Hallo liebe Hundebesitzer und -freunde,
wir haben ein zunehmendes Problem mit einer unserer Hündinnen.
Kurz Allgemeines:
Wir haben zwei Appenzeller-Sennenhund/Schäferhund-Mischlings-Hündinnen, fünf Jahre alt, die seit dem Welpenalter bei uns sind und Alfa und Beta heißen.
Vom Aussehen und der Größe erinnern sie unbedingt an Labradore und sie sind beide rabenschwarz.
Schon relativ früh hat sich gezeigt, dass unsere Alfa auch die "Nummer 1" ist und sich über ihre Schwester hinwegsetzt.
Im Grunde sind die beiden aber - wie man so schön sagt - ein Kopf und ein A..., sehr familienbezogen und zu unseren Kindern, die damals 7 und 10 waren, lieb und vertrauensselig.
Ziemlich schleichend hat sich Alfa immer mehr zum "Wachhund" entwickelt und mittlerweile ist es so, dass fast jeder, der zu uns kommt und den sie nicht wirklich gut kennt, von ihr massiv angebellt wird. Beta bellt aus Symphatie mit, ist aber alleine und ohne Alfa in der Nähe still.
Ich muss dazu sagen, dass wir in einem EF-Haus wohnen und die Hunde tagsüber und bei einigermaßen gutem Wetter oft auf dem Hof sind, der durch einen Gartenzaun natürlich eingegrenzt ist, und gleichzeitig Zugang ins Haus haben, da gerade in den Sommermonaten unsere Tür tagsüber offen ist. Allerdings muss jeder, der an unsere Haustür will, über diesen Hof.
Mittlerweile reagiert Alfa selbst beim Postboten mit einem derart aggressiven Bellen, dass wir sogar den Briefkasten umhängen mussten, der bis dahin zwar auch von außen zu erreichen war, aber ziemlich nahe am Gartentor hing, wohin sich der Postbote nicht mehr getraut hat.
Überhaupt regagiert sie selbst bei Spaziergängern, die am Haus vorbeilaufen, mit lautem Gebelle.
Andererseits kann es auch passieren, dass das Gartentor versehentlich offengelassen wurde. Wenn es dann "Grund" zum Bellen gibt, bleibt sie einfach in der offenen Tür stehen und springt nicht, wie man es vielleicht erwarten könnte bei dem Getue mit geschlossener Tür, hinaus.
Nun - damit könnte man vielleicht noch klarkommen. Sorgen jedoch macht uns, dass sie mittlerweile gelegentlich auch Besucher - selbst wenn diese schon öfter da waren und ihr bestimmt nichts getan haben - anknurrt. Vorzugsweise Kinder. Schon vor zwei oder drei Jahren auf einem Kindergeburtstag schnappte sie mal nach einem Kind - ca. 9 oder 10 Jahre - dass es einfach nicht lassen konnte, den Hund zu streicheln und sogar zu ihm unter den Tisch zu kriechen, obwohl wir ausdrücklich gesagt haben, sie soll es lassen. Das Kinde wurde nicht verletzt, Alfa hat auch nicht gebissen, aber sie hat dem Kind die Schnauze mit offenem Maul ins Gesicht gestoßen und es hat sich gehörig erschrocken. So wie ich mich auch.
Im letzten Jahr hat Alfa sogar meine Tochter gekniffen, als diese sie kämmen wollte. Das war nicht ganz ohne und sie hatte gehörige blaue Flecke am Oberarm danach. Ich vermute, dass sie ihr am hinteren Lauf, mit dem sie sporadisch Probleme hat, beim Kämmen wehgetan hatte.
Vor wenigen Tagen dann wieder. Diesmal schnappte sie nach einem 5-Jährigen - auch hier ist nichts passiert außer einem gehörigen Schrecken - weil das Kind im Garten unter den Tischen herumkroch, um seinen Platz zu verlassen und wieder zu erreichen.
Dazu muss ich sagen, dass wir eine Feier hatten, zu der etliche Leute hier waren und aus diesem Grund Sitzgarnituren aufgestellt wurden. Eine solche Feier ist für unsere Hunde allerdings nichts Besonderes, im Gegenteil. Da unsere Freunde überwiegend gut mit ihnen können, genießen sie es sehr, ständig gestreichelt und gekrault zu werden und sind in der Regel total entspannt mitten im Geschehen, aus dem sie sich auch zurückziehen können, wenn es ihnen mal zu viel wird.
Unser Besuch mit dem betroffenen Kind (insgesamt 4 Personen) verlangte daraufhin von uns, wir sollten besser auf die Hunde achten - was wir natürlich auch taten. Unterschwellig meinte man wohl, wir hätten sie umgehend wegsperren oder irgendwo anketten sollen - also unerreichbar machen. Das wiederum haben wir nicht getan, denn unsere Hunde sind es nicht gewohnt, ausgeschlossen oder gar weggesperrt zu werden, und wir waren der Meinung, dass es ausreichen sollte, die besorgten Gäste über das Hundeverhalten aufzuklären und wie sie sich ihnen gegenüber am besten verhalten sollten, und Alfa und Beta natürlich im Augen zu behalten bzw. bei uns zu behalten. Also dorthin mitzunehmen, wohin wir gehen, und neben uns Platz machen zu lassen.
Unsere Gäste blieben eine Nacht, in der wir ihnen zuliebe die Hunde sogar draußen gelassen hatten, was diese wiederum auch gar nicht kennen und in der Folge die ganze Nacht vor dem Haus jaulten, doch wir haben die Sorge ernst genommen und wollten natürlich auch nicht, dass man mit Angst nachts durchs Haus zur Toilette laufen musste. Am nächsten Morgen spitzte sich die Situation zu und Alfa begann bei fast jedem Vorbeigehen einer dieser Personen zu knurren. Worauf diese wiederum noch mehr Angst bekamen und sie auch zeigten - und in dieser Folge plötzlich und eigentlich ohne Vorwarnung ungeplant abreisten.
Ich bin nun sehr verunsichert, wie ich all das analysieren soll. Und ich muss zugeben, dass ich zunehmend besorgt darüber bin, ob die Entwicklung unserer Alfa ein Zeichen zunehmender Aggressivität ist, die möglicherweise weiter steigt, oder ob die letzte Situation einfach eine Ausnahme war, weil hier mehrere Personen plötzlich regelrecht panisch und übervorsichtig gegenüber Alfa wurden, worauf sie wiederum reagiert hat.
Alfa ist im Grunde ein - uns gegenüber - sehr unterwürfiger und freundlicher Hund ohne Ambitionen zur Dominanz oder Eigensinnigkeit, im Gegenteil. Aber sie ist auch ein ganz anderer Wesenstyp als ihre Schwester Beta, von der wir im Spaß immer sagen, sie wüsste gar nicht, dass sie ein Hund ist.
Haben wir uns von der unangenehmen Situation jetzt "verrückt" machen lassen oder kann Alfas Verhalten ein Zeichen sein, dass mit ihr irgendwas nicht stimmt und wir dringend handeln sollten, ehe etwas wirklich Schlimmes passiert?
Ich entschuldige mich für die Länge des Beitrags und bedanke mich gleichzeitig fürs Lesen und vielleicht auch Antworten.