganz anders bewertet, weil der Dicke ein Problemfall, der auf Zivilschärfe gearbeitet wurde, war, als er zu uns kam.
Irgendwann wurde er unruhig, er wanderte oft und leckte stundenlang Teppiche. Schmerzen konnten keine gefunden werden (Schmerzmittel verbesserten auch nichts), der Magen war gesund, wir ließen irgendwann spiegeln.
Ab und zu lief er im Schlaf aus, bzw. direkt nach dem Aufstehen, dann konnte er es auch nicht stoppen.
Er zeigte an der falschen Tür an, dass er mal musste und war kaum dazu zu bewegen, den richtigen Weg mitzukommen.
Draußen fand er viele alltägliche Dinge und Passanten plötzlich sehr gefährlich. Er hatte zwar nur noch ein Auge, aber das funktionierte noch gut, wir waren natürlich beim DOK-TA.
Im Freilauf reagierte er manchmal gar nicht auf Ruf, er blieb einfach stehen und schnupperte weiter. Kam man bei ihm an, dann zuckte er regelrecht zusammen und freute sich einen zu sehen. Sein Gehör war gut.
Ab und zu kam er im Freilauf an und verbellte einen sehr energisch, man stand besser ganz still, er meinte es ernst. Er erkannte uns nicht. Fiel bei ihm der Groschen, dann begrüßte er einen sofort sichtlich erleichtert, wenn man das so menschlich sagen darf.
Unser Haus-TA war bereit einen Versuch mir Karsivan zu machen, der leider nicht half. Weil es für den Hund nicht schön war und für die Umwelt gefährlich (wir reden immerhin von einem orientierungslosen Riesenschnauzer), wollte mein TA einschläfern.
Ich wühlte mich durch Literatur und fand eine evtl. Behandlungsmöglichkeit. Mein TA lehnte wegen Gefährlichkeit ab, was ich ihm absolut nicht übel nehme. Also fand ich ein Praxis für Verhaltenstherapie, die nach ausführlicher Voruntersuchung und Vorgespräch den Versuch der Behandlung machte.
Die Behandlung brachte uns unseren Hund für noch etwa 3 Jahre zurück. Danach kamen die Probleme so massiv und plötzlich, dass wir uns innerhalb weniger entschlossen den Hund erlösen zu lassen. Er erkannte den größten Teil des Tages gar nichts mehr und sass in seiner Box und biss und tobte, wenn man zu nah kam. Er hatte von jetzt auf gleich kaum noch klare Momente, aber er hatte Angst.
Weihnachten wurde er komisch, ab Sylvester wurde es richtig schlimm, in der ersten Woche des neuen Jahres ließen wir ihn gehen. Er wurde 18 Jahre alt und sein Körper hätte noch gekonnt.
Ach Dicker, du fehlst mir so.
LG
das Schnauzermädel