Ich denke es gibt sicherlich einige seriöse und gute Tierschutzorgas und generell finde ich es durchaus begrüßenswert, erstmal im Tierschutz zu schauen, wenn man ohnehin nicht so krass genaue Anforderungen an seinen zukünftigen Hund hat. Jeder Hund hat ein gutes Zuhause verdient!
Allerdings finde ich schon, dass man auch mal anmerken darf, dass es auch einige Leute gibt, die damit echt auf die Nase fallen (insbesondere Auslands-TS), weil die Orgas einfach falsche Versprechungen machen und am Ende die Hunde oft nicht mehr zurücknehmen. Auch der Punkt Gesundheit wird sehr oft mit den Leuten nicht ausreichend kommuniziert. Da werden Hunde mir positiver Dirofilariose vermittelt mit der Aussage "ja, das ist kein Problem, der braucht jetzt nur nochmal das Spoton und dann ist gut". Und sowas steht dann bei mir im Zimmer und macht ein ziemlich sparsames Gesicht, wenn ich dann mal richtig aufkläre was eine Herzwurmerkrankung bedeutet und sich herausstellt, dass der Hund absolut unzureichend behandelt wurde von der Orga.
Gleiches mit Leishmaniose, Ehrlichiose .... oft wird den Leuten gesagt, das wäre eine kleine Sache. Kann es natürlich sein, aber gibt dann eben doch genug, die dann plötzlich Nierenversagen bekommen und chronisch erkranken und aufwendige und teure Behandlungen benötigen oder sogar daran sterben.
Gleiches beim Thema Arthrose, Gelenkfehlstellungen, HD, alte Brüche ... versteht mich nicht falsch. Es ist gut und richtig, dass diese Hunde auch ein Zuhause bekommen. Aber ich kann so einen Hund doch nicht in eine Familie vermitteln, die sich den Hund fürs Joggen und Wandern holt, die dann maximal frustriert ist, dass der mit Schmerzmittel grad mal seine 30 Minuten-Pipi Runde schafft.
Mit der großen Schwemme aus Rumänien, haben wir auch regelmäßig Hündinnen auf dem Tisch, die extrem unsauber kastriert sind und oft sehr schlimme Komplikationen entwickeln (Abszess und Granulome in der Flankenregion im Bereich des Ovarstumpfes). Davon habe ich alleine in den letzten 2 Jahren 3 Hündinnen erlebt, die so schlimme Komplikationen hatten, dass man sie erlösen musste (einmal inoperabel, weil die ganze Bauchwand schon abszediert war und man den halben Hund hätte wegschneiden müssen und 2mal Sepsis mit Nierenversagen nach erfolgreicher OP).
Damit rechnet eine Frau Müller jetzt halt auch nicht, wenn sie sich nen Hund aus dem Tierschutz holt, dass der dann wegen der Kastra stirbt.
Über das wachsende Erregerreservoir in unseren Breitengraden von Leishmanien, Babesien und Ehrlichien in Hunden durch den massiven Import brauchen wir auch gar nicht reden. Oft in der Kombination mit fehlender Zeckenprophylxe, weil man seinen Hunden ja keine Chemie antun will ... Der Klimawandel wird es einrichten, dass wir mit den Konsequenzen in den nächsten paar Jahren dann auch ohne Auslandsreise bestens vertraut sind.
Und auch verhaltenstechnisch habe ich schon wirklich unfassbar schlimme Schicksale erlebt. Da wird der 7 Monate alte HSH-Mischling an eine unerfahrene Familie als "Labrador-Schäfer-Mischling" verkauft/vermittelt und dieser lässt sich von den Leuten weder anfassen, noch sonst wie irgendwie händeln, stellt aber den Pflegedienst schon am 2. Tag an die Wand, der täglich für den schwerbehinderte Vater kommen muss.
Bei genauerer Nachfrage erzählen die Leute, dass sie EXPLIZIT ihre Lebensumstände geschildert haben und ausdrücklich einen "umgänglichen" Hund angefragt haben. Dieser "umgängliche" Hund ließ sich nicht mal von mir anfassen. Die Besitzer konnten ihm nicht mal das Geschirr wechseln.
Ich weiß, ich habe jetzt hier ein sehr schwarzes Bild gezeichnet und mir ist klar, dass es für jede missglückte Vermittlung dann auch wieder eine gibt, die gut läuft. Die sehe ich natürlich auch und natürlich ist nicht jeder TS-Hund eine gesundheitliche Baustelle oder verhaltensoriginell - und natürlich muss jedem klar sein, dass man im TS nie ganz genau weiß, was man bekommt, keine TS-Orga kann jeden Hund zu 100 Prozent einschätzen.
Ich wollte mich hier auch eigentlich gar nicht äußern, ich bin ganz klar pro Tierschutz!!!
Aber da hier immer wieder so vehement betont wird, dass diese "schlechten Vermittlungen" immer nur Einzelfälle sind - das sehe ich, zumindest aus meiner beruflichen Blase, dann doch ein kleines bisschen anders.
Damit möchte ich auch nicht sagen, dass man sich nicht engagieren sollte oder man keinen Hund aus dem Tierschutz bzw. Ausland kaufen sollte - aber man sollte sich auf jeden Fall gründlich informieren und nicht blind per Direktimport oder von zweifelhaften Pflegestellen einen Hund "ausliefern" lassen und IMMER ganz genau alle Papiere und Untersuchungen checken, damit man selbst ungefähr weiß, was auf einen zukommt.