Jetzt habe ich mir mal alles durchgelesen, und würde sehr gerne meine Meinung dazu äußern, weil ich finde, dass es ein sehr interessantes Thema ist.
Mein Mann ist Jäger, kommt auch aus einer reinen Jägerfamilie( Vater, Großvater) und ich lernte ihn kennen, als er, bzw. damals mehr sein Vater einen Deutsch-Drahthaar jagdlich führte!
Der Hund bestach durch seinen gnadenlosen Gehorsam, er war gefügig, unterwürfig und ganz leicht aggressiv. Zumindest beurteilte ich es damals so. Ich muss dazu sagen, ich hatte zu der Zeit ( in den 70 iger Jahren) noch keinerlei Erfahrung mit Hunden allgemein.
Der Hund lebte nicht im Familienverband, sondern in einem Zwinger, alleine!
Ich wußte damals schon, dass die Zeit kommen würde, wo ich auch einen Hund haben würde.
Es floss noch viel Wasser durch den Rhein, ich bekam meine Kinder, und außerdem musste ich noch etwas ganz Wichtiges im Vorfeld klären:
Wenn Hund, dann keine Zwingerhaltung!Dass ich Zugeständnisse bezüglich der Jagdleidenschaft meines Mannes machen musste, das war mir bewusst, und diesen Kompromiss war ich auch bereit einzugehen.
Die Rassefrage mußte auch geklärt werden, wir studierten Bücher noch und nöcher
, und mein Mann entschied sich dann für einen Münsterländer. Wir schauten etliche Zuchten an, aber irgendwie war ich im Zweifel, ob ich einen Münsterländer als als Reitbegleithund hätte mitnehmen können usw.!
Bis uns zeitgleich ein Flat-Coated-Retriever buchstäblich über den Weg lief.
Das war genau der Hund in den ich mich total verliebte, und da uns gesagt wurde, dass ein Flat niemals in einen Zwinger dürfe, war für mich die Sache klar. Es musste ein Flat sein!
Dieser Flat war, wie sich dann herausstellte aus einer " Vermehrerzucht", absolut untauglich für die Jagd, da extrem schußscheu.
Zudem war er noch mit diversen Krankheiten gestraft, aber es war ein einmaliger Hund, der sogar "meinem Jäger" eine gewisse Sanftmütigkeit schenkte.
Leider starb er mit 9 Jahren! Eines war klar, wir wollten wieder einen Flat, diesmal aber aus einer seriösen Zucht( man lernt ja dazu)!
So jetzt komme ich zum Thema
,( bitte keine roten Böppel wegen einschläfernden Kommentaren)
Wir bekamen unseren Bonny, er stammt aus einer jagdlichen Leistungszucht!
Die eigentliche Grundausbildung folgte fließend nach dem Welpenkurs, und wurde von einer Hundeausbilderin abgehalten, die selber 3 Retriever hat. Bei ihr ging alles über die positive Bestärkung, und ich war sehr froh darüber, dass ich sie hatte. Bonny machte all' das, was mein erster Flat nie gemacht hatte! Jagen und hetzen, außerdem machte mir anfangs sein Temperament zu schaffen! :kopfwand:
Dann war die Zeit gekommen, als mein Mann mit dem Jagdhundkurs begann. Er übernahm dann das eigentliche Ruder, und ich übte permanent am Grundgehorsam.
Begleitend zum Jagdhundekurs traf er sich immer wieder mal mit meiner Hundetrainerin, die ihm in vielen Dingen Sicherheit gab.
Spätestens da kamen bereits die ersten dummen Sprüche der Jagdkollegen!
Wie: " Hau ihm eine drauf, wenn er nicht funktioniert", und Schlimmeres!
Der Kurs stellte sich als absoluter Brutal-Kurs heraus, und ich beschloss, diesem Elend ein Ende zu bereiten. Mein Mann war der gleichen Meinung, obwohl er sich viel Schlimmes hat anhören müssen.
Der Flat ist ein sehr sensibler Hund, der mit Konsequenz und Liebe erzogen werden muss, Härte bricht ihm das Genick! Außerdem sind die Flats Spätzünder und brauchen einfach etwas länger, um erwachsen zu werden.
Mit diesem Wissen beschloss ich, den Kurs um ein Jahr nach hinten zu verschieben. In der Zwischenzeit blieb genügend Zeit, eine andere Ausbildungsstätte zu suchen!
Wir fanden eine, dort ging es bedeutend humaner zu, obwohl immer noch nicht meinem Anspruch genügend!
