Beiträge von brush

    Für mich ist die Antwort ganz einfach. Ein ängstlicher Hund, der keine Aggressionen zeigt, macht für gewöhnlich den Besitzern keine Probleme. Und schlußendlich geht´s doch nur darum. Dinge, die die Besitzer nicht stören brauchen nicht behoben zu werden.

    Und zu einem Teil verstehe ich die Leute schon, man muß erstmal damit klarkommen dass ein Hund aggressives Verhalten an den Tag legt, das ist sicherlich nicht jedermanns Sache.
    Ich find´s nicht schön, es wäre nicht mein Weg, aber mir ist durchaus bewusst dass es viele Menschen nicht auf sich nehmen wollen (wenn vielleicht auch noch Kinder im Haushalt leben). Verurteilenswert finde ich das eigentlich nicht.

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    Damit behauptest Du aber quasi, dass alle Hunde aus dem Tierschutz halb kaputt sind ... ich kann das aus eigener Erfahrung mit ... *grübel und zähl* ... 11 Hunden, die aus dem in- und ausländischen Tierschutz stammen und bisher bei uns lebten und leben, nicht bestätigen.


    Tu ich gar nicht :)
    Ich hab ganz einfach so einen Hund, und das möchte ich nicht mehr. Es ist nicht das, was ich mir vorstelle :ka:
    Er wirkte auch ok, ruhig und angenehm. Ich will dieses Risiko (also das Risiko, dass ich viel Arbeit mit dem Hund habe) einfach nicht mehr eingehen.

    Na Gott sei Dank entwickelt sich hier mal ne richtige Diskussion mit vielen guten Tips zur Vorgehensweise :gut:
    Das Thema wurde hier - trotz zwei Millionen Beiträgen - noch nie richtig diskutiert (zumindest seit ich hier bin und laut SuFu). Bis jetzt hieß es immer "Du mußt Frustrationtoleranz üben", und der Verweis auf einen Trainer.

    Schön dass hier solche Beiträge kommen, das freut mich echt :)

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    brush,

    ich bin schon der Meinung, dass es an den Dingen hängt, die man übt...


    Das habe ich ja auch geschrieben. Ich kann nur nicht von Beginn an in der höchten Fruststufe beginnen :ka:

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    wenn das eine funktioniert, muss es nicht automatisch beim anderen klappen.


    Auch das habe ich erklärt, dass man danach zu den anderen Situatinen übergeht. Wenn ein Hund schlecht mit Frust umgehen kann, sollte man aus meiner Sicht aber dennoch mit eher unwichtigen Sachen beginnen. Eigentlich wie bei allen anderen Trainings auch.

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    Meines Erachtens muss ich Frustrationstoleranz immr am konkreten Problem üben, bzw. an den konkreten Problemen.


    Ich seh das so, dass man zuerst generell den Umgang mit Frust beibringt, und dann erst zu Problemen geht, wo der Frust so hoch ist dass der Hund dort Probleme macht.

    Dir ist aber schon klar, dass Hunde die normal bei ihrer Mutter waren und von Beginn an "korrekt" vom Besitzer behandelt wurden kein Problem mit Frust haben? Die brauchen auch keine Frustrationstoleranz zu lernen, die besitzen sie bereits.
    Fehlende Frustrationstoleranz ist ein Versäumnis der Mutter, oder falsches / zu nachgiebiges / inkonsequentes handeln des Besitzers. Logisch dass, wenn Du alles "richtig" gemacht hast, Du keinen Umgang mit Frust üben brauchst. Ich dachte das sei denen, die hier schreiben und Tips geben bewusst, sonst ist das Thema wohl falsch verstanden worden.
    Gesunde, gut sozialisierte Hunde können recht locker mit einem gewissen Maß an Frust umgehen.

    Und wenn Hunde in bestimmten Situation Krawall machen / sich aufführen / "sonstwas tun" muß das nicht ursächlich mit Frustration zu tun haben.

    Die Frage hier war aber eindeutig nach dem Aufbau der Frustrationstoleranz.

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    Nur wenn der Hund nicht aufs Fressen fixiert ist, bzw sich garnicht für sowas interessiert?


