Erster Knackpunkt ist der direkte Umgang. Ich "von Natur aus" ein Mensch, der körperliche Kontaktaufnahme bzw. körperliche Nähe und Distanz stark regelt. Ich habe mich anfangs gewundert, warum die Pflegehunde, die mit einem Alleinbleib-Problem zu mir kamen, dies bei mir so nicht zeigt. Und dann habe ich danach gesucht, was ich eigentlich anders mache.
Ich regele die Kontaktaufnahme ziemlich klar. Ich kann es nicht ausstehen, wenn sich mir Hunde einfach so ans Bein pressen, sich an mich drängeln oder so was. Da schicke ich sie sofort weg. Wenn ich sie einlade, dann dürfen sie kommen. Oder, wenn sie höflich fragen, ob sie kommen dürfen und meine Antwort abwarten.
Das heißt für die Hunde ganz automatisch, dass meine Anwesenheit nicht bedeutet, dass man "frei verfügbar" auf mich zugreifen darf.
Das alleine ist es natürlich nicht, aber ich vermute ein großer Baustein.
Das nächste, was ich von Anfang an mache: Die Hunde bekommen einen Bereich über Gitter abgetrennt, so dass sie mich sehen, aber nicht zu mir können. Sobald sie meinen Tagesablauf gepeilt haben und wissen, wann die Phasen sind, in denen ich für sich sichtbar irgendwo längere Zeit sitze und was Ruhiges mache, parke ich sie dort. Immer so lange, bis der Hund eingeschlafen ist. Der Hund kann also sehen, dass ich noch da bin, wenn er will. Aber die meisten ziehen sich recht bald zurück, weil das irgendwie total öde ist. Sollte der Hund versuchen übers Gitter zu springen, gibt es eine klare Ansage. Überspringen von Absperrungen ist grundsätzlich Tabu bei uns, egal wie niedrig sie sind. Tut sich ein Hund schwer zur Ruhe zu kommen, deponiere ich mir eine Schüssel mit Lecker und schmeiße ab und an eins in den Raum, wenn der Hund Verhalten zeigt, das ihn zur Ruhe kommen lässt. Die Abstände vergrößere ich dann immer mehr. Geöffnet wird die Sperrzone grundsätzlich beiläufig immer nur dann, wenn der Hund zur Ruhe gekommen ist, indem ich beiläufig da mal rein muss, was holen, gucken oder so und "vergesse" die Tür wieder zu zumachen.
Damit wir mal einen Zeitrahmen haben: Meist beginnt das so mit einer Stunde in dem Bereich.
Sobald das gut funktioniert, mache ich es so, dass der Hund mich mal nicht mehr sieht, bei dem was ich tue. Aber ich mache ruhige Sachen in der Wohnung.
Sobald das geht, mache ich alles mögliche, auch Hausarbeit.
Erst dann lasse ich ihn in dem Bereich auch allein und verlasse die Wohnung, um draußen was zu tun usw ...
Gleichzeitig übe ich in allen Lebenslagen (in der Wohnung, im Garten, beim Gassi) das Anbinden über Belohnung für ruhiger Werden. Das ist nämlich auch eine Alleinbleib-Übung. Dazu hatte ich hier schon mal eine Anleitung irgendwo geschrieben ... muss ich mal suchen.