Down, das war ein riesen Thema, und Bonny brachte auch das nicht korrekte Down Punktabzug in der Prüfung.
Meine Ausbilderin sagte:" Hauptsache er liegt, der erhobene Kopf ist ein Punktabzug, na und?"
Obwohl es bei dieser Jagdausbildung humaner zuging, war es für mich zu hart!
Wir haben unser Ding, trotz Anfechtung so weiter gemacht!
Bei der Prüfung waren 18 Hunde, 6 haben bestanden, meiner war der Beste! Das war der schönste Tag in meinem Leben. Alle Jäger haben geschaut, haben sie doch so konsequent mit Tele, Stachelhalsband und Co gearbeitet
, ja und wieso Bonny nicht?
Bonny hat in der Prüfung die "Übernachtfährte" mit einmal ansetzen korrekt ausgearbeitet, andere wurden mehrmals angesetzt und haben es trotzdem nicht geschafft! Bonny hat den Hasen gebracht, die Enten geholt, ja und die anderen? Schwanz eingekniffen, wasser verweigert, prügel bezogen!
Ja, warum hat es Bonny geschafft? Das war die Frage!
Weil er Vertrauen hat, weil er nicht unterwürfig ist( aber trotzdem eine gesunde Unterordnung hat), weil er den Spass an der Arbeit nie verloren hat.
Ein paar Jagdkollegen meines Mannes gehen jetzt auch langsam dazu über, ihren Hund als Jagdgefährten und Begleiter zu betrachten, und es funktioniert!
Wenn hier in der Umgebung Entenjagd stattfindet, dann wird Bonny noch spät am Abend geholt, um nicht gefundene Enten zu suchen und zu bringen. Die anderen armen unterwürfigen Jagdhunde haben Angst bei Flutlicht ins Wasser zu gehen, weil sie kein Vertrauen haben.
Vertrauen ist auch Gehorsam, und ohne Vertrauen geht nun mal nichts.
Fazit: Ich brauche kein Hilfsmittel elektrischer Art, ich brauche keine Unterwürfigkeit, ich brauche Vertrauen und Verständnis für meinen Hund.
Genau dann arbeitet er mit Leidenschaft, und für mich!
Ich würde mir es sehr wünschen, wenn auch in der Jagdhundeausbildung dieses Wissen eingesetzt würde, und diese elenden Knüppelmethoden abgeschafft würden. Es geht auch anders.
Seid Ihr alle noch da?
Entschuldigung!
Edit:Ups, mir fällt gerade noch etwas ganz Wichtiges ein.
Das ist der Grundgehorsam, der bei mir im Alltag eingebaut wird.
Ganz aktuell jetzt bedingt durch Bonny's Krankheit und Arztaufenthalt!
Gestern:
Wir waren in der Praxis im zweiten Stock, die Infusion lief durch, bzw. sie war schon durchgelaufen. Eine zweite Flasche sollte folgen!
Keine Helferin kam!
Ich habe es mir dreimal überlegt was ich machen soll! Soll ich noch 30 Minuten warten bis jemand kommt, oder soll ich jemanden holen?
Ich dachte mir, trotz Krankheit kann man ja am Gehorsam üben!
Also: Flasche vom Haken genommen, und in Bonny's Krankenbettchen gelegt( falls er doch aufstehen sollte, würde die Kanüle ihm die Vene aufreissen) Ich gab ihm das Sichtzeichen für Platz, sicherheitshalber auch nochmal verbal, und bin aus dem Raum gegangen! Treppen runter, Helferin gesucht und gefunden, gesagt dass Flasche leer ( Panik geschoben) und wieder rauf zu Bonny!
Der lag da, Gott ergeben und hat sich nicht von der Stelle gerührt! Das ist für mich Gehorsam!
Heute in der Praxis gleich nochmal geübt: Ich sitze im Wartezimmer, wie immer voll bis zum Ausgang, Bonny hechelnd und auf dem Sprung! Ich wollte Zeitung lesen, hatte aber meine Brille im Auto! Sichtzeichen für Bleib, die Leine einfach losgelassen auf den Boden gelegt und zum Auto gegangen! Brille geholt, in Gedanken aber im Wartezimmer, waren ja schließlich Hasen, Katzen und andere Hunde dort! Komme zurück, Bonny keinen Millimeter gewichen und überglücklich, dass ich wieder da war!
Die anderen Leute im Wartezimmer sprachen mich an und meinten, dass sie sowas noch nicht gesehen haben! Vertrauen ist das Schlüsselwort, das habe ich ihnen gesagt!