    Wie gesagt, in reizarmer Umgebung, bevor es Futter gegeben hat, will Hund immer fressen. Es ist vielleicht nicht sein vorrangiges Ziel, umso besser. Je kleiner man damit anfängt, desto besser. Wenn ich den Hund gleich seinem vollen Frust aussetze, wird er nix lernen. Je uninteressanter - und damit je kleiner der Frust - desto besser kann man es steuern und langsam auf schwierigere Sachen ausdehenen.

    Meine Hunde interessiert Futter fast gar nicht, trotzdem schieben sie ein gewisses Maß an Frust, wenn mitten in der Wohnung ein Stück Leberwurst leigt und sie nicht hindürfen. Selbst wenn sie es gar nicht fressen wollen, zumindest ansehen was da liegt wollen sie.

    Wenn ich mit seinem Lieblingsspielkamerad auf einer belebten Hundewiese beginnen würde, stünde ich auf verlorenem Posten. Wenn ich alles bis dahin langsam steigere, klappt es :)

    Mal ohne blabla, grundsätzlich ist es immer das selbe wie das aufgebaut wird.

    Man sucht sich eine Sache, die der Hund gerne haben mag, aber nicht bekommen soll. Ob das nun das fordern von Leckerlies, das hinlaufen zu anderen Hunden ist, oder ob der Hund jammert weil er nicht ins Bett darf. Eigentlich ist es vollkommen irrelevant WAS es ist.

    Man setzt dem Hund diese Sache in abgeschwächter Form in reizarmer Umgebung vor (also ein nicht sooo tolles Leckerlie, einen ihm bereits bekannten Hund, usw.). Man fordert vom Hund ein so lange zu warten, bis die Freigabe des HH kommt. Wichtig ist, dass der Hund anschließend dafür belohnt wird, und zwar wirklich belohnt, also mit einer echt tollen Sache.

    Man beginnt in ganz kleinen Schritten, so soll der Hund zB 5 Sekunden vor einem am Boden liegenden Leckerlie warten, schafft er das wir er mit einem besseren Leckerlie belohnt (oder Spielzeug oder was auch immer). Wichtig ist zu Anfang, dass man nicht mit dem ultimativen Objekt der Begierde beginnt.
    Der Hund lernt dabei, dass es nicht nachteilig für ihn ist etwas nicht zu bekommen was er in dem Moment gerne will. Zieht man das regelmäßig und konsequent durch, kann man den Reiz steigern und die Belohnung "verringern".
    Irgendwann ist man dann so weit, dass der Hund zB bei seinem ultimativen Lieblingsleckerlie wartet und mit einem verbalen Lob stattdessen zufrieden ist. Das ist aber, je nach dem wie gut der Hund Frustration schon bei seiner Mutter ertragen musste (die bringen das normalerweise bei) ein mehr oder weniger langer, mühsamer Weg.

    Hat man auf dem Belohnungsweg ein gewisses Level erreicht, bringt man dem Hund bei, dass er gewisse Dinge zu einem Zeitpunkt einfach nicht haben kann. Er hat vorher durch Belohnung gemerkt, dass es nicht sooo schlimm ist und kann dadurch schon besser damit umgehen. Er wird dann auch verkraften, wenn es sich nicht mehr für ihn lohnt, weil es ihn nicht mehr in stress versetzt das Objekt seiner Begierde vor sich zu sehen.

    Also im Grunde genommen läuft alles darauf hinaus, dem Hund den Stress zu nehmen.

    Grundsätzlich ist das in jeder beliebigen Situation anwendbar.


    Ich persönlich würde immer mit der Leckerlie-Methode beginnen, da Hunde in reizarmer Umgebung darauf eigentlich immer reagieren. Der Grund warum Hunde frssen verweigern ist so gut wie immer ein zu hohes Erregungslevel, was ja in reizarmer Umgebung nicht vorhanden ist.

    Und noch was: Lasst Euch Zeit damit, sowas ist eine schwierige Sache, bei der man einiges kaputt macht wenn man zu schnell und hart vorgeht :)


    Ach ja, Frustration ist immer ein generelles Problem, nicht wirklich auf eine Sache bezogen. Nur die Auswirkungen richten sich nach der Intensität des "haben/tun wollens".